Akutes Lungenversagen (ARDS) und COVID-19

Als eine der wenigen Kliniken Deutschlands führen wir an unserer Klinik schon seit Jahren die extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) als ultimative Therapieoption beim akuten Lungenversagen (ARDS) durch. Seitdem zählt auch die stetige Verbesserung der ARDS-Therapie zu einem Schwerpunkt unserer Forschung. Befeuert durch die COVID-19-Pandemie haben wir unsere Forschungsarbeit auf diesem Gebiet weiter intensiviert, um möglichst viel zu einem sich stetig verbessernden Therapiekonzept für dieses neue Krankheitsbild beizutragen.

Hintergrund

Das akute Lungenversagen – das Acute respiratory distress syndrome (ARDS) – ist eine pulmonale Erkrankung mit einer komplexen Pathophysiologie. Klinisch stehen überschießende Entzündungen und Hypoxie im Vordergrund. Die Schweregrade einer ARDS werden nach den sogenannten Berlin-Kriterien anhand des paO2/FiO2-Verhältnisses klassifiziert, welches die Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut im Verhältnis zum atmosphärischen Luftdruck widergibt. Die Mortalität ist hoch und liegt zwischen 40 und 50 Prozent.

ARDS und COVID-19

Charakteristisch für die Infektion mit dem seit 2019 kursierenden SARS-CoV-2 Virus ist eine Lungenbeteiligung. In ihrer schwersten Ausprägung führt diese zu einem ARDS und stellt uns vor große Herausforderungen. Aktuelle Therapien umfassen eine möglichst lungenschonende Beatmung, Lagerungstherapie sowie Lungenersatzverfahren durch extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO). Deren individuell-optimierter Einsatz bei Betroffenen ist zum zentralen Gegenstand unserer klinischen Forschung geworden.

Aktuelle Forschungsprojekte

Die Arbeitsgruppe (AG) Akutes Lungenversagen – COVID-19 untersucht verschiedene klinische und grundlagenorientierte Fragestellungen.  

COVID-19: DIVI ECMO-COVID-19-Register

In Zusammenarbeit mit der Klinischen Epidemiologie der Universität Würzburg erfassen wir hier als Koordinationszentrum deutschlandweit die Daten aller COVID-19 Patientinnen und Patienten, die mit ECMO behandelt wurden. Die Analyse der erhobenen Daten vor allem hinsichtlich Indikationen, Komplikationen und Outcome sollen langfristig zu einer immer besseren Versorgung Betroffener führen. Die Studie erfolgt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Jedes Krankenhaus, welches COVID-19 Patienten mit ECMO therapiert oder therapiert hat, ist eingeladen, an der Datenerhebung teilzunehmen!

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COVID-19: Nationales Pandemie Kohorten Netz (NAPKON)

Eingebunden in das Nationale Pandemie Kohorten Netz NAPKON tragen wir als Universitätsklinikum dazu bei, unsere Erfahrungen mit COVID-19 Patientinnen und Patienten sowie Daten und Bioproben der Patientinnen und Patienten zu sammeln und sie ins immer weiter wachsende Netzwerk beteiligter Einrichtungen mit einzubringen. Auf dieser Grundlage können im dynamischen Prozess einer Pandemie weiterführende wissenschaftliche und versorgungsrelevante Fragen gestellt, beantwortet und schließlich evidenzbasierte Informationen zum Pandemiegeschehen und zu Krankheitsverläufen generiert werden.

Das NAPKON wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und ist ein Teilprojekt des Netzwerks Universitätsmedizin.

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Thromboinflammation bei ARDS

Welche Interaktionen gibt es zwischen Thrombozyten und Immunzellen bei ARDS? Werden diese Interaktionen durch Veränderungen der mitochondrialen Respiration, also der Zellatmung, beeinflusst? Diesen grundsätzlichen Mechanismen auf zellulärer Ebene geht unsere Arbeitsgruppe nach, um die Erkenntnisse unmittelbar – im Sinne einer translationalen Forschung – umzusetzen und in der Praxis therapeutisch zu nutzen. 

