Aktuelle Meldungen

Seit 15 Jahren Förderer der CI-Selbsthilfe

Die HNO-Klinik des Universitätsklinikums Würzburg unterstützt seit dem Jahr 2011 offiziell die Selbsthilfe für Menschen mit Cochlea-Implantat. Die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG) und deren Fachzeitschrift „Schnecke“ bedankten sich für die 15-jährige Förderung mit einer Urkunde.

 

Delegation der DCIG und der von der Gesellschaft herausgegebenen Fachzeitschrift „Schnecke – Leben mit Cochlea-Implantat & Hörgerät“ das UKW und überbrachte eine Urkunde.
Von links: Dr. Roland Zeh (Präsident DCIG), Sonja Oligmacher (Vizepräsidentin DCIG) und Marisa Strobel (Chefredakteurin „Schnecke“) überreichten die Dankesurkunde für die 15-jährige Förderung an Prof. Dr. Stephan Hackenberg (Klinikdirektor) und den Prof. Dr. Kristen Rak (Leitenden Oberarzt, beide HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg). © Helmuth Ziegler / UKW

Würzburg. Cochlea-Implantate (CI) ermöglichen es tauben oder hochgradig schwerhörigen Kindern und Erwachsenen, wieder zu hören und zu verstehen. Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) wurden in den vergangenen 25 Jahren über 3.500 der Hörprothesen implantiert. „Gerade im damit verbundenen Rehabilitationsprozess spielt die Selbsthilfe eine zentrale Rolle. Sie ergänzt die medizinische und therapeutische Versorgung, indem sie den Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen Orientierung, Erfahrungsaustausch und emotionale Unterstützung bietet“, unterstreicht Prof. Dr. Stephan Hackenberg. Der Direktor der HNO-Klinik des UKW fährt fort: „Deshalb sind wir seit dem Jahr 2011 offizieller Förderer der CI-Selbsthilfe bei der DCIG, der Deutschen Cochlea Implantat Gesellschaft e.V.“

Finanzielle Unterstützung und fachlicher Austausch

Anlässlich dieses 15-jährigen Jubiläums besuchte am 1. Juli 2026 eine Delegation der DCIG und der von der Gesellschaft herausgegebenen Fachzeitschrift „Schnecke – Leben mit Cochlea-Implantat & Hörgerät“ das UKW und überbrachte eine Urkunde. Dabei bedankte sich Dr. Roland Zeh, der Präsident der DCIG, nicht nur für die finanzielle Unterstützung durch die Würzburger Klinik, sondern vor allem auch für den kontinuierlichen und intensiven fachlichen Austausch. Michaela Peterhoff, die Leiterin der CI-Selbsthilfegruppe Würzburg-Unterfranken, ergänzte: „Selbsthilfe lebt davon, dass es Orte gibt, an denen Menschen mit einer Hörschädigung willkommen sind – nicht als Fall, sondern als Mensch. Diese Klinik ist ein solcher Ort.“

Das CHC Würzburg als wegweisende Einrichtung

Prof. Dr. Kristen Rak, der leitende Arzt des Bereichs Implantierbare Hörsysteme der HNO-Klinik, nutzte das Treffen, um den Gästen die Struktur und die Leistungen des Comprehensive Hearing Centers (CHC) Würzburg vorzustellen. Das 2009 gegründete interdisziplinäre Hörzentrum des UKW fasst sämtliche an der Versorgung von Schwerhörigen beteiligten Fachgruppen räumlich kompakt zusammen. Die Patientinnen und Patienten werden ganzheitlich, interdisziplinär und individuell zu allen aktuellen Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten beraten. Zu den Angeboten gehören ein Neugeborenen-Hörscreening genauso wie die Versorgung mit den modernsten Hörgeräten und implantierbaren Hörsystemen. Dies schließt die lebenslange Nachsorge bei diesen Hörhilfen mit ein. „Gerade auch CI-Trägerinnen und -Träger profitieren von dieser hochspezialisierten Betreuung“, erläuterte Rak. Hinzu kämen am Zentrum viele interdisziplinäre Forschungsprojekte, die unter anderem Eingang in die Entwicklung neuer Hörhilfen finden.

