Tumorbiologie von Hauttumoren
Tumorbiologisches Forschungslabor
(AG Schrama / Wobser)
Experimentelle translationale Projekte werden in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „Translationale Dermatoonkologie“ unter Leitung von Dr. Valerie Glutsch durchgeführt. Seit Jahren besteht zudem eine enge wissenschaftliche Vernetzung im Rahmen des Comprehensive Cancer Centers (CCC) Mainfranken und dem Zentrum für Personalisierte Medizin (ZPM) Würzburg. Forschungsideen werden teils auch gemeinsam mit internationalen wissenschaftlichen Kooperationspartnern und im Rahmen klinischer Register (ADO, EORTC) adressiert.
Drei verschiedene Hauttumoren stehen dabei im Fokus unserer Untersuchungen: das Melanom, kutane Lymphome und das Merkelzellkarzinom.
Melanom
Da Hautzellen in besonderem Maße Mutationen-induzierender UV-Strahlung ausgesetzt sind, ist es nicht verwunderlich, dass Hauttumoren zu den häufigsten Krebsarten zählen. Das Melanom ist zwar seltener als andere Hauttumoren, aufgrund seiner hohen Metastasierungstendenz jedoch für die meisten hautkrebsbedingten Todesfälle verantwortlich.
Melanome entstehen aus den pigmentbildenden Hautzellen, den Melanozyten, und sind – typisch für UV-induzierte Tumoren – durch eine sehr hohe Anzahl genetischer Veränderungen charakterisiert. Ein Forschungsfeld unserer Arbeitsgruppe ist es, den Einfluss dieser unterschiedlichen Mutationen auf den Tumor zu untersuchen. Dabei stellt sich unter anderem die Frage, ob sie für die Tumorentstehung oder die Proliferation der Tumorzellen notwendig sind, die Wirksamkeit einer Therapie beeinflussen oder ob es sich lediglich um sogenannte Bystander-Mutationen handelt, die keinen entscheidenden Effekt auf die Tumorzellen haben.
Darüber hinaus weist eine Häufung von Mutationen innerhalb eines Signalwegs auf dessen Bedeutung für die Tumorzelle hin. Die Identifikation relevanter Mutationen und Signalwege ist nicht nur wichtig, um die Tumorentstehung besser zu verstehen, sondern kann auch zur Entwicklung neuer Therapien und zur Optimierung bestehender Behandlungsansätze beitragen.
Kutane Lymphome
Analog versuchen wir, Faktoren zu identifizieren, welche die Entstehung, Proliferation und das Überleben kutaner Lymphome (kutane B- und T-Zell-Lymphome) beeinflussen.
Unsere molekularen und klinischen Daten zum kutanen Marginalzonenlymphom, zum kutanen follikulären B-Zell-Lymphom und zu dessen Abgrenzung vom kutanen diffus-großzelligen B-Zell-Lymphom haben in den letzten Jahren zu einem besseren Verständnis und einer genaueren Klassifikation indolenter und aggressiver kutaner B-Zell-Lymphome beigetragen. Neben somatischen Mutationen haben sich auch onkogene Fusionen als pathogenetisch relevante Veränderungen erwiesen. Bei kutanen T-Zell-Lymphomen spielen zudem epigenetische Alterationen eine wichtige Rolle. Diese tumorpromovierenden Veränderungen eröffnen ein weites Feld für neuartige therapeutische Ansatzpunkte.
Ein besonderer Fokus unserer Forschungsarbeiten liegt auf kutanen T-Zell-Lymphomen. Um die bei diesen Erkrankungen vorliegende klonale Diversität zu berücksichtigen und primäre sowie sekundäre Resistenzmechanismen zu überwinden, interessieren wir uns insbesondere für die Evaluation kombinatorischer Therapieansätze, die bereits zugelassene zielgerichtete Therapiestrategien sinnvoll ergänzen sollen.
Ein weiteres Forschungsinteresse unserer Gruppe besteht in der Verbesserung der Diagnostik kutaner Lymphome – insbesondere in der Abgrenzung zu gutartigen entzündlichen Hauterkrankungen – sowie in der Identifikation translational relevanter prognostischer Marker, die das Therapiemanagement im klinischen Alltag beeinflussen können. In internationalen Kooperationsprojekten verfolgen wir hierzu verschiedene Ansätze, darunter molekulare Untersuchungen unter Einbindung von Einzelzell-Analysen und künstlicher Intelligenz (KI).
