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Hohe Auszeichnung für Heike Rittner: Würzburger Schmerzforscherin gehört nun der Leopoldina an

Heike Rittner, Inhaberin des Lehrstuhls für Schmerzmedizin an der Universitätsmedizin Würzburg, wurde in die Nationale Akademie der Wissenschaften aufgenommen

Porträtbild von Heike Rittner - sie trägt schwarzen Rolli, schwarzes Jacket und ein Tuch um den Hals
Die Würzburgerin Prof. Dr. Heike Rittner, Inhaberin des ersten Lehrstuhls für Schmerzmedizin in Deutschland, wurde in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen. © Daniel Peter / UKW

Würzburg. Die Aufnahme in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina habe sie unendlich gefreut, sagt Prof. Dr. Heike Rittner. „Eine Mitgliedschaft in der ehrwürdigen und renommierten Gelehrtenakademie ist die größte Anerkennung und wichtigste Auszeichnung für meine wissenschaftliche Leistung, die es hierzulande gibt. Darüber hinaus gibt sie meinem Forschungsgebiet, dem Schmerz, mehr Sichtbarkeit.“ 

Heike Rittner gründete 2017 das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) und leitet seit 2023 Deutschlands ersten Lehrstuhl für Schmerzmedizin. Meilenstein war die Bewilligung der DFG-geförderten Klinischen Forschungsgruppe KFO5001 „ResolvePAIN“, in der die Mechanismen der Schmerzauflösung erforscht werden.

Schmerzmedizin braucht mehr politische Aufmerksamkeit und bessere Rahmenbedingungen

Als Fachärztin für Anästhesiologie, Schmerztherapeutin und Wissenschaftlerin am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) hofft sie, mit ihrer Mitgliedschaft, neue Impulse für die Schmerzmedizin zu setzen und dazu beizutragen, das Thema chronischer Schmerz in Wissenschaft, Gesundheitspolitik und Gesellschaft stärker zu verankern. 

Angesichts der wachsenden Bedeutung chronischer Schmerzen, insbesondere bei Erkrankungen des Bewegungsapparats und im Zusammenhang mit psychischer Belastung sieht Heike Rittner großen Handlungsbedarf. Denn trotz der hohen Zahl chronisch schmerzkranker Menschen sei die Versorgung vielerorts unzureichend und durch die Krankenhausreform mehr denn je gefährdet. „Evidenzbasierte, interdisziplinäre Schmerztherapien werden im derzeitigen Vergütungssystem oft benachteiligt, während invasive Eingriffe mit teils begrenztem Nutzen häufig attraktiver vergütet werden“, sagt Rittner. 

Ganzheitlicher Blick: Molekül, Mechanismen, Mensch und Miteinander

Ihr zufolge befindet sich die Schmerzforschung derzeit in einer besonders dynamischen Phase. Denn erste Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der vergangenen zwei Jahrzehnte gelangen nun in die klinische Anwendung. Neue Wirkstoffe und molekular zielgerichtete Therapien eröffnen vielversprechende Perspektiven. Fortschritte sind jedoch nur möglich, wenn moderne Medikamente mit einem ganzheitlichen Behandlungsansatz verbunden werden, der auch psychische Faktoren, Behandlungserwartungen sowie die Lebenssituation der Patientinnen und Patienten berücksichtigt.

Genau dieser ganzheitliche Ansatz macht das Fachgebiet Schmerz so besonders. „Er zwingt uns, klein und gleichzeitig groß zu denken: von Molekülen und biologischen Mechanismen bis hin zum Menschen mit seiner psychischen, sozialen und beruflichen Lebenssituation, also dem Miteinander“, erklärt Heike Rittner. Gerade chronischer Schmerz ist das Ergebnis eines engen Zusammenspiels von körperlichen Prozessen, Gehirn, Psyche und sozialem Umfeld. Deshalb müssen Forschung und Therapie all diese Ebenen gemeinsam berücksichtigen.

Schmerz ist ein gesellschaftliches Phänomen

Heike Rittner freut sich auch deshalb über ihre Mitgliedschaft in der Leopoldina. Zwar ist sie der Fachsektion „Chirurgie, Orthopädie und Anästhesiologie“ zugeordnet, doch der fachübergreifende Austausch zwischen den 28 Fachsektionen und den vier Klassen Mathematik, Natur- und Technikwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin sowie Geistes-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften zählt zu den zentralen Aufgaben der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Gerade für ihre interdisziplinäre Schmerzforschung eröffnet sich dadurch eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Vernetzung und zum wissenschaftlichen Dialog. „Schmerz ist kein rein medizinisches Thema, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Deshalb brauchen seine Erforschung und Behandlung unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven“, betont Heike Rittner.