Text: Pressestelle / UKW
 

Delegation der DCIG und der von der Gesellschaft herausgegebenen Fachzeitschrift „Schnecke – Leben mit Cochlea-Implantat & Hörgerät“ das UKW und überbrachte eine Urkunde.
Von links: Dr. Roland Zeh (Präsident DCIG), Sonja Oligmacher (Vizepräsidentin DCIG) und Marisa Strobel (Chefredakteurin „Schnecke“) überreichten die Dankesurkunde für die 15-jährige Förderung an Prof. Dr. Stephan Hackenberg (Klinikdirektor) und den Prof. Dr. Kristen Rak (Leitenden Oberarzt, beide HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg). © Helmuth Ziegler / UKW

Gesundheitstalk mit Prof. Dr. Kristen Rak

Im TV Mainfranken Gesundheitstalk spricht Frau Bernadett Tary-Rath mit Prof. Dr. Kristen Rak über die Anwendungsmöglichkeiten von implantierbaren Hörsystemen. Dabei geht Prof. Rak detailiert auf die Technik der Hörsysteme, die Voraussetzungen für eine Implantation, den Ablauf der Operation, die anschließende Rehabilitation und die weitere Betreuung ein.

 

Infoveranstaltung zur Digitalisierung in der Cochlea-Implantat-Nachsorge

Anlässlich des Jubiläums „40 Jahre Cochlea-Implantat in Deutschland“ lädt das Uniklinikum Würzburg alle Interessierten am Mittwoch, den 12. Juni 2024 zu einer Informationsveranstaltung rund um die für viele Menschen so hilfreiche Hörprothese ein.

Bild: Helmut Korda / UKW
Im Jahr 1984 wurde das erste Cochlea-Implantat in Deutschland an der Medizinischen Hochschule Hannover implantiert. Heute sind bundesweit etwa 60.000 Menschen mit dieser Hörprothese versorgt. Bild: Helmut Korda / UKW

Würzburg. Seit 40 Jahren werden in Deutschland erfolgreich Cochlea-Implantate (CI) eingesetzt. Seither ermöglichen die Hörprothesen es tauben oder hochgradig schwerhörigen Kindern sowie Erwachsenen, wieder zu hören und zu verstehen. Die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e.V. (DCIG) widmet diesem Jubiläum vom 10. bis 15. Juni 2024 eine bundesweite Aktionswoche, bei der die generellen Möglichkeiten und aktuellen Entwicklungstrends des CIs noch weiter bekannt gemacht werden sollen. Am Uniklinikum Würzburg (UKW) unterstützen das Comprehensive Hearing Center (CHC) und die Cochlea-Implantat-Selbsthilfegruppe Würzburg-Unterfranken dieses Ziel. Gemeinsam bieten sie am Mittwoch, den 12. Juni 2024 zwischen 17:00 und 19:00 Uhr eine kostenlose Informationsveranstaltung für alle Interessierten an.

Im Hörsaal der HNO-Klinik in Gebäude B2 an der Josef-Schneider-Straße porträtiert dabei Michaela Peterhoff die Selbsthilfegruppe, während Eva-Maria Bayer und Felix Leitner die Arbeit des Würzburger Reha-Zentrums Cochlea Implantat Centrum (CIC) Süd vorstellen.

Außerdem geht es um aktuelle technologische Entwicklungen. „Wie in vielen Bereichen, hat auch bei der CI-Versorgung in den vergangenen Jahren die Digitalisierung massiv Einzug gehalten – von der präoperativen Evaluation bis hin zur Nachsorge“, berichtet Privatdozentin Dr. Anja Kurz. Die Technische Leiterin des CHC Würzburg fährt fort: „Am Infoabend wird unsere Kollegin Ana Selena Pau in diesem Zusammenhang speziell auf die Online-CI-Hörtherapie eingehen. Außerdem werden wir die zukunftsweisenden Möglichkeiten zur Fern-Prozessoranpassung erläutern.“ Und Prof. Dr. Kristen Rak, der Medizinische Leiter des Hör-Zentrums, ergänzt: „In der Diagnostik und bei der Operation setzen wir ebenfalls digitale Instrumente ein. Für ein möglichst vollständiges Bild werden wir auch diese zukunftsträchtigen Lösungen darstellen.“

Neben der laienverständlichen Vermittlung der Fachinformationen wird es bei der Veranstaltung ausreichend Raum für Fragen und zur Diskussion geben.