Merkelzellkarzinom
Der wichtigste Schwerpunkt unserer Arbeit liegt allerdings seit vielen Jahren auf der Erforschung des Merkelzellkarzinoms. Dabei handelt es sich um einen seltenen, besonders aggressiven Hauttumor. Bekanntheit außerhalb der Dermatologie erlangte das Merkelzellkarzinom, als 2008 gezeigt wurde, dass sich in der Mehrzahl der Merkelzellkarzinome ein bis dahin unbekanntes Virus aus der Gruppe der Polyomaviren nachweisen ließ, welches entsprechend den Namen Merkelzellpolyomavirus (MCPyV) erhielt. Wir konnten zeigen, dass Tumorzellen von Patientinnen und Patienten, bei denen das Virus integriert ist, von der Expression der onkogenen viralen Proteine, den sogenannten T-Antigenen, abhängig sind. Für das Wachstum der Zellen ist dabei die Interaktion des sogenannten großen T-Antigens mit dem zellulären Retinoblastoma-Protein und die damit verbundene Aufhebung der Zellzyklusblockade besonders wichtig. Des Weiteren haben wir gezeigt, dass das große T-Antigen an einer bestimmten Stelle phosphoryliert werden muss, damit es diesen wachstumsfördernden Effekt ausüben kann. Nachdem eine direkte Inhibition der viralen Proteine schwer umzusetzen ist, versuchen wir aktuell die zellulären Proteine zu identifizieren, die für die Expression der T-Antigene und deren Phosphorylierung notwendig sind, um so gegebenenfalls in Zukunft maßgeschneiderte Therapien entwickeln zu können.
Der Ursprung des Merkelzellkarzinoms:
Anders als die oben beschriebenen Melanome weisen MCPyV-assoziierte Merkelzellkarzinome nur sehr wenige Mutationen auf. Allerdings gibt es auch eine Subgruppe an Merkelzellkarzinomen, die nicht viral induziert sind und die wiederum durch eine hohe Anzahl an Mutationen mit UV-typischer Signatur charakterisiert sind. Sowohl für das MCPyV-induzierte als auch das UV-induzierte Merkelzellkarzinom ist bisher nicht geklärt, aus welchen Zellen sie sich entwickeln und ob es eventuell sogar unterschiedliche Ursprungszellen gibt. Durch die genetische Analyse kombinierter Tumoren mit Merkelzellkarzinom und epithelialem Anteil konnten wir zeigen, dass MCPyV-positive MCCs aus Trichoblastomen (ein Haarfollikeltumor) und Virus-negative MCCs aus Plattenepithelkarzinomen hervorgehen können. Das legt nahe, dass – anders als erwartet – beide Subtypen epithelialen Ursprungs sein könnten. In weiterführenden Experimenten wollen wir – mittels verschiedener Modellsysteme – diese Hypothese erhärten.
Methodenspektrum:
Zum Studium der zellulären Signalwege setzen wir spezifische Inhibitoren und genetische Manipulation von Zellen ein. Dabei kommen neben einfachen Zellkulturen auch komplexe Organoid-Modelle zum Einsatz. Neben der Zellkultur spielen methodisch bei uns folgende Techniken eine besondere Rolle: Klonierung, Transfektion und Transduktion, Überexpression, knockdown oder knockout via CRISPR/Cas9, qRT-PCR, Durchflusszytometrie, Immunoblot, immunhistochemische Färbungen, time lapse Mikroskopie, Proliferations- und Zelltod-Analysen. In Kooperationsprojekten wird das methodische Spektrum u.a. durch next generation sequencing (NGS), single cell RNA-Sequenzierung (scRNAseq), spatial transcriptomics oder die Einbindung künstlicher Intelligenz (KI) erweitert.
Ausgewählte Publikationen
Thiem, A., S. Hesbacher, H. Kneitz, T. di Primio, M. V. Heppt, H. M. Hermanns, M. Goebeler, S. Meierjohann, R. Houben and D. Schrama (2019). "IFN-gamma-induced PD-L1 expression in melanoma depends on p53 expression." J Exp Clin Cancer Res 38(1): 397.
Schrama, D., E. M. Sarosi, C. Adam, C. Ritter, U. Kaemmerer, E. Klopocki, E. M. König, J. Utikal, J. C. Becker and R. Houben (2019). "Characterization of six Merkel cell polyomavirus-positive Merkel cell carcinoma cell lines: Integration pattern suggest that large T antigen truncating events occur before or during integration." Int J Cancer 145(4): 1020-1032.