Werdegang von Prof. Dr. Heike Rittner 

Heike Rittner wurde 1968 in Berlin geboren und wuchs in Oldenburg in Niedersachsen auf. Nach ihrem Medizinstudium in Wien und Würzburg und weiteren Ausbildungsstationen, unter anderem an den Universitäten Yale und Basel, führte ihr wissenschaftlicher Weg sie zunächst an die Mayo Clinic in Rochester (USA). Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin, wo sie den Grundstein für ihre Karriere in der Schmerzforschung legte, wechselte sie im Jahr 2008 an die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie das Universitätsklinikum Würzburg (UKW). Zu diesem Zeitpunkt verfügte das UKW bereits über eine der ersten Schmerzambulanzen in Deutschland sowie eine universitäre Schmerztagesklinik. Die Fachärztin für Anästhesiologie baute diesen Schwerpunkt sukzessive zum Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) aus, welches sie seit 2017 leitet. Im Jahr 2020 bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die von ihr und Prof. Dr. Claudia Sommer geleitete Klinische Forschungsgruppe KFO 5001 ResolvePAIN, in der sie die molekularen Mechanismen der Schmerzauflösung besser verstehen wollen, um personalisierte und passgenaue Therapien zu entwickeln. 2021 wurde Heike Rittner auf die W2 Professur für klinische und experimentelle Schmerztherapie berufen und 2023 übernahm sie den neu eingerichteten und in Deutschland einzigartigen Lehrstuhl für Schmerzmedizin. Ihre Spezialgebiete sind entzündlicher und neuropathischer Schmerz, Barrieren als Schutz für das Nervensystem, sowie persistierende Schmerzen nach Operationen und das komplexe, regionale Schmerzsyndrom. Seit 2025 ist sie Prodekanin und gehört dem Fakultätsvorstand an. Heike Rittner ist verheiratet, Mutter von drei Kindern und lebt mit der Familie in Würzburg.

Porträt von Heike Rittner in der UKW-Serie #WomenInScience: Universitätsklinikum Würzburg: Forschung: WomenInScience – Prof. Dr. Heike Rittner

Über die Leopoldina: Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zählt zu den ältesten und renommiertesten Wissenschaftsakademien der Welt. Als „Academia Naturae Curiosorum" 1652 in Schweinfurt gegründet, beschäftigten sich die ersten Mitglieder der „Akademie der Naturforscher“ vor allem mit medizinischen und naturwissenschaftlichen Fragen und trugen wesentlich zur wissenschaftlichen Aufklärung bei. Bis heute steht die Leopoldina, die seit 1878 ihren Hauptsitz in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) hat, für wissenschaftliche Exzellenz und interdisziplinären Austausch. Um ihre Stärke der Akademie zu erhalten, wählt die Leopoldina jedes Jahr in einem mehrstufigen Auswahlverfahren etwa 50 neue Mitglieder. Die rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern sind in Fachsektionen organisiert, die wiederum vier Klassen mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Medizin sowie Verhaltens-, Sozial- und Geisteswissenschaften zugeordnet sind. Unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen erarbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gesellschaftlich relevante Zukunftsthemen und beraten die deutsche Politik und internationale Institutionen in wichtigen Fragen. Ihre Stellungnahmen zu Themen wie Gesundheit, Klimawandel oder Technologie haben großes Gewicht. Darüber hinaus setzt sich die Leopoldina für die Achtung der Menschenrechte ein. 

Porträtbild von Heike Rittner - sie trägt schwarzen Rolli, schwarzes Jacket und ein Tuch um den Hals
Die Würzburgerin Prof. Dr. Heike Rittner, Inhaberin des ersten Lehrstuhls für Schmerzmedizin in Deutschland, wurde in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen. © Daniel Peter / UKW

Bessere Sicht, mehr Sicherheit im OP: Videolaryngoskopie überzeugt im Vergleich

Weltweit größte randomisiert-kontrollierte Studie mit mehr als 2.500 Patientinnen und Patienten zeigt Vorteile der videogestützten Atemwegssicherung gegenüber der klassischen direkten Laryngoskopie.

Die drei verschiedenen untersuchten Laryngoskope nebeneinander auf grauem Hintergrund.
In der COVALENT-Studie wurden drei Laryngoskope miteinander verglichen: das klassische Laryngoskop (links), das Macintosh-Videolaryngoskop (Mitte) und das hyperangulierte Videolaryngoskop mit stark gekrümmtem Spatel. © Benedikt Schmid / UKW
Collage mit vier Bildern an einer Patientenpuppe - Laryngoskopie- und Intubationsvorgang
Die Collage demonstriert den Laryngoskopie- und Intubationsvorgang im Trainingslabor. Oben links findet eine Laryngoskopie mit konventionellem Laryngoskop statt, daneben wird der Tubus eingefügt. Das Bild unten links zeigt eine ideale Sicht auf die Stimmbandebene, rechts wird der Tubus korrekt in der Trachea zwischen den Stimmbändern platziert. © Benedikt Schmid / UKW
Diagramm zeigt den first-path-success bei 2532 Patienten mit drei unterschiedlichen Laryngoskopen, erfolgreich blaue Kästchen in Säule, nicht erfolgreich rote Kästchen in Säule.
In der randomisierten, kontrollierten klinischen Studie mit drei Armen, an der 2.532 erwachsene Patienten teilnahmen, lagen die Erfolgsraten beim ersten Durchgang bei Macintosh-Videolaryngoskopen (82,9 %) und hyperangulierten Videolaryngoskopen (87,6 %) signifikant höher als bei der direkten Laryngoskopie (78,2 %). © Benedikt Schmid / UKW

Die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) hat gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland und Österreich untersucht, welche Methode bei der endotrachealen Intubation die besten Ergebnisse erzielt. Die COVALENT-Studie zeigt: Videolaryngoskope ermöglichen häufiger eine erfolgreiche Intubation bereits beim ersten Versuch, verkürzen die Atemwegssicherung nach Fehlschlägen und reduzieren kleinere Verletzungen. Die Ergebnisse sprechen dafür, die Videolaryngoskopie künftig als Standardverfahren im Operationssaal einzusetzen.

