In dem Projekt „RIGID – Resonance-based Investigation of GvHD-associated Induration and Dermal Stiffness“ untersuchen die Arbeitsgruppen der Privatdozenten Dr. Matthias Fante und Dr. Jochen Frietsch, ob sich die Hautsteifigkeit bei chronischer GvHD mithilfe eines mobilen Messgeräts objektiv erfassen lässt. Das Ziel besteht darin, den Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen zuverlässiger beurteilen und Behandlungen gezielter steuern zu können.
Nach einer allogenen Stammzelltransplantation, bei der blutbildende Stammzellen von einer Spenderin oder einem Spender übertragen werden, kann das Immunsystem des Spenders das Gewebe der Patientin oder des Patienten angreifen. Diese sogenannte Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD) ist eine der wichtigsten Komplikationen nach einer Stammzelltransplantation und kann die Lebensqualität und das langfristige Überleben erheblich beeinträchtigen. Besonders schwerwiegend ist die chronische, sklerodermiforme GvHD der Haut, bei der es zu einer zunehmenden Verhärtung und Vernarbung des Gewebes kommt. Die Haut und das darunterliegende Gewebe werden dabei immer steifer, was im weiteren Verlauf Beweglichkeit und Organfunktionen beeinträchtigen kann. Für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte ist es bislang schwierig, den Schweregrad und den Verlauf dieser Veränderungen objektiv zu beurteilen, da die klinische Untersuchung stark von der Erfahrung und individuellen Einschätzung der Untersuchenden abhängt.
Das Forschungsprojekt RIGID der Arbeitsgruppe Fante/Frietsch an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II möchte diese diagnostische Lücke schließen. Mithilfe eines kleinen, mobilen Messgeräts soll die Steifigkeit der betroffenen Haut objektiv und schmerzfrei erfasst werden. Das sogenannte Myoton PRO versetzt das Gewebe sanft in Schwingung und misst dabei unter anderem dessen dynamische Steifigkeit und Spannungsrelaxation. So soll erstmals eine objektivierbare und untersucherunabhängige Einschätzung der Hautbeteiligung bei chronischer GvHD ermöglicht werden. Besonders relevant ist die Frage, ob sich Veränderungen der Gewebesteifigkeit bereits erkennen lassen, bevor sie bei der herkömmlichen klinischen Untersuchung sichtbar oder tastbar werden. Eine frühere und zuverlässigere Beurteilung des Therapieansprechens könnte helfen, Behandlungen gezielter zu steuern und sowohl eine unnötig lange oder intensive Immunsuppression als auch eine unzureichende Behandlung zu vermeiden.
Langfristig soll RIGID damit dazu beitragen, die Betreuung von Patientinnen und Patienten nach Stammzelltransplantation zu verbessern und die Behandlung der chronischen GvHD stärker an objektiv messbaren Veränderungen auszurichten.