Hier können Sie die Vorträge parallel auch online (Zoom) verfolgen.

Zahlen zum Cochlea-Implantat

Am UKW startete die CI-Versorgung im Jahr 1991. Seither wurden hier über 3.500 der Hörprothesen implantiert. Laut DCIG gibt es in Deutschland aktuell rund 60.000 CI-Trägerinnen und -Träger. Nach Angaben der Gesellschaft könnten allein in der Bundesrepublik rund 500.000 weitere Menschen von einem Cochlea-Implantat profitieren. Zu den Gründen für diesen Versorgungsmangel gehört nach wie vor noch die Unwissenheit über die Existenz und die Chancen der Technologie.

Text: Pressestelle UKW

Prof. Dr. Rudolf Hagen jetzt Präsident des internationalen Netzwerks HEARRING

Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Hagen, der ehemalige Direktor der Würzburger Universitäts-HNO-Klinik, wurde Ende Oktober dieses Jahres zum Präsidenten der HEARRING-Gruppe gewählt. Das unabhängige Netzwerk bringt die Expertise von 36 internationalen Hörimplantat-Zentren zusammen.

Der neue HEARRING-Präsident Prof. Dr. Rudolf Hagen (links) und HNO-Spezialist Prof. Dr. Mario Zernotti
Bei der Jahrestagung diskutierte der neue HEARRING-Präsident Prof. Dr. Rudolf Hagen (links) unter anderem mit dem argentinischen HNO-Spezialisten Prof. Dr. Mario Zernotti. Bild: Michael Bogár
Prof. Dr. Rudolf Hagen mit den Teilnehmenden der HEARRING-Jahrestagung 2023 in der Würzburger Residenz
Prof. Dr. Rudolf Hagen (vorne links) mit den Teilnehmenden der HEARRING-Jahrestagung 2023 in der Würzburger Residenz. Bild: Michael Bogár

Würzburg. Die internationale HEARRING-Gruppe engagiert sich in der Spitzenforschung auf dem Gebiet der Hörimplantate, in der Verbesserung audiologischer Verfahren sowie in der Entwicklung und Perfektionierung chirurgischer Techniken. Das unabhängige Netzwerk ist ein Zusammenschluss von 36 Comprehensive Hearing Centers weltweit – von Antwerpen/Belgien über Perth/Australien bis Würzburg/Deutschland. Ende Oktober dieses Jahres kamen Vertreterinnen und Vertreter der Vereinigung zu ihrem Jahrestreffen in Würzburg zusammen. Dabei wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Hagen für die kommenden fünf Jahre zum HEARRING-Präsidenten gewählt. Der international renommierte Experte leitete bis zu seiner Pensionierung Ende September 2023 18 Jahre lang die Würzburger Universitäts-HNO-Klinik.

Organisation von Tagungen und Hearing-Camps

„Mit der Präsidentschaft ist zum einen die Organisation vieler Tagungen weltweit verbunden“, berichtet Prof. Hagen und fährt fort: „Zum anderen geht es darum, in unterentwickelten Regionen der Erde sogenannte Hearing-Camps zu veranstalten, bei denen Operateurinnen und Operateure sowie Hörspezialistinnen und -spezialisten unabhängige Versorgungseinheiten für Schwerhörige und Taube aufbauen.“
Das dahinterstehende Problem ist immens. Tatsächlich gibt es in vielen Gebieten keine ausreichenden Maßnahmen gegen Schwerhörigkeit, was sich auf die schulischen Leistungen und die Beschäftigungsmöglichkeiten auswirkt. So erhalten in Entwicklungsländern Kinder mit Hörverlust und Taubheit selten eine Schulausbildung. Zusätzlich zum persönlichen Leid schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass unbehandelter Hörverlust die Weltwirtschaft jährlich 980 Milliarden US-Dollar kostet.
 

Kehlkopfschrittmacher macht das Leben stimmiger

Zehn Jahre nach der Machbarkeitsstudie, in der neun Personen mit beidseitiger Stimmlippenlähmung ein Kehlkopfschrittmacher implantiert wurde, finden jetzt am Uniklinikum Würzburg (UKW) sowie in Berlin, Gera, Innsbruck, Stuttgart und Wien Folgestudien mit einem weiterentwickelten Implantat der Firma MED-EL statt.