Würzburg. Die Intubation zählt zu den wichtigsten und anspruchsvollsten Aufgaben in der Anästhesie. Dabei wird durch das Einführen eines dünnen, flexiblen Schlauchs, des sogenannten Tubus, über Mund oder Nase in die Luftröhre die Atmung sichergestellt und die Luftröhre abgedichtet, sodass keine Flüssigkeiten, wie beispielsweise Magensaft oder Blut, in die Lunge gelangen können. Zur Einführung des Tubus muss die Luftröhre gut sichtbar sein. Das sogenannte Laryngoskop (griechisch „Larynx“ für Kehlkopf und „skopein“ für betrachten) ermöglicht es Anästhesistinnen und Anästhesisten, die Zunge vorsichtig zu heben und einen guten Blick auf Kehlkopf und Stimmbänder zu erhalten. 

Ein herkömmliches Laryngoskop besteht aus einem Griff, einer Klinge und einer Lichtquelle. Heute kommen zunehmend auch Videolaryngoskope zum Einsatz. Diese besitzen eine kleine Kamera an der Spitze, die das Bild auf einen Monitor überträgt. Aber sind sie wirklich besser? 

Diese Frage beantwortet Dr. Dr. Benedikt Schmid, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) mit einem klaren „Ja“. Der Anästhesist und Leiter der AG Data Science and Reproducible Research verglich in einer multizentrischen Studie mit mehr als 2.500 erwachsene Patientinnen und Patienten die konventionelle mit der videogestützten Laryngoskopie bei perioperativen endotrachealen Intubationen, also bei der Platzierung eines Beatmungsschlauchs während einer Operation. „Unsere Daten zeigen, dass die Videolaryngoskope die Intubation während einer Vollnarkose deutlich erleichtern und die Sicherheit erhöhen“, erläutert Benedikt Schmid. 

Bei routinemäßigen Trachealintubationen führen Videolaryngoskope zu deutlich höheren Erfolgsraten beim ersten Versuch

In der COVALENT-Studie verglich Schmid mit einem Team von sechs Kliniken in Deutschland und Österreich erstmals drei Verfahren miteinander: die klassische direkte Laryngoskopie sowie zwei Formen der Videolaryngoskopie mit unterschiedlicher Geometrie. Die Erfolgsraten beim ersten Durchgang waren bei den sogenannten Macintosh-Videolaryngoskopen (82,9%) und den sogenannten hyperangulierten Videolaryngoskopen (87,6 %) signifikant höher als bei der direkten Laryngoskopie (78,2 %). „Beide Videoverfahren führten also häufiger bereits beim ersten Versuch zu einer erfolgreichen Trachealintubation“, erläutert Benedikt Schmid. „Besonders gut schnitten Geräte mit stark gekrümmtem Spatel ab.“ Zudem gelang nach einem fehlgeschlagenen ersten Versuch die Intubation mit Videolaryngoskopen schneller und es traten seltener kleinere Verletzungen im Mund- und Rachenraum auf.

„Die Ergebnisse sprechen dafür, die Videolaryngoskopie künftig als neuen Standard für die routinemäßige Atemwegssicherung im Operationssaal einzusetzen“, kommentiert Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Würzburger Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. 

Projektpartner und Förderung

Neben dem UKW waren an der COVALENT-Studie die Anästhesiologischen Kliniken der Universitätskliniken in Aachen, Bonn, Leipzig und Heidelberg sowie die Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg beteiligt. Das Projekt wurde von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) gefördert. 

Publikation: Benedikt Schmid, Linda Grüßer, Lukas Müller, Maria Wittmann, Achilles Delis, Tugce Dinc Dogan, Robert Werdehausen, Christopher Neuhaus, Peter Paal, Carolin Claassen, Philipp Helmer, Paul Fischer, Peter Kranke, Patrick Meybohm, Gregor Massoth, and the German Society of Anaesthesiology and Intensive Care (GSAIC) Trials Group. Conventional vs Video-Assisted Laryngoscopy for Perioperative Endotracheal Intubations: A Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026;9(8):e2625965. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.25965

Die drei verschiedenen untersuchten Laryngoskope nebeneinander auf grauem Hintergrund.
In der COVALENT-Studie wurden drei Laryngoskope miteinander verglichen: das klassische Laryngoskop (links), das Macintosh-Videolaryngoskop (Mitte) und das hyperangulierte Videolaryngoskop mit stark gekrümmtem Spatel. © Benedikt Schmid / UKW
Collage mit vier Bildern an einer Patientenpuppe - Laryngoskopie- und Intubationsvorgang
Die Collage demonstriert den Laryngoskopie- und Intubationsvorgang im Trainingslabor. Oben links findet eine Laryngoskopie mit konventionellem Laryngoskop statt, daneben wird der Tubus eingefügt. Das Bild unten links zeigt eine ideale Sicht auf die Stimmbandebene, rechts wird der Tubus korrekt in der Trachea zwischen den Stimmbändern platziert. © Benedikt Schmid / UKW
Diagramm zeigt den first-path-success bei 2532 Patienten mit drei unterschiedlichen Laryngoskopen, erfolgreich blaue Kästchen in Säule, nicht erfolgreich rote Kästchen in Säule.
In der randomisierten, kontrollierten klinischen Studie mit drei Armen, an der 2.532 erwachsene Patienten teilnahmen, lagen die Erfolgsraten beim ersten Durchgang bei Macintosh-Videolaryngoskopen (82,9 %) und hyperangulierten Videolaryngoskopen (87,6 %) signifikant höher als bei der direkten Laryngoskopie (78,2 %). © Benedikt Schmid / UKW

