Marc P. Schauer untersucht im Projekt „Biologische Zeit & Tumoradaption – endokrine Zeitgeber als Schlüssel zur Immuntherapie“, ob hormonelle Rhythmen Tumorzellen zeitweise für das Immunsystem angreifbarer machen und sich dadurch der optimale Zeitpunkt für eine Immuntherapie bestimmen lässt.
Nicht nur was ein Tumor zeigt, sondern möglicherweise auch wann er es zeigt, könnte darüber entscheiden, wie gut das Immunsystem und eine Immuntherapie ihn erkennen. Clinician Scientist und NCT Clinical Trialist Marc P. Schauer ist am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie (Leitung: Prof. Michael Hudecek) und am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) verankert. Er untersucht, ob hormonelle Rhythmen Tumorzellen im Tages- und Monatsverlauf in unterschiedliche Zustände versetzen – und damit ihre Empfindlichkeit gegenüber Immuntherapien verändern.
Im Mittelpunkt steht als biologische Zeitgeber der tägliche Rhythmus verschiedener Hormone. Eigene Vorarbeiten der Arbeitsgruppe zeigen, dass Glukokortikoide unter anderem Tumorantigene, Immuncheckpoints und die angeborene Immunantwort beeinflussen können. Die Forschenden vermuten daher, dass Tumorzellen diese hormonellen Signale nutzen und ihre Sichtbarkeit für das Immunsystem zeitweise verändern. Aus dem bislang statischen Bild eines Tumors könnte so ein dynamischer Prozess werden, bei dem sich die Eigenschaften der Krebszellen im Zeitverlauf verändern.
Um diese Hypothese zu prüfen, entwickelt das Team im Labor biologische Modelle, mit denen sich zeitabhängige hormonelle Einflüsse auf Tumorzellen untersuchen lassen. Im Fokus stehen molekulare Eigenschaften der Tumorzellen und Mechanismen, die für die Erkennung und Aktivierung von Immunzellen wichtig sind. Mithilfe von molekularbiologischen und stoffwechselbezogenen Analysen soll ein genaues Bild davon entstehen, welche molekularen Zustände Tumorzellen zu unterschiedlichen Tages- oder Zyklusphasen einnehmen.
Anschließend wird geprüft, ob diese zeitabhängigen Veränderungen tatsächlich beeinflussen, wie gut Immuntherapien wirken. Ziel ist es, grundlegende Zusammenhänge zwischen hormonellen Rhythmen, der Immunerkennung von Tumorzellen und möglichen Therapieansätzen aufzuzeigen und damit langfristig neue Perspektiven für die Weiterentwicklung personalisierter Krebstherapien zu eröffnen.
Behandlungszeitpunkt könnte Einfluss auf Wirksamkeit haben
Langfristig könnte daraus ein neuer Ansatz der zeitlich personalisierten Krebsmedizin entstehen: Die Wirksamkeit einer Therapie könnte nicht nur von der Wahl des Medikaments oder der molekularen Eigenschaften des Tumors abhängen, sondern auch vom Zeitpunkt der Behandlung. Besonders interessant ist dabei die mögliche klinische Nähe des Ansatzes. Sollte sich bestätigen, dass Tumorzellen zu bestimmten Zeiten besser angreifbar sind, könnte der Behandlungszeitpunkt entsprechend angepasst werden – ohne dass dafür ein neuer Wirkstoff oder ein aufwendiges Zulassungsverfahren erforderlich wäre. Die Erkenntnisse sollen anschließend in klinischen Studien am Würzburger Standort gezielt überprüft werden.
