Tumorgröße und USP8-Genstatus beeinflussen Rückfallrisiko nach Operation bei Morbus Cushing

Morbus Cushing ist eine seltene hormonelle Erkrankung, bei der der Körper zu viel des Stresshormons Cortisol produziert. Meist ist ein gutartiger Tumor der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) die Ursache. Er steigert die Ausschüttung des Hormons ACTH, wodurch die Nebennieren zu einer übermäßigen Cortisolproduktion angeregt werden.

Die wichtigste Behandlungsmethode ist eine Hypophysenoperation. Warum aber manche Betroffene nach einer zunächst erfolgreichen Operation ein Rezidiv entwickeln, war bislang jedoch unklar. Es gab bislang keine verlässlichen Prädiktoren für den Langzeitverlauf. 

In einer retrospektiven Längsschnittstudie untersuchte ein internationales Team, an dem auch die Würzburger Endokrinologie beteiligt war, ob der USP8-Status den postoperativen Verlauf beeinflusst. Mutationen im USP8-Gen, das den Bauplan für ein Enzym liefert, welches verschiedene Signalwege in der Tumorzelle reguliert und unter anderem das Wachstum von Zellen und die Hormonproduktion beeinflusst, stehen im Verdacht, das Rezidivrisiko zu beeinflussen. 

Die Studie, die u. a. von der DFG gefördert wurde, umfasste die Auswertung der Daten von 435 Patientinnen und Patienten, die zwischen 1989 und 2024 in einem der acht teilnehmenden Zentren in Ostasien, Europa und Nordamerika erstmals operiert worden waren. Pathogene USP8-Varianten wurden in 195 Fällen (45 %) nachgewiesen. Bei 66 (18 %) der 371 Patientinnen und Patienten, die unmittelbar nach der Operation eine Remission erreicht hatten, trat ein Rezidiv auf.

Das Rezidivrisiko hing jedoch nicht nur vom USP8-Status, sondern auch von der Tumorgröße ab. Das geringste Risiko für einen Rückfall hatten Patientinnen und Patienten mit kleinen Tumoren ohne eine Veränderung im USP8-Gen. Dagegen war das Risiko deutlich höher, wenn der Tumor eine USP8-Veränderung aufwies – unabhängig davon, ob es sich um einen kleinen oder großen Tumor handelte. Das höchste Rückfallrisiko hatten Patientinnen und Patienten mit großen Tumoren ohne USP8-Veränderung.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine genetische Untersuchung des entfernten Tumorgewebes wertvolle zusätzliche Informationen für die Nachsorge liefern kann. Sie könnte besonders hilfreich für Patientinnen und Patienten sein, die nach der Operation zunächst als wenig gefährdet gelten, bei denen aufgrund genetischer Veränderungen jedoch ein erhöhtes Rückfallrisiko besteht.

Die Einführung einer kombinierten genetisch-klinischen Risikostratifizierung könnte deshalb eine genauere Einschätzung des individuellen Rezidivrisikos ermöglichen, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Rückfallrisiko identifizieren und damit langfristig zu einer personalisierten Nachsorge bei Morbus Cushing beitragen.

Publikation: Qilin Zhang, Yixin Cai, Yuyu Liu, Boyuan Yao, Prajina Sharma, Elisabeth Ruoff, Zengyi Ma, Stephanie Zopp, Yue Wu, Ana Paula Abreu, Shuo Zhang, Maria A Tichomirowa, Yi Wang, Günter Stalla, Nidan Qiao, Zhao Ye, Felicia A Hanzu, Hong Chen, Michael Buchfelder, Zhenwei Yao, Jörg Flitsch, Yiming Li, Jun Thorsteinsdottir, Yongfei Wang, Isabella Nasi-Kordhishti, Hongying Ye, Jürgen Honegger, Silviu Sbiera, Ursula B Kaiser, Martin Fassnacht, Zhaoyun Zhang, Martin Reincke, Marily Theodoropoulou, Yao Zhao, Luis Gustavo Perez-Rivas. Risk of recurrence after successful surgery for Cushing's disease and association with USP8 genotype and tumour size: an international, retrospective, longitudinal cohort study. The Lancet Diabetes & Endocrinology, Volume 14, Issue 4, 2026, Pages 327-336, ISSN 2213-8587, https://doi.org/10.1016/S2213-8587(25)00396-1.

Ein roter Pfeil auf der MRT-Aufnahme zeigt auf einen ebenfalls in rot eingekreisten Tumor.
Das MRT-Bild zeigt einen großen malignen Morbus-Cushing-Tumor. © UKW
Collage mit Porträts der Wissenschaftler, die beide einen weißen Kittel tragen
Aus Würzburg waren Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, sowie PD Dr. Silviu Sbiera, Leiter des Forschungsbereichs der Endokrinologie, an der Studie beteiligt. © UKW

Das MRT-Bild zeigt einen großen malignen Morbus-Cushing-Tumor. © UKW

Aus Würzburg waren Prof. Dr. Martin Fassnacht, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie, sowie PD Dr. Silviu Sbiera, Leiter des Forschungsbereichs der Endokrinologie, an der Studie beteiligt. © UKW