Wer bekommt welche Blutprodukte?

Blutprodukte wie Erythrozytenkonzentrate (RBC), Plasma und Thrombozyten sind zentrale Ressourcen in der perioperativen Versorgung. Wie häufig einzelne Blutkomponenten eingesetzt werden, und in welchen Kombinationen, variiert jedoch stark.

Eine neue Auswertung einer prospektiven, multizentrischen Follow-up-Studie zeigt nun, welche Blutprodukte bei anästhesiologischen Patientinnen und Patienten im Krankenhausalltag tatsächlich verabreicht werden, welche Kombinationsmuster dominieren und dass sich Patientinnen und Patienten anhand ihres perioperativen Blutproduktbedarfs in drei klar unterscheidbare Transfusionsprofile einteilen lassen. Besonders relevant: In der kleinen Gruppe mit sehr hohem Blutproduktbedarf war ein gezielt eingesetztes Patient Blood Management (PBM) mit einer Reduktion eines kombinierten Endpunkts aus Sterblichkeit und schwerwiegenden Komplikationen assoziiert.

Rund jede/r Zehnte erhält Blutprodukte – Erythrozytenkonzentrate bleiben das häufigste Produkt

Von 1.125.244 eingeschlossenen anästhesiologischen Patientinnen und Patienten erhielten 119.369 (10,6%) während des Krankenhausaufenthalts mindestens ein Blutprodukt. Im Zeitraum 2010 bis 2019 war das mit Abstand am häufigsten verabreichte Blutprodukt das Erythrozytenkonzentrat. Die Kombinationsmuster sind unter diesem Link interaktiv aufbereitet:
wue-ains.shinyapps.io/blood-products/

Drei Profile – große Unterschiede beim Blutproduktbedarf

Die Auswertung identifizierte drei klar unterscheidbare Transfusionsprofile bei anästhesiologischen Patientinnen und Patienten: ein niedriges Profil mit sehr seltenem Bedarf an Blutprodukten, ein moderates Profil mit vor allem Erythrozytentransfusionen und ein hohes Profil mit komplexen Mehrkomponenten-Transfusionen.

Im niedrigen Profil traten Krankenhaussterblichkeit und schwere postoperative Komplikationen insgesamt selten auf; ein zusätzlicher Nutzen durch Patient Blood Management (PBM) war hier nicht erkennbar. Das moderate Profil diente als Vergleichsgruppe und zeigte einen regelmäßigeren, aber meist überschaubaren Transfusionsbedarf.

Das hohe Profil umfasste die Hochrisikopatientinnen und -patienten, typischerweise aus Eingriffen mit großem Blutungs- und Gerinnungsmanagement-Bedarf. Hier wurden häufig Kombinationen aus Erythrozyten, Plasma und Gerinnungsfaktoren eingesetzt. In dieser Gruppe war das Risiko für unerwünschte Ereignisse deutlich erhöht – zugleich zeigte sich gerade hier der wichtigste Befund: Gezielt eingesetzte PBM-Maßnahmen waren mit einer messbaren Reduktion von Sterblichkeit und schweren Komplikationen verbunden.

Publikation: Rumpf, Florian, Suma Choorapoikayil, Lotta Hof, Denana Mehic, Philipp Helmer, Benedikt Schmid, Kai Zacharowski, Patrick Meybohm, and German Patient Blood Management Network Collaborators. 2026. "Who Needs Most? Multicenter Subanalysis of Blood Transfusion Profiles in the German Patient Blood Management Network Registry" Journal of Clinical Medicine 15, no. 5: 1759. https://doi.org/10.3390/jcm15051759