In dem Projekt „ECM-Anker zur lokalen Steuerung der Immunantwort im Melanom“ entwickelt die Arbeitsgruppe Schmieder zusammen mit dem Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie ein Biokonjugat. Dieses soll sich gezielt in der Tumormatrix verankern und dort tumorfördernde Immunzellen so umprogrammieren, dass sie die körpereigene Abwehr und somit die Immuntherapie besser unterstützen.
Beim metastasierten Melanom haben Immuntherapien die Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessert. Dennoch sprechen längst nicht alle Patientinnen und Patienten auf diese Therapien an. Ein wichtiger Grund dafür ist das Tumormikromilieu: Immunzellen, die den Tumor eigentlich bekämpfen sollten, können dort so beeinflusst werden, dass sie das Tumorwachstum unterstützen und die Wirksamkeit der Immuntherapie bremsen. Es besteht daher ein großer Bedarf an neuen Strategien, die diese hemmende Umgebung gezielt verändern.
Hier setzt das Forschungsprojekt der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Astrid Schmieder an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKW an, das in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie (Lehrstuhl für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie, Prof. Dr. Lorenz Meinel) durchgeführt wird. Die Forschenden wollen sogenannte tumorassoziierte Makrophagen (TAM) – Immunzellen, die im Tumor häufig eine tumorfördernde Funktion übernehmen – so umprogrammieren, dass sie wieder gegen den Krebs arbeiten und andere Immunzellen unterstützen.
Dafür entwickeln sie ein neuartiges Biokonjugat, bei dem ein bereits zugelassener Wirkstoff so verändert wird, dass er sich gezielt in der extrazellulären Matrix (ECM) des Tumors verankern kann. Die ECM ist ein Netzwerk außerhalb der Zellen, das dem Gewebe Struktur gibt und im Tumor auch beeinflusst, wie sich Zellen und Medikamente im Gewebe verteilen. Der Wirkstoff soll erst direkt im Tumorumfeld freigesetzt und dadurch möglichst gezielt dort wirksam werden.
Die Forschenden untersuchen zunächst, wie sich die Biokonjugate auf die Makrophagen auswirken und welche Bestandteile der ECM sie im Tumorgewebe binden. Mit modernen Verfahren wie Massenspektrometrie und räumlicher Sequenzierung soll zudem geklärt werden, wie ECM und Immunzellen im Tumor miteinander wechselwirken. Anschließend wird an frischem, patientennahem Tumorgewebe geprüft, ob die Biokonjugate das Ansprechen auf eine Immuntherapie verbessern können.
Ziel ist eine präzise Therapie, die nicht den Tumor direkt, sondern gezielt dessen immunsuppressives Umfeld verändert. Sollte sich der Ansatz in den präklinischen Untersuchungen bewähren, könnte er langfristig neue Behandlungsmöglichkeiten für Patientinnen und Patienten eröffnen, bei denen bisherige Immuntherapien nicht ausreichend wirken. Das Prinzip könnte möglicherweise auch auf andere Krebsarten übertragen werden.
