CMV-Kolitis entschlüsseln: Wenn das Immunsystem im Darm aus dem Gleichgewicht gerät

19.942 Euro Förderung durch Stiftung Forschung hilft

Im Projekt „CMV-Kolitis nach allogener Stammzelltransplantation: neue Einblicke in Pathomechanismen und therapeutische Angriffspunkte“ will PD Dr. Sabrina Kraus mit ihrem Team die Immunprozesse bei CMV-Kolitis nach einer Stammzelltransplantation entschlüsseln und daraus Biomarker ableiten, mit denen gefährdete Patientinnen und Patienten frühzeitig erkannt und besser behandelt werden können.

Nach einer allogenen Stammzelltransplantation ist das Immunsystem lange Zeit geschwächt. Eine Folge kann die Reaktivierung des Cytomegalievirus (CMV) sein. Besonders gefährlich wird es, wenn sich das Virus im Darm ausbreitet und eine CMV-Kolitis verursacht. Sie kann schwere Entzündungen und Gewebeschäden auslösen und ist zugleich schwer zu erkennen: Es gibt keine typischen Beschwerden, und selbst eine geringe oder nicht nachweisbare Virusmenge im Blut schließt eine CMV-Kolitis nicht aus. Zudem können ähnliche Beschwerden durch eine Graft-versus-Host-Erkrankung oder andere Infektionen verursacht werden – mit jeweils ganz unterschiedlichen Behandlungsstrategien.

Die Arbeitsgruppe von PD Dr. Sabrina Kraus aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik II möchte deshalb herausfinden, was im Darmgewebe passiert, wenn sich aus einer CMV-Reaktivierung eine schwere Organinfektion entwickelt. Im Mittelpunkt steht die lokale Immunantwort: Welche Immunzellen und Entzündungsprozesse sind an der CMV-Kolitis beteiligt? Und lassen sich daraus Merkmale ableiten, mit denen sich gefährdete Patientinnen und Patienten frühzeitig erkennen lassen?

Dafür untersucht das Team Darmgewebe von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen schweren Krankheitsverläufen – von einer kontrollierten CMV-Reaktivierung bis zur schweren CMV-Kolitis. Die Gewebeproben werden mit modernen räumlichen Analyseverfahren untersucht. Die Spatial-Transcriptomics-Technologie ermöglicht dabei, die Genaktivität direkt an ihrem Ort im Gewebe zu erfassen. So soll sichtbar werden, welche Zellen und Signalwege an der Entzündung beteiligt sind und wie Immunzellen, Darmzellen und CMV-infizierte Bereiche miteinander interagieren. So wollen die Forschenden ein möglichst umfassendes Bild der Immunantwort bei CMV-Kolitis gewinnen.

Die Erkenntnisse könnten darüber hinaus auch für andere stark immungeschwächte Patientinnen und Patienten relevant sein, etwa nach einer Organtransplantation oder im Rahmen moderner Immuntherapien wie CAR-T-Zell-Therapien. 

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