Die Arbeitsgruppe von Sebastian Schmitz und Prof. Dr. Andreas Geier aus der Hepatologie untersucht im Projekt „Individuelle TACE-Therapie bei Leberzellkarzinom: Rolle von Hypoxiefaktoren und Hitzeschockproteinen“, wie Sauerstoffmangel und Stressschutzmechanismen in Lebertumoren den Erfolg der TACE-Therapie beeinflussen. Das Ziel besteht darin, künftig besser vorhersagen zu können, welche Tumoren auf die Therapie ansprechen, und diese gezielter behandeln zu können.
Für Menschen mit einem Leberzellkarzinom im mittleren Krankheitsstadium ist eine Heilung häufig nicht mehr möglich. Eine wichtige Behandlungsmöglichkeit ist die sogenannte transarterielle Chemo-Embolisation (TACE). Dabei wird die Blutversorgung des Tumors gezielt unterbrochen und gleichzeitig ein Chemotherapeutikum direkt in das Tumorgewebe eingebracht. Die Behandlung kann das Tumorwachstum bremsen, wirkt aber nicht bei allen Betroffenen gleich gut.
Ein möglicher Grund dafür liegt in der Reaktion des Tumors auf die Behandlung: Durch die unterbrochene Blutversorgung entsteht im Tumorgewebe ein ausgeprägter Sauerstoff- und Nährstoffmangel. Dadurch können Schutzmechanismen in den Krebszellen aktiviert werden, die sie widerstandsfähiger machen. Die Arbeitsgruppe von Sebastian Schmitz und Prof. Dr. Andreas Geier aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik II untersucht deshalb zwei dabei wichtige Faktoren: sogenannte Hypoxiefaktoren, die auf Sauerstoffmangel reagieren, und Hitzeschockproteine, die Zellen vor Stress schützen.
Das Team will herausfinden, wie stark diese Faktoren den Behandlungserfolg beeinflussen und ob sie sich gegenseitig beeinflussen. Dazu werden Gewebeproben von Patientinnen und Patienten mit Leberzellkarzinom untersucht, die im Rahmen einer langjährigen UKW-Biobank gesammelt wurden. Die Forschenden setzen die Ergebnisse unter anderem mit Tumormerkmalen, bisherigen Therapien und dem Überleben der Betroffenen in Beziehung. Ergänzend wird im Zellmodell untersucht, wie die beiden Faktoren zusammenwirken.
Langfristig könnte daraus ein Ansatz für eine individuellere TACE-Therapie entstehen: Wenn sich erkennen lässt, welche Tumoren besonders stark auf Sauerstoffmangel und Zellstress reagieren, könnten diese Mechanismen möglicherweise gezielt mit Medikamenten blockiert werden. Die TACE-Behandlung ließe sich damit gezielter auf die Eigenschaften des jeweiligen Tumors abstimmen.
Noch handelt es sich um präklinische Forschung. Der Ansatz bietet jedoch eine gute Perspektive für die spätere Übertragung in die Klinik, da entsprechende Wirkstoffe gegen die untersuchten Faktoren bereits bei anderen Krebserkrankungen eingesetzt oder klinisch geprüft werden. Ziel ist es, die Behandlung des Leberzellkarzinoms im mittleren Krankheitsstadium wirksamer und stärker an den individuellen Eigenschaften des Tumors auszurichten.
