Therapeutisches Fasten als neuartiger Ansatz zur Linderung muskuloskelettaler Symptome bei Brustkrebspatientinnen unter Aromatasehemmer-Therapie

Sogenannte aromatasehemmerbedingte Muskel- und Gelenkbeschwerden (AIMSS bzw. AIA), können bei vielen Patientinnen im Rahmen einer antihormonellen Therapie auftreten und die Lebensqualität teils erheblich beeinträchtigen.

Im Rahmen einer multizentrischen Zusammenarbeit mit dem CCC Mainfranken, der Charité Universitätsmedizin Berlin, dem Universitätsklinikum Tübingen, sowie dem Robert Bosch Centrum für Integrative Medizin wird ein Studienprotokoll zu einem innovativen unterstützenden Ansatz zur Linderung von Nebenwirkungen einer Brustkrebstherapie vorgestellt: das therapeutische Fasten. 

Vorläufige Hinweise aus anderen Krankheitsbereichen, etwa bei rheumatischen Erkrankungen, legen nahe, dass Fasten entzündliche Prozesse und Schmerzen positiv beeinflussen könnte. Gleichzeitig ist die Datenlage zum Einsatz von Fasten bei onkologischen Patientinnen unter laufender Therapie derzeit unzureichend. Leitlinien betonen, dass eine Anwendung außerhalb klinischer Studien nicht empfohlen werden kann.

Vor diesem Hintergrund prüft die Studie nun, ob ein mehrtägiges, medizinisch begleitetes Fastenprogramm für betroffene Patientinnen überhaupt praktikabel und sicher durchführbar ist.

Geplant ist eine einarmige Pilotstudie mit 54 Teilnehmerinnen unter endokriner adjuvanter Therapie, die ein siebentägiges, kontrolliertes Fastenprogramm mit definierter Kalorienrestriktion (≤ 350 kcal/Tag) durchführen. 

Dieses basiert vor allem auf Gemüsebrühen und Säften und wird durch strukturierte Anleitung sowie medizinische Begleitung unterstützt. Ziel ist explizit nicht der Nachweis einer klinischen Wirksamkeit, sondern die Evaluation von Durchführbarkeit, Sicherheit und Akzeptanz im klinischen Alltag. Neben der Durchführbarkeit wird auch untersucht, wie gut sich verschiedene etablierte Fragebögen und Messinstrumente einsetzen lassen, um Beschwerden, Lebensqualität, Stress, Achtsamkeit und Schlaf zu erfassen. Damit soll eine methodische Grundlage für zukünftige, größere Studien geschaffen werden.

Ergänzend werden Veränderungen im Lebensstil, etwa Ernährungsgewohnheiten, sowie Aspekte wie Fatigue (tumorbedingte Erschöpfung) beobachtet. Zudem sollen digitale Selbstbeobachtungen und qualitative Interviews helfen, individuelle Erfahrungen und subjektive Veränderungen besser zu verstehen.

Insgesamt dient die Studie als wichtige Vorarbeit für eine größere, kontrollierte Untersuchung. Vor dem Hintergrund der aktuell limitierten Evidenz verfolgt die Studie damit einen klar hypothesengenerierenden Ansatz innerhalb eines sicheren, kontrollierten Studienrahmens.

Publikation: Meyer H, Koppold DA, Shaker O, Eden L, Schiffmann L, Konigorski S, Cramer H, Choi KA, Einsele H, Winkler M, Löffler C. Therapeutic Fasting as a Novel Approach to Mitigate Musculoskeletal Symptoms in Breast Cancer Patients undergoing Aromatase Inhibitor Therapy: A Feasibility Study Protocol. Integrative Cancer Therapies. 2026;25. doi:10.1177/15347354261426272