Die gemeinnützige Stiftung „Forschung hilft“ wurde Ende 2017 vom Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ gegründet. Sie fördert innovative Krebsforschung am Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Mit ihren Förderpreisen stärkt sie vielversprechende Forschungsprojekte, wissenschaftliche Kooperationen und den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ziel ist es, neue Erkenntnisse und Behandlungsmöglichkeiten zu ermöglichen und die Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten zu verbessern. Am 29. Oktober 2026 wurden bei einem Festakt im „Maschinenhaus“ auf dem Würzburger Bürgerbräu-Gelände Preisgelder in einer Gesamtsumme von 241.992 Euro verteilt. Die 23 geförderten Projekte decken ein breites Spektrum innovativer Ansätze in der Krebsforschung ab. Ein Überblick.
Der Sonderpreis der Stiftung „Forschung hilft“ – der Barbara -Stamm-Gedächtnispreis – geht in diesem Jahr an die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Claudia Löffler von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II. In dem Projekt wird die Leiterin der Komplementären Onkologie Integrativ gemeinsam mit Dr. Michaela Arnold und der Pflegeexpertin Kerstin Deubner ein strukturiertes Nachsorgeprogramm entwickeln. Dieses soll Menschen nach Krebsoperationen durch gezielte Berührung und einfache Übungen dabei unterstützen, ihren Körper wieder bewusster wahrzunehmen, Schmerzen zu lindern und neues Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen (Projekt BERÜHRT WERDEN).
Ein Projekt aus der Zahnklinik untersucht das orale Mikrobiom als Schlüssel zur personalisierten Immuntherapie bei Kopf-Hals-Tumoren. Die Nuklearmedizin entwickelt ein KI-Modell zur automatisierten Analyse von FDG-PET/CT-Aufnahmen, um eine präzisere Prognose bei neuroendokrinen Tumoren zu ermöglichen (zum Projekt). Und die Arbeitsgruppe von Dr. Angela Riedel am Würzburger Mildred-Scheel-Nachwuchszentrum (MSNZ) für Krebsforschung untersucht den Cholesterinstoffwechsel als Ziel in der Brustkrebstherapie. Möglicherweise lässt sich mit Statinen die Metastasierung beim Brustkrebs über den Lymphknoten beeinflussen (zum Projekt).
Aus der Dermatologie erhalten insgesamt vier Projekte eine Förderung. Die AG Schmieder untersucht, wie sich Immunzellen im Mikromilieu des Melanoms umprogrammieren lassen (zum Projekt), die AG Uslu erforscht, wie CAR-T-Zellen bei der Bekämpfung des Melanoms länger aktiv bleiben (zum Projekt). Ein interdisziplinäres Team setzt KI ein, um Hautmetastasen auf Fotos zuverlässig zu erkennen und ihr Ansprechen auf Therapien zu verfolgen (zum Projekt). Und die Arbeitsgruppen Wobser und Schrama untersuchen, wie sich ein unter Mogamulizumab auftretender Hautausschlag von einem Rückfall des Lymphoms zuverlässig unterscheiden lässt (zum Projekt).
In der Medizinischen Klinik und Poliklinik I werden drei Projekte finanziell unterstützt. So erforscht der Clinician Scientist Dr. Lukas Weiß beispielsweise die Auswirkungen des Wirkstoffs Mitotane auf die Blutgerinnung und die Thrombusbildung bei der Therapie des Nebennierenkarzinoms (zum Projekt). In einem Kooperationsprojekt der Endokrinologie und Genetik wird geprüft, ob Tumoren in Niere und Nebenniere per Blutprobe beobachtet werden können. Schließlich untersucht die Juniorgruppe um Marc P. Schauer, wie Hormone die Wirksamkeit von Immuntherapien beeinflussen (zum Projekt).
