Schwerpunkte der Forschung

Forschungsschwerpunkte der Anästhesie sind die Themen Wirkstoffoptimierung, Schmerzforschung, Klinische Studien und Evidence Based Medicine, Akutes Lungenversagen, Blut-Hirn-Schranke, Organprotektion, Mikrozirkulation, Notfallmedizin und Maligne Hyperthermie.

Wirkstoffoptimierung

Wirkstoffe können durch Nanocarrier optimiert werden. Ziele der Entwicklung von Nanocarriersystemen sind z.B. der gerichtete Transport des Wirkstoffes zum Wirkort, der Schutz vor Inaktivierung während des Transportes im Körper und die Verbesserung der Löslichkeit im Transportmedium (z.B. Blut), um so erst therapeutisch wirksame Plasmaspiegel zu erreichen.

Solche Carriersysteme werden für biogene, insbesondere pflanzliche Wirkstoffe entwickelt, die aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften bisher zu therapeutischen Zwecken nicht eingesetzt werden konnten. Die sich anschließende Entwicklung von Arzneimittelträgern zielt darauf, das wirkstoffhaltige Nanocarriersystem an definierten Regionen des Körpers und zu definierten Zeitpunkten für die Aufnahme in den Körper freizusetzen.

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Norbert Roewer, Prof. Dr. med. Jens Broscheit

Schmerzforschung

Die Verbesserung der Therapie akuter und chronischer Schmerzen ist das zentrale Ziel der Arbeitsgruppe „Molekulare Schmerzforschung“. Wir untersuchen Mechanismen der Regulation der Barriere peripherer Nerven und molekulare Therapieansätze zur selektiven Barriereöffnung (unter anderem Interferenzpeptide für barriereabdichtende Tight-Junction-Proteine und Agonisten für regulierendeRezeptoren [LRP-1]), um den Transport von Analgetika (beispielsweise Opioide) in den Nerven zu verbessern. Weiterhin wird erforscht, inwieweit eine gestörte Barrierefunktion zur Entstehung schmerzhafter Neuropathien führt.In einem zweiten Schwerpunkt werden neue Schmerzmediatoren (oxidierte Phospholipide) als therapeutische Angriffspunkte im Entzündungsschmerz untersucht. Im Rahmen eines Europäischen Verbundprojektes werden die individuellen Risikoparameter (ncRNAPain) als Biomarker für die Entstehung neuropathischer Schmerzen in Tiermodellen und Patientenstudien charakterisiert.

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Heike Rittner, Prof. Dr. med. Alexander Brack

Klinische Studien und Evidence Based Medicine

„Evidence-based medicine“ bearbeitet Fragestellungen der Patientenbehandlung und stellt die gegenwärtig beste Datenlage aus klinischen Studien und systematischen Übersichtsarbeiten zur Verfügung. Ziel der Gruppe ist die Förderung einer evidenzbasierten Grundlage und Denkweise in der perioperativen Medizin. Dazu werden neben klinischen Studien mit patientenzentrierten Endpunkten (Phase II-IV als PI und LKP, Investigatorinitiated trial (IIT) und Zulassungsstudien) auch systematische Übersichtsarbeiten in den Bereichen Anästhesie, Schmerztherapie, Palliativmedizin, Intensivmedizin und themenverwandten Gebieten erstellt.

Ansprechpartner: Univ.-Prof. Dr. Peter Kranke

Akutes Lungenversagen

Das akute Lungenversagen des Erwachsenen (ARDS) ist ein Krankheitsbild mit einer Mortalität von 40-60 %. Neben der spezifischen Therapie der auslösenden Ursache ist die Sicherung des Gasaustausches mittels invasiver Beatmung notwendig. Um eine weitere iatrogene Schädigung der Lunge durch die Beatmung zu vermeiden, werden lungenprotektive Beatmungsverfahren eingesetzt. Entscheidend ist dabei neben der Auswahl der Beatmungsform, die Reduktion der Tidalvolumina sowie der Beatmungsdrücke. Die Arbeitsgruppe untersucht tierexperimentell sowie in klinischen Studien die Auswirkungen verschiedener protektiver Beatmungsverfahren auf die Lungenfunktion sowie die Inflammation. Ein besonderer Fokus ist der Einsatz einer extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) bei Versagen einer konventionellen Beatmung.