Interdisziplinäre Intensivmedizin: Neues Wahlfach für Medizinstudierende

Sieben Kliniken am UKW verstärken ihre Zusammenarbeit und bündeln ihre Kompetenzen für eine zukunftsweisende studentische Lehre auf dem Gebiet der Intensivmedizin.

Intensivmedizin als Kernelement moderner Hochleistungsmedizin

Die Intensivmedizin ist der Bereich der modernen Medizin, der sich mit der Diagnostik und Therapie lebensbedrohlicher Krankheitsbilder beschäftigt. Im Einzelfall handelt es sich oft um hochkomplexe Patientinnen und Patienten. Multimodale Therapiekonzepte aus konservativen, interventionellen und chirurgischen Ansätzen sind erforderlich, um diese Patientinnen und Patienten adäquat versorgen zu können. Wissenschaftliche Erkenntnisse, technische Neuerungen und zunehmende Digitalisierung eröffnen den Behandelnden stetig neue Möglichkeiten.

Interdisziplinarität und Interprofessionalität als Schlüssel für zukunftsweisende Lehre

Um den rasanten Entwicklungen in der Intensivmedizin Rechnung zu tragen und diesen integralen Bereich in der studentischen Lehre zu verankern, gehen sieben Kliniken und Einrichtungen des UKW ab dem Sommersemester 2026 einen neuen Weg. Studierenden der Humanmedizin ab dem 8. Semester wird ermöglicht, das neue UaK-Wahlfach „Interdisziplinäre Intensivmedizin“ zu belegen. Unter Leitung der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie wurde dieses Wahlfach in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Kinderchirurgie (Chirurgische Klinik I), der Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie (Chirurgische Klinik II), der Medizinischen Klinik und Poliklinik I, der Neurochirurgischen Klinik und Poliklinik, der Neurologischen Klinik und Poliklinik und der Pflegedirektion entwickelt. Ziel ist es, den Studierenden die Bedeutung von Interdisziplinarität und Interprofessionalität in der modernen Intensivmedizin zu vermitteln. Dies umfasst neben medizinischen Aspekten auch organisatorische, wissenschaftliche und gesellschaftliche Überlegungen.

Organbezogenes und patientenzentriertes Lehrkonzept – das Curriculum im Überblick

Die Lehrinhalte sind in zwölf thematische Schwerpunkte gegliedert, welche die gesamte Bandbreite der modernen Intensivmedizin organbezogen und systemisch abbilden: Typische Erkrankungsbilder aus den Bereichen des Zentralen Nervensystems, des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, des Gastrointestinaltrakts, der Nieren, des Skelettsystems oder der Blutgerinnung werden behandelt, ebenso wie entsprechende Organersatzverfahren. Hinzu kommt die interdisziplinäre Schockraumversorgung sowie der Umgang mit Therapiezieländerungen, palliativen Therapieansätzen und Tod.

Die Veranstaltung findet während des Semesters als UaK-Wahlfach in Kleingruppen direkt auf den Intensivstationen des UKW statt. Die wöchentlichen Seminare zu je 2 Unterrichtseinheiten beinhalten Theorieelemente, Falldiskussionen und praktische Aspekte inklusive Intensivvisiten.

Erste Evaluationsergebnisse als weiterer Ansporn für die Lehrenden

Die ersten sechs Studierenden haben im Sommersemester 2026 das Wahlfach besucht. Besonders positiv bewerteten die Studierenden die Organisation, die Motivation der Dozierenden, die Möglichkeit der aktiven Beteiligung sowie den hohen Praxisbezug. Weiterhin wurde der „Kontakt auf Augenhöhe“ zwischen Lehrenden und Studierenden gelobt. Alle Studierenden gaben an, dass ihr Interesse für Intensivmedizin geweckt wurde („stimme zu“ bzw. „stimme ganz zu“). Über alle Veranstaltungstermine hinweg konnte für das neue Wahlfach eine Benotung von 1,4 erzielt werden. Diese äußerst positiven Evaluationsergebnisse bieten reichlich Ansporn für die Dozierenden und zeigen das immense Potenzial, das in diesem Format steckt.

60 Jahre Anästhesiologie in Würzburg
Von links, Prof. Dr. Patrick Meybohm, Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Roewer, Bild: Stefan Krummer

Mit einem Jubiläumssymposium feierte die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg am Freitag, 10. Juli 2026, ihr 60-jähriges Bestehen. Im großen Hörsaal des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) kamen zahlreiche Gäste aus Medizin, Wissenschaft, Politik und Gesundheitswesen zusammen, um die Entwicklung des Fachs zu würdigen und gemeinsam den Blick nach vorn zu richten.

