Die von Prof. Dr. Alexander Hann geleitete Arbeitsgruppe InExEn, allen voran Dr. Ioannis Kafetzis und Jana Theile, entwickelt im Projekt „Künstliche Intelligenz zur Erkennung von Rezidiven nach Entfernung von Dickdarmkrebs und Vorstufen“ eine KI, die Resektionsnarben bei der Darmspiegelung zuverlässig erkennen und auf mögliche Tumorrückfälle hinweisen soll, damit Rezidive früher entdeckt und gezielt behandelt werden können.
Nach der Entfernung von Polypen, Krebsvorstufen oder einem Dickdarmtumor sind regelmäßige Kontroll-Koloskopien entscheidend. An der Stelle des entfernten Gewebes kann jedoch erneut Tumorgewebe entstehen. Resektionsnarben sind bei der Darmspiegelung teilweise schwer aufzufinden und selbst unauffällige Narben können in einigen Fällen bereits ein Lokalrezidiv verbergen. Die Arbeitsgruppe InExEn unter Leitung von Prof. Dr. Alexander Hann in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II möchte deshalb eine Künstliche Intelligenz (KI) entwickeln, die Ärztinnen und Ärzte bei der Suche nach Narben und möglichen Rückfällen unterstützt. Maßgeblich verantwortlich für das Projekt sind Dr. Ioannis Kafetzis und Jana Theile.
Dafür wird ein großer Datensatz mit Koloskopieaufnahmen aus mehr als 20 Jahren systematisch ausgewertet. Erfahrene Endoskopiker markieren darin Resektionsnarben und sichtbare Rezidive, sodass die KI typische Bildmerkmale erlernen kann. Ziel ist ein System, das während einer laufenden Untersuchung automatisch auf eine Narbe aufmerksam macht und einschätzt, ob dort Hinweise auf ein erneutes Tumorwachstum bestehen.
Eine weitere KI-Anwendung soll dabei helfen, die entdeckten Veränderungen möglichst genau im Dickdarm zu lokalisieren. Zusätzlich werden die zugehörigen Untersuchungsberichte mithilfe eines Sprachmodells analysiert. So soll erkannt werden, ob relevante Narben und Befunde vollständig dokumentiert wurden.
Das langfristige Ziel ist ein Assistenzsystem, das in Echtzeit während der Koloskopie eingesetzt werden kann. Erkennt die KI eine verdächtige Stelle, können Untersuchende diese gezielt mit besonders hochauflösenden Verfahren nachuntersuchen. Dadurch sollen Lokalrezidive zuverlässiger und möglichst früh erkannt werden zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch endoskopisch behandelt werden können.
Die Entwicklung wird zunächst an vorhandenen Daten trainiert und anschließend mit Untersuchungen aus einem weiteren Zentrum sowie mit Videoaufnahmen aus einer prospektiven Studie überprüft. Ziel ist eine Validierung unter realen klinischen Bedingungen. Damit könnte KI künftig dazu beitragen, die Nachsorge nach Darmkrebs und die Entfernung von Krebsvorstufen sicherer, objektiver und weniger abhängig von der Erfahrung einzelner Untersuchender zu machen.