Wobser, M., A. Weber, A. Glunz, S. Tauch, K. Seitz, T. Butelmann, S. Hesbacher, M. Goebeler, R. Bartz, H. Kohlhof, D. Schrama and R. Houben (2019). "Elucidating the mechanism of action of domatinostat (4SC-202) in cutaneous T cell lymphoma cells." J Hematol Oncol 12(1): 30.
Maurus K, Appenzeller S, Roth S, Brändlein S, Kneitz H, Goebeler M, Rosenwald A, Geissinger E, Wobser M (2020). “Recurrent Oncogenic JAK and STAT Alterations in Cutaneous CD30-Positive Lymphoproliferative Disorders.” J Invest Dermatol. 140(10):2023-2031.
Kervarrec, T., M. Aljundi, S. Appenzeller, M. Samimi, E. Maubec, B. Cribier, L. Deschamps, B. Sarma, E. M. Sarosi, P. Berthon, A. Levy, G. Bousquet, A. Tallet, A. Touzé, S. Guyétant, D. Schrama and R. Houben (2020). "Polyomavirus-Positive Merkel Cell Carcinoma Derived from a Trichoblastoma Suggests an Epithelial Origin of this Merkel Cell Carcinoma." J Invest Dermatol 140(5): 976-985.
Houben, R., M. Ebert, S. Hesbacher, T. Kervarrec and D. Schrama (2020). "Merkel Cell Polyomavirus Large T Antigen is Dispensable in G2 and M-Phase to Promote Proliferation of Merkel Cell Carcinoma Cells." Viruses 12(10).
Kervarrec, T., M. Samimi, S. Hesbacher, P. Berthon, M. Wobser, A. Sallot, B. Sarma, S. Schweinitzer, T. Gandon, C. Destrieux, C. Pasqualin, S. Guyétant, A. Touzé, R. Houben and D. Schrama (2020). "Merkel Cell Polyomavirus T Antigens Induce Merkel Cell-Like Differentiation in GLI1-Expressing Epithelial Cells." Cancers (Basel) 12(7).
Wobser M, Roth S, Appenzeller S, Kneitz H, Goebeler M, Geissinger E, Rosenwald A, Maurus K (2021). “Oncogenic Mutations and Gene Fusions in CD30-Positive Lymphoproliferations and Clonally Related Mycosis Fungoides Occurring in the Same Patients.” JID Innov. 1(3):100034.
Wobser M, Roth S, Appenzeller S, Houben R, Schrama D, Goebeler M, Geissinger E, Rosenwald A, Maurus K (2021). “Targeted Deep Sequencing of Mycosis Fungoides Reveals Intracellular Signaling Pathways Associated with Aggressiveness and Large Cell Transformation.” Cancers. 13(21):5512.
Houben, R., S. Hesbacher, B. Sarma, C. Schulte, E. M. Sarosi, S. Popp, C. Adam, T. Kervarrec and D. Schrama (2022). "Inhibition of T-antigen expression promoting glycogen synthase kinase 3 impairs merkel cell carcinoma cell growth." Cancer Lett 524: 259-267.
Kervarrec, T., S. Appenzeller, M. Samimi, B. Sarma, E. M. Sarosi, P. Berthon, Y. Le Corre, E. Hainaut-Wierzbicka, A. Blom, N. Benethon, G. Bens, C. Nardin, F. Aubin, M. Dinulescu, M. L. Jullie, Á. Pekár-Lukacs, E. Calonje, S. Thanguturi, A. Tallet, M. Wobser, A. Touzé, S. Guyétant, R. Houben and D. Schrama (2022). "Merkel Cell Polyomavirus‒Negative Merkel Cell Carcinoma Originating from In Situ Squamous Cell Carcinoma: A Keratinocytic Tumor with Neuroendocrine Differentiation." J Invest Dermatol 142(3 Pt A): 516-527.
Wobser M, Schummer P, Appenzeller S, Kneitz H, Roth S, Goebeler M, Geissinger E, Rosenwald A, Maurus K (2022). “Panel Sequencing of Primary Cutaneous B-Cell Lymphoma.” Cancers . 27;14(21):5274.