Sechs Jahrzehnte Anästhesiologie in Würzburg – dieses Jubiläum bot Anlass, auf eine beeindruckende Entwicklung zurückzublicken. Was 1966 mit der Gründung einer eigenständigen Klinik begann, hat sich zu einer der tragenden Säulen der modernen Patientenversorgung entwickelt. Heute vereint die Würzburger Anästhesiologie Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie sowie eine international sichtbare Forschungslandschaft unter einem Dach.

Nach der Begrüßung durch den Ärztlichen Direktor und Vorstandsvorsitzenden des Universitätsklinikums Würzburg, Prof. Dr. Tim von Oertzen, würdigten Grußwortrednerinnen und -redner aus Universität, Fachgesellschaft und Stadt die Bedeutung der Würzburger Anästhesiologie für die regionale und überregionale Gesundheitsversorgung sowie für Forschung und Lehre.

Acht Perspektiven auf ein vielseitiges Fach

Unter dem Motto „60 Jahre – acht Perspektiven“ spannten die Fachvorträge einen Bogen von den Anfängen der modernen Anästhesiologie bis zu aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Herausforderungen. Thematisiert wurden unter anderem der Wandel der Anästhesie von „Hand am Puls“ hin zu hochmoderner bildgestützter Diagnostik, die Entwicklung der Intensivmedizin und des ECMO-Netzwerks, Fortschritte in der Notfallmedizin, Simulation und Teamtraining, die Rolle der Pflege, die Schmerzmedizin sowie die Bedeutung nationaler Forschungsnetzwerke.

Die Vorträge machten eindrucksvoll deutlich, wie eng medizinischer Fortschritt, interprofessionelle Zusammenarbeit und wissenschaftliche Innovation miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie sich das Fach in den vergangenen sechs Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt hat – von einem überwiegend operativ geprägten Bereich hin zu einer tragenden Säule der modernen Akut- und Intensivmedizin.

Geschichte bewahren, Zukunft gestalten

Ein besonderer Programmpunkt war die Würdigung der Geschichte der Würzburger Klinik. Die beiden Klinikdirektoren Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Roewer (1995–2019) und Prof. Dr. Patrick Meybohm (seit 2020) hatten bereits im Vorfeld gemeinsam zum Jubiläum eingeladen und den Blick auf die außergewöhnliche Entwicklung des Fachgebiets gelenkt. Das Symposium bot Gelegenheit, diese Erfolgsgeschichte gemeinsam mit langjährigen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern sowie der nächsten Generation von Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu feiern.

Beim anschließenden Get-together nutzten die Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und zur Vernetzung. Bereits vor Beginn des Symposiums bestand zudem die Möglichkeit, im Rahmen einer exklusiven Führung historische und moderne Anästhesiegeräte kennenzulernen und damit die technische Entwicklung des Fachs unmittelbar nachzuvollziehen.

Mit dem Jubiläumssymposium setzte die Würzburger Anästhesiologie nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung für ihre Geschichte, sondern unterstrich zugleich ihren Anspruch, auch künftig Innovationen in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie aktiv mitzugestalten.

Von links, Prof. Dr. Patrick Meybohm, Prof. Dr. Dr. h.c. Norbert Roewer, Bild: Stefan Krummer

Moderne Nachtsichttechnik für Christoph 18

Dank moderner Nachtsichttechnik wird der Rettungshubschrauber künftig auch nach Sonnenuntergang länger für die Region einsatzbereit sein

An der Luftrettungsstation für Christoph 18 informierten sich u.a. Innenstaatssekretär Sandro Kirchner, die Landtagsabgeordneten Björn Jungbauer und Holger Dremel, Landrat Thomas Eberth über die moderne Nachtsichttechnik für den Rettungshubschrauber. Fotos: Matthias Ernst
An der Luftrettungsstation für Christoph 18 informierten sich u.a. Innenstaatssekretär Sandro Kirchner, die Landtagsabgeordneten Björn Jungbauer und Holger Dremel, Landrat Thomas Eberth über die moderne Nachtsichttechnik für den Rettungshubschrauber. Fotos: Matthias Ernst

Ochsenfurt/Würzburg. Hoher Besuch für Christoph 18: Dank moderner Nachtsichttechnik wird der Rettungshubschrauber künftig auch nach Sonnenuntergang länger für die Region einsatzbereit sein.

Auf Einladung von MdL Björn Jungbauer informierten an der Luftrettungsstation sich Bayerns Innenstaatssekretär Sandro Kirchner, die Landtagsabgeordneten Björn Jungbauer und Holger Dremel, Landrat Thomas Eberth, der Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Würzburg Paul Justice, Nina Opfermann vom Zweckverband sowie Vertreter der ADAC Luftrettung, der Integrierten Leitstelle, der Hilfsorganisationen und der Kliniken über die geplante Randzeitenerweiterung des Christoph 18. Die technische Grundlage dafür bildet NVIS – Night Vision Imaging System, also moderne Nachtsichttechnik für den Flugbetrieb.

Die Botschaft des Tages war eindeutig: Mit dieser Technik wird die Luftrettung künftig gerade für die Menschen im ländlichen Raum noch leistungsfähiger und trägt dazu bei, auch künftig eine hochwertige notfallmedizinische Versorgung sicherzustellen.

