Dr. Anna Fleischer und Prof. Dr. Sophia Danhof erweitern die digitale Anwendung „NeuroCARe“ um KI-gestützte Analysen von Bewegungen und Mimik. Damit sollen neurologische Nebenwirkungen einer CAR-T-Zelltherapie frühzeitiger erkannt und die Patientensicherheit verbessert werden.
Die CAR-T-Zelltherapie hat die Behandlung bestimmter Blutkrebserkrankungen entscheidend vorangebracht und bietet auch Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren Erkrankungen neue Perspektiven. Allerdings kann die Aktivierung des Immunsystems auch neurologische Nebenwirkungen auslösen. Diese reichen von Konzentrations- und Sprachstörungen über Verwirrtheit bis hin zu Bewegungsstörungen, Krampfanfällen oder Lähmungen von Hirnnerven. Eine möglichst frühe Erkennung solcher Veränderungen ist entscheidend, damit das Behandlungsteam rechtzeitig reagieren und schwerwiegende Verläufe verhindern kann. Bislang erfolgt die neurologische Überwachung jedoch vor allem durch regelmäßige klinische Untersuchungen und ist damit zeitaufwendig und in Teilen von der subjektiven Einschätzung abhängig.
Mit „NeuroCARe“ wurde am UKW bereits unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Anna Fleischer eine von ihr konzipierte digitale Anwendung entwickelt, die standardisierte kognitive Tests auf einem Tablet ermöglicht und Veränderungen beispielsweise in Aufmerksamkeit, Sprache, Denken und Motorik erfassen kann. Das Forschungsprojekt „NeuroCARe plus“ um Anna Fleischer und Prof. Dr. Sophia Danhof soll diese Anwendung nun entscheidend erweitern. Mithilfe der Kamera eines mobilen Endgeräts sollen künftig auch körperliche und neurologische Auffälligkeiten wie Bewegungsstörungen, Tremor (Zittern), Koordinationsprobleme oder Veränderungen der Gesichtsmuskulatur digital erfasst werden. Dabei kommen Verfahren des maschinellen Lernens zum Einsatz, die beispielsweise Körperhaltung, Bewegungsmuster und Mimik analysieren können. So soll ein multimodales digitales Instrument entstehen, das kognitive und körperliche Veränderungen standardisiert dokumentiert und das medizinische Fachpersonal bei der Überwachung von Patientinnen und Patienten unterstützt.
Zunächst wird die Anwendung im klinischen Umfeld auf ihre Nutzbarkeit, Akzeptanz und technische Zuverlässigkeit geprüft. Perspektivisch könnte „NeuroCARe plus“ auch im ambulanten und häuslichen Umfeld eingesetzt werden und dadurch eine engmaschigere Überwachung ermöglichen. Ziel ist es, neurologische Nebenwirkungen nach CAR-T-Zelltherapie früher zu erkennen, die Patientensicherheit zu erhöhen und langfristig die Versorgung der Betroffenen durch eine alltagsnahe digitale Unterstützung zu verbessern.
