Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Claudia Löffler von der Medizinischen Klinik und Poliklinik II entwickelt ein achtsames Nachsorgeprogramm, das Menschen nach Krebsoperationen durch gezielte Berührung und einfache Übungen dabei unterstützen soll, ihren Körper wieder bewusster wahrzunehmen, Schmerzen zu lindern und neues Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen.
Eine Krebsoperation kann Leben retten, verändert aber häufig auch das Verhältnis zum eigenen Körper. Narben, Schmerzen, Sensibilitätsstörungen oder Spannungsgefühle können dazu führen, dass Betroffene ihren Körper als fremd oder unsicher erleben. Das kann Bewegung, Schlaf, Lebensqualität und auch Nähe zu Partnerinnen, Partnern und Angehörigen beeinträchtigen.
Wie lässt sich dieses verlorene Körpergefühl wieder stärken? Dieser Frage widmet sich ein Projekt der Komplementären Onkologie Integrativ unter Leitung von Prof. Dr. Claudia Löffler. In dem Projekt wird Claudia Löffler gemeinsam mit Dr. Michaela Arnold und Pflegeexpertin Kerstin Deubner ein strukturiertes Nachsorgeangebot entwickeln, das Menschen nach Krebsoperationen dabei unterstützt, ihren Körper wieder bewusster wahrzunehmen und Vertrauen in ihn zurückzugewinnen.
Im Mittelpunkt steht dabei die gezielte und achtsame Berührung. Sie soll helfen, Schmerzen und Stress zu regulieren, Narben und betroffene Körperregionen wieder besser in die eigene Körperwahrnehmung zu integrieren und Sicherheit in Bewegung und Alltag zu gewinnen. Die Patientinnen und Patienten lernen zudem einfache Übungen zur Selbstberührung und zur eigenständigen Regulation.
Auch Angehörige und Partnerinnen und Partner können einbezogen werden. Sie erhalten Unterstützung dabei, mit der veränderten körperlichen Situation umzugehen und Berührung wieder als etwas Sicheres und Verbindendes zu erleben. Damit nimmt das Projekt nicht nur die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten in den Blick, sondern auch das soziale Umfeld.
Das zunächst für Patientinnen nach gynäkoonkologischen Operationen konzipierte Programm soll über mehrere Wochen erprobt und wissenschaftlich begleitet werden. Untersucht wird insbesondere, ob sich Körperwahrnehmung und postoperative Schmerzen verbessern. Darüber hinaus geht es um Lebensqualität, Selbstwirksamkeit, Schlaf, Körperbild und psychosoziales Wohlbefinden.
Langfristig soll daraus ein niedrigschwelliges, wissenschaftlich fundiertes Nachsorgeangebot entstehen, das eine bislang wenig beachtete Seite der Krebsnachsorge adressiert: die Frage, wie Menschen nach einer Operation wieder Sicherheit und Vertrauen im eigenen Körper entwickeln können.