Enge Zusammenarbeit stärkt Versorgung

Ein starkes Fundament dafür ist die enge Zusammenarbeit aller Partner – ADAC Luftrettung, Main-Klinik Ochsenfurt, Universitätsklinikum Würzburg, Zweckverband, Integrierte Leitstelle und Hilfsorganisationen.

Ein besonderes Qualitätsmerkmal des Christoph 18: Die notärztliche Besetzung erfolgt ausschließlich durch Fachärztinnen und Fachärzte für Anästhesiologie mit besonderer Zusatzqualifikation und weitreichender Erfahrung in der Notfallrettung. Das Universitätsklinikum Würzburg stellt mit zwölf hochqualifizierten Notärztinnen und Notärzten den größten ärztlichen Anteil am Standort, weitere neun kommen aus der Main-Klinik Ochsenfurt.

Gerade bei schwerstverletzten Patientinnen und Patienten ist das Universitätsklinikum Würzburg als überregionales Traumazentrum häufig der zentrale Zielort. Auch für viele andere kritisch kranke Notfallpatientinnen und -patienten ist das UKW mit seinen hochspezialisierten Fachdisziplinen oftmals die entscheidende Versorgungsadresse. Umso wichtiger ist, dass universitäre Spitzenmedizin nicht erst bei der Aufnahme im Klinikum beginnt, sondern bereits am Einsatzort.

Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Würzburg: „Unsere Patientinnen und Patienten sollen von universitärer Spitzenmedizin profitieren – nicht erst nach der Aufnahme im Universitätsklinikum, sondern bereits am Einsatzort. Genau dafür stehen unsere Notärztinnen und Notärzte – gemeinsam mit unseren starken Partnern in der Luftrettung und im Rettungsdienst.“

An der Luftrettungsstation für Christoph 18 informierten sich u.a. Innenstaatssekretär Sandro Kirchner, die Landtagsabgeordneten Björn Jungbauer und Holger Dremel, Landrat Thomas Eberth über die moderne Nachtsichttechnik für den Rettungshubschrauber. Fotos: Matthias Ernst
An der Luftrettungsstation für Christoph 18 informierten sich u.a. Innenstaatssekretär Sandro Kirchner, die Landtagsabgeordneten Björn Jungbauer und Holger Dremel, Landrat Thomas Eberth über die moderne Nachtsichttechnik für den Rettungshubschrauber. Fotos: Matthias Ernst

Hoffnungsträger Vitamin C enttäuscht in großer Verbrennungsstudie

Multizentrische VICToRY-Studie zu hochdosiertem Vitamin C zeigt keinen Nutzen bei schweren Verbrennungen und deutet auf mögliche Risiken hin

Christian Stoppe am Rednerpult beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast
Prof. Dr. Christian Stoppe stellte als Erstautor und Leiter der Victory-Studie die Ergebnisse am 10. Juni 2026 beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vor. Zeitgleich wurde die Studie im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. © Patrick Meybohm / UKW
Christian Stoppe stellt Studie beim Critical Care Reviews Meeting vor, Aufnahme von Zuschauern im edlen Raum in Belfast
Das Critical Care Reviews Meeting (CCR) ist eine der bekanntesten internationalen Fortbildungsveranstaltungen für Intensivmedizin. Es wird jährlich in Belfast (Nordirland) veranstaltet und gilt als besonders evidenzorientiert, da dort wichtige neue Studien aus der Intensivmedizin vorgestellt und ausführlich diskutiert werden.
4 Porträts im Polaroid-Format sowie Logo der Studie und Illustration einer Vitamin-C-Infusion
Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben dem Studienleiter und Erstautor Prof. Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Prof. Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich. Collage: UKW / erstellt mit Canva

Eine internationale, randomisierte klinische Studie unter der Leitung des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) und der kanadischen Queen’s University in Kingston kommt jetzt zu einem klaren Ergebnis: Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert bei Schwerbrandverletzten weder Überleben noch Organdysfunktion und könnte möglicherweise sogar schädlich sein.

Würzburg. Schwere Verbrennungen lösen eine massive Entzündungsreaktion sowie oxidativen Stress aus. Vitamin C gilt als starkes Antioxidans und wird seit Jahrzehnten in der Behandlung von Verbrennungsopfern diskutiert. Bisherige kleinere Studien hatten positive Effekte gezeigt, etwa einen geringeren Flüssigkeitsbedarf. Aufgrund dieser vielversprechenden, aber unsicheren Datenlage empfehlen einige internationale Leitlinien die Gabe von hochdosiertem Vitamin C, allerdings fehlt hierfür eine belastbare Evidenz aus großen randomisierten Studien.

Internationale Leitlinien sollen neue Erkenntnisse berücksichtigen und Empfehlungen überdenken

„Die Empfehlungen der Leitlinien sollten dringend überdacht werden“, mahnt Prof. Dr. Christian Stoppe, Studienleiter und Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Gemeinsam mit der Queen’s University in Kingston (Kanada) hat das Würzburger Team in der internationalen, randomisierten klinischen StudieVICToRY (VItamin C in Thermal injuRY) den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen untersucht. Die am 10. Juni 2026 beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vorgestellten und zeitgleich im renommierten Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichten Ergebnisse sind eindeutig: Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert das Überleben oder die Organdysfunktion bei schwerbrandverletzten Patientinnen und Patienten nicht – und könnte sogar schädlich sein.

