Tumoren früher erkennen: Neue Blutmarker für Leber und Gallengänge

19.000 Euro Förderung durch Stiftung Forschung hilft

Im Projekt „Neue Tumormarker aus Proteomanalysen zum effektiveren Screening auf Leber- und Gallengangstumore“ suchen PD. Dr. Heike Hermanns und Prof. Dr. Andreas Geier mit ihren Arbeitsgruppen nach neuen Proteinmustern im Blut, die bereits Jahre vor der Diagnose auf Leber- und Gallengangstumoren hinweisen und so eine frühere, gezieltere Erkennung ermöglichen könnten. 

Leber- und Gallengangstumoren werden häufig erst erkannt, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Entsprechend sind die Heilungschancen bislang begrenzt. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Lebertumore zu, unter anderem weil die weit verbreitete metabolisch bedingte Fettlebererkrankung (MASLD) über eine Leberfibrose und -zirrhose die Entstehung eines Leberzellkarzinoms begünstigen kann. Für eine erfolgreiche Früherkennung fehlen jedoch bislang verlässliche Blutmarker. Der derzeit wichtigste Tumormarker Alpha-Fetoprotein (AFP) liefert nur einen begrenzten zusätzlichen diagnostischen Nutzen. Auch für das Gallengangskarzinom gibt es bisher keine zuverlässigen Marker für eine frühzeitige Erkennung.

PD Dr. rer. nat. Heike Hermanns und Prof. Dr. med. Andreas Geier wollen deshalb mit ihrem Team der Hepatologie neue Tumormarker im Blut identifizieren, die bereits Jahre vor der eigentlichen Diagnose auf die Entwicklung eines Leber- oder Gallengangstumors hinweisen. Dafür nutzen sie gepaarte Serumproben von Patientinnen und Patienten, die sowohl mindestens zwei Jahre vor der Tumordiagnose als auch zum Zeitpunkt der Diagnose entnommen wurden. Diese sogenannten intraindividuellen Probenvergleiche ermöglichen es, Veränderungen im Blut eines Menschen über die Zeit zu verfolgen.

Mithilfe hochauflösender massenspektrometrischer Proteomanalysen wird untersucht, welche Proteine sich im Blut von Tumorpatientinnen und -patienten verändern. Die Ergebnisse werden mit Proben gesunder Kontrollpersonen verglichen. Dabei geht es nicht nur um einzelne Proteine: Die Forschenden wollen auch charakteristische Kombinationen verschiedener Marker identifizieren, die auf bestimmte Krankheitsverläufe oder Ursachen der Tumorerkrankung hinweisen könnten.

Für das Pilotprojekt stehen aus der Würzburger Interdisziplinären Biomaterial- und Datenbank (ibdw) Proben von 40 Patientinnen und Patienten mit Leber- oder Gallengangstumoren zur Verfügung. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten liegen sogar mehrere Proben aus unterschiedlichen Zeitpunkten vor. Die Proteomanalysen werden in Zusammenarbeit mit der Zentralen Einheit Klinische Massenspektrometrie am UKW durchgeführt.

Ziel ist es, neue Blutmarker zu finden, mit denen Menschen mit einem erhöhten Tumorrisiko künftig früher und gezielter überwacht werden könnten. Eine frühere Diagnose könnte die Chancen auf eine kurative Behandlung verbessern. Die neu identifizierten Marker sollen in weiteren Patientenkohorten überprüft werden. Dafür stehen in Würzburg bereits große Kohorten von Patientinnen und Patienten mit Lebertumoren und Fettlebererkrankungen zur Verfügung.

Der Ansatz könnte damit langfristig zu präziseren Vorsorge- und Früherkennungsstrategien für Leber- und Gallengangstumoren beitragen – mit einem einfachen und für die Patientinnen und Patienten wenig belastenden Verfahren: der Untersuchung einer Blutprobe.

 

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