Houben, R., P. Alimova, B. Sarma, S. Hesbacher, C. Schulte, E. M. Sarosi, C. Adam, T. Kervarrec and D. Schrama (2023). "4-[(5-Methyl-1H-pyrazol-3-yl)amino]-2H-phenyl-1-phthalazinone Inhibits MCPyV T Antigen Expression in Merkel Cell Carcinoma Independent of Aurora Kinase A." Cancers (Basel) 15(9).
Houben, R., B. Celikdemir, T. Kervarrec and D. Schrama (2023). "Merkel Cell Polyomavirus: Infection, Genome, Transcripts and Its Role in Development of Merkel Cell Carcinoma." Cancers (Basel) 15(2).
Wobser, M, S. Appenzeller, S. Roth, C. Siedel, M. Goebeler, E. Geissinger, A. Rosenwald and K. Maurus (2024). “Oncogenic alterations in KIR3DL1 in cutaneous acral CD8+ lymphoproliferative disorder.” Br J Dermatol. 191(5):816-822.
Kervarrec, T., S. Appenzeller, A. Tallet, M. L. Jullie, P. Sohier, F. Guillonneau, A. Rütten, P. Berthon, Y. Le Corre, E. Hainaut-Wierzbicka, A. Blom, N. Beneton, G. Bens, C. Nardin, F. Aubin, M. Dinulescu, S. Visée, M. Herfs, A. Touzé, S. Guyétant, M. Samimi, R. Houben and D. Schrama (2024). "Detection of wildtype Merkel cell polyomavirus genomic sequence and VP1 transcription in a subset of Merkel cell carcinoma." Histopathology 84(2): 356-368.
Kervarrec, T., S. Appenzeller, S. Gramlich, E. Coyaud, K. Bachiri, R. Appay, N. Macagno, A. Tallet, C. Bonenfant, Y. Lecorre, J. Kapfer, S. Kettani, N. Srinivas, K.C. Lei, A. Lange, J.C. Becker, E.M. Sarosi, H. Sartelet, A. von Deimling, A. Touzé, S. Guyétant, M. Samimi, D. Schrama and R. Houben (2024). “Analyses of combined Merkel cell carcinomas with neuroblastic components suggests that loss of T antigen expression in Merkel cell carcinoma may result in cell cycle arrest and neuroblastic transdifferentiation.” J Pathol 264(1): 112-124.
Wobser, M., Goebeler M., A. Rosenwald and K. Maurus (2025). „Topical ruxolitinib for treatment of mycosis fungoides and lymphomatoid papulosis.” Br J Dermatol. 193(3):563-564.
Liv, T., A. Touzé A, D. Schrama, S. Guyétant, M. Samimi, M.T. Tetzlaff, B.A. Wood, P.W. Harms and T. Kervarrec (2026). “RB1 inactivation in cutaneous carcinomas.” Histopathology 88(4):769-789
Initiativbewerbungen
Wir freuen uns über Initiativbewerbungen von motivierten Studierenden, die in unserem Labor ihre Bachelorarbeit, Masterarbeit oder experimentelle medizinische Doktorarbeit durchführen möchten:
Ansprechpartner:
Dr. rer. nat. David Schrama
E-Mail: schrama_d@ukw.de
Mitglieder der Arbeitsgruppe
Büke Celikdemir (Doktorandin)
Telefon: +49 931 201-26190
E-Mail: celikdemir_b@ukw.de
Marlies Ebert (Techn. Assistenz)
Telefon: +49 931 201-26752
E-Mail: ebert_m4@ukw.de
Dr. rer. nat. Sonja Hesbacher
Telefon: +49 931 201-26752
E-Mail: hesbacher_s@ukw.de
Eva-Maria Sarosi (Techn. Assistenz)
Telefon: +49 931 201-26752
E-Mail: sarosi_e@ukw.de
Dr. rer. nat. David Schrama
Telefon: +49 931 201-26756
E-Mail: schrama_d@ukw.de
Prof. Dr. med. Marion Wobser
Telefon: +49 931 201-26718
E-Mail: wobser_m@ukw.de

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten
Terminvereinbarung Poliklinik
Tel. +49 931 201-26714
Montag bis Donnerstag
12:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Freitag
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Montag bis Freitag
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Margit Körner
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Tel. +49 931 201-26354
E-Mail: privatambulanz-derma@ukw.de
Telefon
Pforte
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Direktor
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Sekretariat
Gudrun Braun
+49 931 201-26351
Studierendenangelegenheiten
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+49 931 201-26353
Anschrift
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