Sterberisiko unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch

Insgesamt nahmen 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen von mindestens einem Fünftel ihrer gesamten Hautoberfläche an der Studie teil. Die Patienten wurden in 24 Zentren in Nord-, Zentral- und Südamerika, Europa und Asien nach dem Zufallsprinzip entweder mit hochdosiertem intravenösem Vitamin C (50 mg pro Kilogramm Körpergewicht) behandelt, das über 96 Stunden hinweg alle sechs Stunden verabreicht wurde, oder mit einem Placebo. Es zeigte sich kein Vorteil durch die Behandlung mit Vitamin C. Im Gegenteil: Der wichtigste untersuchte Endpunkt – die 28-Tage-Sterblichkeit und anhaltende Organdysfunktion, beispielsweise Beatmung, Nierenersatztherapie oder Kreislaufunterstützung – trat sogar häufiger bei den Personen auf, die Vitamin C erhielten, als bei denen, die ein Placebo erhielten (40,8 % gegenüber 29,7 %).

Besonders auffällig war die Sterblichkeit innerhalb der ersten 28 Tage: In der Vitamin-C-Gruppe starben 15 Prozent der Patienten, in der Placebogruppe waren es nur 7,6 Prozent. Das Sterberisiko war somit unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch. Auch die Sterblichkeit während des gesamten Krankenhausaufenthalts war in der Vitamin-C-Gruppe höher (23,3 % gegenüber 16,1 %). Zudem mussten Patienten, die Vitamin C erhielten, häufiger mit einer Nierenersatztherapie, beispielsweise einer Dialyse, behandelt werden (10,8 % gegenüber 5,9 %). Dieser Unterschied könnte allerdings auch zufällig zustande gekommen sein, da er statistisch nicht eindeutig abgesichert war.

Nach einer geplanten Zwischenanalyse wurde die Studie vorzeitig beendet, da die Ergebnisse darauf hindeuteten, dass die Behandlung keinen Nutzen erwarten ließ und potenziell mit Schäden verbunden sein könnte. Ein unabhängiges Überwachungsgremium empfahl daraufhin, die Studie abzubrechen.

„Vitamin C in der aktuellen Dosierung kann nicht empfohlen werden“

„Unsere Studie liefert erstmals hochwertige, randomisierte Evidenz zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden“, erklärt Christian Stoppe. Laut Stoppe passen die Ergebnisse zu der kürzlich publizierten LOVIT-Studie bei septischem Schock, die mit dem gleichen Vitamin-C-Schema ebenfalls einen Schadenshinweis zeigte. Damit liegen nun zwei große, randomisierte Studien aus unterschiedlichen intensivmedizinischen Bereichen vor, die den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C infrage stellen. Internationale Leitlinien sollten Stoppe zufolge diese neuen Erkenntnisse dringend berücksichtigen.

Begrenzte Ressourcen auf nachweislich wirksame Maßnahmen lenken

„Angesichts weltweit steigender regulatorischer Anforderungen und begrenzter Ressourcen ist es umso wichtiger, dass eine so große internationale Studie endlich Klarheit schafft. Wir hoffen, dass unsere Arbeit dazu beiträgt, Patientinnen und Patienten vor einer unwirksamen und potenziell gefährlichen Therapie zu schützen und die begrenzten Ressourcen auf nachweislich wirksame Maßnahmen zu lenken“, erklärt Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik für Anästhesiologie abschließend. Zukünftig sollen internationale Kooperationen und Forschungsinfrastrukturen weiter ausgebaut sowie gemeinsame Studienplattformen etabliert werden, um die hochwertige klinische Forschung zu stärken. Gleichzeitig wird ein personalisierter Ansatz verfolgt, der eine gezielte Identifikation von Patientinnen und Patienten ermöglicht, die von einer spezifischen Therapie profitieren.

Große internationale Zusammenarbeit

Die VICToRY-Studie wurde im Rahmen des Military Burn Research Program des US‑Verteidigungsministeriums gefördert, unterstützt durch die Lotte & John Hecht Memorial Foundation (Kanada) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG, STO1099/10-1). Kooperationspartner waren die Queen’s University, Kingston (Kanada), die U.S. Army sowie mehr als 20 weitere internationale Zentren. Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben Prof. Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Prof. Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich.