Ansprechpartner: PD Dr. med. Markus Kredel

Blut-Hirn-Schranke

Die Blut-Hirn-Schranke (BHS) wird von den Endothelzellen der Gehirnkapillaren gebildet. In-vitro BHS-Modelle basierend auf immortalisierten oder primären Endothelzellen sind ein nützliches Instrument, um die Regulationsmechanismen der BHS zu studieren und neue therapeutische Strategien zu entwickeln. Unsere Forschung konzentriert sich auf die Simulation verschiedener Hirnerkrankungen unter Verwendung von Zellkulturen,
z.B. Schlaganfall durch Sauerstoff/Glukoseentzug oder Hirnverletzung durch Verwendung eines Zell-Stretch-Geräts. Regulatorische Moleküle wie microRNA, Hormone, Ernährungszusatzstoffe und von Serum und Zellen abgeleitete Faktoren sowie deren Rolle bezüglich der BHS-Integrität werden geprüft. Therapeutische Kandidaten von in-vitro Studien werden in-vivo in Krankheitsmodellen der Maus getestet. Ferner werden sowohl die Kommunikation zwischen Hirnendothelzellen und anderen Zelltypen des zentralen Nervensystems als auch die Entwicklungsprozesse der BHS untersucht.

Ausführliche Informationen zur Arbeitsgruppe Biologische Barrieren

Ansprechpartner: Univ.-Prof. Dr. rer. Nat. et med. habil. Carola Förster

Organprotektion

Zellschäden aufgrund von Durchblutungsstörungen und Sauerstoffminderversorgung (Ischämie/Reperfusion-Schäden) treten bei chirurgischen Routine-, vor allem aber bei Notfalloperationen auf und stellen Kliniker vor große Herausforderungen. Perioperative protektive Strategien z.B. ischämische und Anästhetika-induzierte Prä- und Postkonditionierung sind vielversprechende Ansätze zur Minimierung ischämisch bedingter Zellschäden. Sie können einen Zustand erhöhter Toleranz gegenüber schädigenden Einflüssen wie z.B. einer Ischämie induzieren. Die Charakterisierung der intrazellulären Mechanismen der Organprotektion und deren Interaktion mit Begleiterkrankungen und perioperativer Pharmakotherapie sind Fokus der Forschung.

Ansprechpartner: Dr. med. Christopher Lotz, Dr. med. Jan Stumpner

Mikrozirkulation

Der Begriff der „Mikrozirkulation“ bezeichnet den Blutfluss im System der feinsten Blutgefäße. Die Aufrechterhaltung der Mikrozirkulation in den einzelnen Organen und Geweben ist für die Funktion und den Stoffwechsel der Zellen von elementarer Bedeutung. Ziele unserer Projekte sind die Untersuchung der pathophysiologischen Zusammenhänge der Mikrozirkulationsstörungen und die Veränderungen an der Oberfläche der Blutgefäße (Endothel) in den intestinalen Organen bei systemischen Entzündungsreaktionen und im Schock. Mit Hilfe von Kleintiermodellen, Untersuchungen mit Zellkulturen, sowie mittels klinischer Studien werden die zugrunde liegenden Mechanismen der Mikrozirkulationsstörungen in Leber, Niere und Darm und deren gezielte Beeinflussung durch therapeutische Maßnahmen untersucht.


Notfallmedizin

Die Sektion Notfallmedizin umfasst die präklinsiche und klinische Notfallmedizin sowie die Katastrophenmedizin. Die Forschungsprojekte befassen sich unter anderem mit der Entwicklung innovativer Hilfsmittel für das Management von Ausnamesituationen (cognitive aid), mit wesentlichen Aspekten der kardiopulmonalen Reanimation, mit Simulation und Training und mit der Entwicklung und Validierung von Versorgungskonzepten für Patienten mit Polytrauma.

Ansprechpartner: Univ.-Prof. Dr. Thomas Wurmb

Maligne Hyperthermie

Zur Diagnosesicherung werden Muskelpräparate mittels In-vitro-Kontrakturtest, histologischer Untersuchung und Mutationsanalyse entsprechend den Europäischen Richtlinien untersucht. Die wissenschaftlichen Aktivitäten liegen in der Entwicklung eines minimal-invasiven Tests auf eine Maligne Hyperthermie-Veranlagung und in der Analyse von Interaktionen klinisch eingesetzter Pharmaka auf die Skelettmuskulatur.

Ansprechpartner: Prof. Dr. med. Frank Schuster

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

 

 

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Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Norbert Roewer
+49 931 201-30005

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Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie | Zentrum Operative Medizin (ZOM) | Oberdürrbacher Straße 6 | Haus A2 | 97080 Würzburg | Deutschland