In der Medizinischen Klinik und Poliklinik II gehen Förderungen an insgesamt zwölf Projekte. Die Hepatologie sucht zum Beispiel neue Proteinmuster im Blut, die bereits Jahre vor der Diagnose auf Leber- und Gallengangstumoren hinweisen (zum Projekt). In einem weiteren Projekt wird untersucht, warum manche Lebertumoren nicht auf die TACE-Therapie ansprechen. Ebenfalls mit zwei Projekten ist die Gastroenterologie am Start: Es wird erforscht, wie sich Chemotherapien auf die DLL3-Expression neuroendokriner Tumorzellen auswirken (zum Projekt) und wie KI versteckte Rückfälle bei der Darmspiegelung aufspüren kann (zum Projekt).
Am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie erforscht die Nachwuchsgruppe von Dr. Patrick Ho logikgesteuerte Rezeptoren, die CAR-T-Zellen befähigen, unterschiedliche Antigenmuster auf Tumorzellen gezielt zu erkennen. Dadurch können Krebszellen zuverlässiger angegriffen und gesundes Gewebe besser geschont werden (zum Projekt). In einem weiteren Projekt der AG Luu geht es um bakterielle Milchsäure-Varianten und das Darmmikrobiom, welche die Funktion therapeutischer T-Zellen beeinflussen.
Im Projekt „NeuroCARe plus“ erweitern Dr. Anna Fleischer und Prof. Dr. Sophia Danhof die digitale Anwendung „NeuroCARe“ um KI-gestützte Analysen von Bewegungen und Mimik. Dadurch sollen neurologische Nebenwirkungen einer CAR-T-Zelltherapie früher erkannt und die Patientensicherheit verbessert werden.
In der Hämatologie untersuchen die Arbeitsgruppen Fante und Frietsch, wie sich die Hautsteifigkeit bei einer Graft-versus-Host-Erkrankung nach einer allogenen Stammzelltransplantation mithilfe eines mobilen Messgeräts erfassen lässt. Das Ziel besteht darin, den Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen zuverlässiger beurteilen und Behandlungen gezielter steuern zu können (zum Projekt). PD Dr. Sabrina Kraus will mit ihrem Team die Immunprozesse bei einer durch das Zytomegalievirus (CMV) verursachten Kolitis nach einer Stammzelltransplantation entschlüsseln und daraus Biomarker ableiten, mit denen gefährdete Patientinnen und Patienten frühzeitig erkannt und besser behandelt werden können (zum Projekt).
Im Projekt von Prof. Jürgen Löffler und Dr. Chris Lauruschkat geht es ebenfalls um CMV. Die Forschenden untersuchen das Zusammenspiel von CMV, dem Schimmelpilz A. fumigatus und dem menschlichen Immunsystem. Zu diesem Zweck integrieren sie körpereigene Immunzellen in ein dreidimensionales Lungenmodell.
Auch im Projekt von Dr. Dalia Sheta und Dr. Isabell Lang kommt ein 3D-Modell zum Einsatz. Die Forscherinnen entwickeln mir ihren Teams hochspezifische Wirkstoffe mit Nanobodies. Diese sollen Myelomzellen gezielt zum programmierten Zelltod bringen, während gesunde Zellen möglichst verschont bleiben. Dafür testen sie die Wirkstoffe in realitätsnahen 3D-Knochenmarkmodellen mit patienteneigenen Tumorzellen. In einem weiteren Projekt zum Multiplen Myelom untersuchen die Arbeitsgruppen Beilhack und Wajant neue Wirkstoffe, die erschöpfte T-Zellen im Tumormilieu wieder aktivieren und somit die Wirksamkeit moderner Immuntherapien erhöhen.
Mit einer Spende an die Stiftung „Forschung hilft“ können Interessierte weitere Krebsforschungsprojekte in Würzburg unterstützen. Dafür steht folgendes Konto zur Verfügung:
Stiftergemeinschaft der Sparkasse Mainfranken
IBAN DE19 7905 0000 0000 0655 65
www.forschung-hilft.de