Publikation: Stoppe C, Hill A, Cancio LC, et al. High‑Dose Intravenous Vitamin C and Mortality and Organ Dysfunction in Severe Burn Injury: The VICToRY Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026. doi: 10.1001/jama.2026.10616 

Christian Stoppe am Rednerpult beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast
Prof. Dr. Christian Stoppe stellte als Erstautor und Leiter der Victory-Studie die Ergebnisse am 10. Juni 2026 beim Critical Care Reviews Meeting in Belfast vor. Zeitgleich wurde die Studie im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlicht. © Patrick Meybohm / UKW
Christian Stoppe stellt Studie beim Critical Care Reviews Meeting vor, Aufnahme von Zuschauern im edlen Raum in Belfast
Das Critical Care Reviews Meeting (CCR) ist eine der bekanntesten internationalen Fortbildungsveranstaltungen für Intensivmedizin. Es wird jährlich in Belfast (Nordirland) veranstaltet und gilt als besonders evidenzorientiert, da dort wichtige neue Studien aus der Intensivmedizin vorgestellt und ausführlich diskutiert werden.
4 Porträts im Polaroid-Format sowie Logo der Studie und Illustration einer Vitamin-C-Infusion
Für das Projektmanagement und die Koordination der deutschen Zentren waren neben dem Studienleiter und Erstautor Prof. Christian Stoppe auch Dr. Ellen Dresen, Prof. Patrick Meybohm und Carina Güttler vom UKW verantwortlich. Collage: UKW / erstellt mit Canva

Drei neue Notärzte für die Luftrettung: Verstärkung für Christoph 18

Mit den drei neu qualifizierten Notärzten trägt das Universitätsklinikum Würzburg weiter zur Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung in Unterfranken bei.

Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC
Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC

Würzburg. Wenn jede Minute zählt, braucht es Teams, die unter höchstem Druck präzise Entscheidungen treffen – medizinisch wie organisatorisch. Die erfolgreiche Qualifikation von Dr. Katharina Schäfer, Dr. Christopher Lorenz und Dr. Michael Schultheiß aus der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie unterstreicht die hohe Expertise des Universitätsklinikums Würzburg in der präklinischen Notfallversorgung.

Anspruchsvolle Auswahl – gezielte Ausbildung

Der Weg in die Luftrettung ist anspruchsvoll. Neben der erforderlichen Facharztanerkennung für Anästhesiologie müssen Bewerberinnen und Bewerber umfangreiche Erfahrung in der Versorgung von Schwerverletzten und kritisch kranken Patienten mitbringen – einschließlich Expertise in der Kinderanästhesie. Doch fachliche Qualifikation allein reicht nicht aus: Gefordert sind ebenso ausgeprägte nicht-technische Fähigkeiten wie Teamführung, Entscheidungsstärke und Kommunikation unter Stress.

Das Auswahlverfahren ist entsprechend komplex und umfasst ein strukturiertes Assessment. Darauf aufbauend folgt eine spezialisierte Ausbildung, unter anderem an der ADAC HEMS-Academy in Oberpfaffenhofen sowie mehreren Einsatztagen in der Luftrettung unter Supervision erfahrener Kollegen. „Die Kombination aus medizinischer Exzellenz, fliegerischem Umfeld und Teamarbeit stellt höchste Anforderungen an unsere Notärztinnen und Notärzte – genau darauf bereiten wir sie gezielt vor“, betont Dr. Daniel Werner, Regionalleiter Süd der ADAC Luftrettung.

Christoph 18 – Hochleistung in der Notfallmedizin

Der Rettungshubschrauber Christoph 18 gehört zu den einsatzstärksten Luftrettungsmitteln in Deutschland. Betrieben durch den ADAC, versorgt er ein großes Einzugsgebiet in Unterfranken und darüber hinaus. Ein hoher Anteil der Einsätze betrifft Schwerverletzte und kritisch erkrankte Patientinnen und Patienten. Ein Großteil dieser Patienten wird im Universitätsklinikum Würzburg als überregionales Traumazentrum weiterbehandelt – ein Beispiel für die enge Verzahnung von Präklinik und Klinik. Die notärztliche Besetzung erfolgt gemeinsam durch die Abteilung der Anästhesiologie der Main-Klinik Ochsenfurt und die Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg. Die ärztliche Leitung der Luftrettungsstation Christoph 18 liegt bei Dr. Jan Hentschel (Main-Klinik Ochsenfurt), die stellvertretende Leitung bei PD Dr. Maximilian Kippnich (Universitätsklinikum Würzburg).

Notfallmedizin als Kernkompetenz

Die Ausbildung und kontinuierliche Weiterentwicklung notfallmedizinischer Kompetenzen ist ein zentraler Bestandteil der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Die enge Verbindung von klinischer Spitzenmedizin, Simulation und präklinischer Erfahrung bildet die Grundlage für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung – am Boden wie in der Luft. „Notfallmedizin gehört zum Selbstverständnis der Anästhesiologie – fachlich wie strukturell“, erklärt Prof. Dr. Patrick Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Würzburg.

Mit den drei neu qualifizierten Notärzten trägt das Universitätsklinikum Würzburg weiter zur Verbesserung der notfallmedizinischen Versorgung in Unterfranken bei: Exzellente Ausbildung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und höchste medizinische Standards sichern die Versorgung von Patientinnen und Patienten auch unter extremen Bedingungen. 

Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC
Von links: Dr. Christopher Lorenz, Dr. Michael Schultheiß und Dr. Katharina Schäfer während der ADAC-HEMS Academy im Rahmen der Ausbildung zum Notarzt in der Luftrettung. Ein besonderes Highlight: der voll ausgestattete Simulations-Rettungshubschrauber, der realitätsnahes Training auf höchstem Niveau ermöglicht. Foto: ADAC

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Direktor
Prof. Dr. med. Patrick Meybohm
+49 931 201-30001


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Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie| Zentrum Operative Medizin (ZOM) | Oberdürrbacher Straße 6 | Haus A2 | 97080 Würzburg | Deutschland