Zytokinelimination bei septischem Schock und ARDS

Die Immunantwort im septischen Schock und ARDS ist integraler Bestandteil der Heilung. Gleichzeitig ist die Dysregulation der Immunantwort mit überschießenden Reaktionen als sogenannte Hyperinflammation ein wichtiger Pathomechanismus, der ein Multiorganversagen zur Folge haben kann. Dabei spielen ZytokineEntzündungsmediatoren – eine wichtige Rolle, weshalb man auch vom Zytokinsturm spricht.

Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich hierbei mit Möglichkeiten der Immunmodulation in verschiedenen Phasen des septischen Schocks und des ARDS, wobei uns vor allem die Möglichkeiten der mechanischen oder medikamentösen Zytokinelimination interessieren.

Immunmodulation mit GM-CSF (GI-HOPE Studie)

Als kollaborierendes Zentrum der multizentrischen, randomisierten, doppelblinden Phase-2-Studie untersuchen wir, wie und ob sich durch die Gabe von Granulocyte Macrophage-Colony Stimulating Factor (GM-CSF) die Immunantwort beim akuten Lungenversagen verändert. Der Wirkstoff GM-CSF wird inhaliert und dient der Verbesserung der Immunabwehr der Lunge und der Wiederherstellung der Barrierefunktion der Lungenbläschen. Primärer Endpunkt der Studie sind Veränderungen der Aktivität von Monozyten und Phaghozyten in der bronchoalveolären Lavage.

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Vitamin D und Mortalität (VITDALIZE-Studie)

In der multizentrischen VITDALIZE-Studie untersucht unsere Arbeitsgruppe als kollaborierendes Zentrum , ob sich durch die Gabe von hochdosiertem Vitamin D3 die 28-Tage-Mortalität bei erwachsenen, kritisch kranken Patientinnen und Patienten mit schwerem Vitamin-D-Mangel senken lässt. Es handelt sich um eine placebokontrollierte, doppelblinde und randomisierte Phase-3-Studie.

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Langzeitfolgen von ARDS (DACAPO-Studie)

Nach einer überstandenen ARDS leiden Betroffene häufig unter chronischen Depressionen, Ängsten, posttraumatischer Belastungsstörung oder Konzentrations- und Merkschwierigkeiten. Insgesamt ist die Lebensqualität eingeschränkt. Ziel der DACAPO Studie, die unter der Leitung von Prof. Dr. med. Thomas Bein vom Universitätsklinikum Regensburg steht, ist die deutschlandweite, systematische Erfassung der Langzeitfolgen nach einer abgeschlossenen Behandlung. Außerdem sollen die Qualitätsmerkmale – die Stärken und Schwächen in der Versorgungskette – identifiziert werden. Insgesamt nehmen derzeit 71 intensivmedizinische Kliniken in ganz Deutschland an der DACAPO-Studie teil.

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Team der Forschungsgruppe

Leitung

  • Priv.-Doz. Dr. med. Christopher Lotz
  • Univ.-Prof. Dr. med. Peter Kranke
  • Univ.-Prof. Dr. med. Patrick Meybohm

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Dr. med. Johannes Herrmann
  • Dr. med. Quirin Notz
  • Dr. med. Dr. rer. nat. Benedikt Schmid
  • Viktoria Keck
  • Kerstin Müller

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. med. Peter Heuschmann, Institut für klinische Epidemiologie und Biometrie, Universität Würzburg
  • Prof. Dr. rer. nat. Jörg Wischhusen, Experimentelle Tumorimmunologie, Universitätsklinikum Würzburg

Ansprechpartner

Portraitfoto: Univ-Prof. Dr. med. Peter Kranke

Univ.-Prof. Dr. med.
Peter Kranke

Oberarzt

+49 931 201-30050

Portraitfoto von Prof. Dr. med. Patrick Meybohm

Univ.-Prof. Dr. med.
Patrick Meybohm

Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Telefon

Direktor
Prof. Dr. med. Patrick Meybohm
+49 931 201-30001


Anschrift

Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie | Zentrum Operative Medizin (ZOM) | Oberdürrbacher Straße 6 | Haus A2 | 97080 Würzburg | Deutschland

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