Fabian Kraus mit medizinischem Instrument
Stimm- und Schluckdiagnostik: Das IZSS bietet unter der Leitung von Fabian Kraus eine differenzierte Diagnostik an. © Daniel Peter / UKW
Arzt erläutert am Monitor Aufbau und Funktionen des Kehlkopfes
Endoskopie des Kehlkopfes: Erläuterungen am eigenen Bild machen die Zusammenhänge für die Patientin verständlich. © Daniel Peter / UKW
Arzt erläutert Parese am Kehlkopfmodell
Kehlkopfmuskulatur im Modell: Der Stimmlippenöffner, der bei Paresen nicht mehr angesteuert wird. © Daniel Peter / UKW

Sie konnte weder Amsterdam noch Adam sagen, das Schlucken fiel ihr schwer, und bei der kleinsten körperlichen Anstrengung blieb ihr die Luft weg. Der Tumor in der Schilddrüse war zwar erfolgreich entfernt worden, doch mit ihm hatte Carola Mayer (Name von der Redaktion geändert) auch ihre Leistungsfähigkeit und Stimme verloren - für die damals 41-jährige, die in der Kommunikationsbranche arbeitet, ein schwerer Schlag. 14 Jahre später plaudert sie im Podcast Phon-O-Ton des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) mit Dr. Fabian Kraus, Oberarzt in der HNO-Klinik und Leiter des Interdisziplinäres Zentrums für Stimme und Schlucken (IZSS) am UKW laut und deutlich über ihr neues Lebensglück. Dieses verdankt sie vor allem dem Kehlkopfschrittmacher, der ihr vor zehn Jahren im Rahmen der Machbarkeitsstudie „Laryngeal Pacemaker" als eine der ersten Patientinnen weltweit in Würzburg implantiert wurde. 

Nach einigen Weiterentwicklungen des Implantats, welches durch einen elektrischen Impuls die gelähmten Stimmlippen öffnet, sind jetzt Folgestudien gestartet. Neben den Unikliniken Würzburg und Innsbruck sowie dem SRH Wald-Klinikum Gera, in denen damals die Pilotstudie mit insgesamt neun Studienteilnehmenden durchgeführt wurde, nehmen heute auch die Charité Berlin, das Klinikum Stuttgart und das AKH Wien an den Studien teil. Insgesamt werden pro Zentrum sechs Personen in die Studien aufgenommen. Ziel ist eine weltweite Zulassung für den von der österreichischen Firma MED-EL Elektromedizinische Geräte GmbH entwickelten Kehlkopfschrittmacher.

Schrittmacher hilft dem Kehlkopfmuskel auf die Sprünge 

Mit einem von den Studienzentren und MED-EL gemeinsam entwickelten minimal-invasiven Verfahren werden die Elektroden endoskopisch an den feinen Nervenast platziert, welcher zuvor durch eine Infektion, ein Trauma oder, wie im Fall von Carola Mayer, durch eine vorhergehende Operation beschädigt wurde. Durch die Nervenschädigung ist die Verbindung zum Muskel gestört. Der Nerv kann die Botschaft vom Gehirn, nämlich den Kehlkopf beim Atmen oder Sprechen zu bewegen, nicht mehr umsetzen. Mit dem Schrittmacher wird dem Kehlkopfmuskel gewissermaßen auf die Sprünge geholfen. Die Impulse kommen vom Implantat, das direkt unter der Haut auf dem Brustbein eingesetzt und von einem Prozessor gesteuert wird. Der Prozessor ist von außen auf der Haut per Magnet mit dem Implantat verbunden. 

Man spüre weder das Implantat noch störe der magnetische Knopf auf der Haut, sagt Carola Mayer. „Wenn ich eine Bluse mit Ausschnitt tragen möchte und im Theater sitze, also mich weder bewegen noch sprechen muss, kann ich den Prozessor auch abnehmen“, berichtet sie und fügt schnell hinzu: „Der Prozessor ist aber immer griffbereit in meiner Handtasche.“ 

Jeder Millimeter zählt: Aussicht auf eine Stimme und mehr Luft über jeden Zweifel erhaben 

Mit jedem Millimeter, den sich die Stimmlippe mehr öffnet, bekommt sie mehr Luft. Ein Hauch könne manchmal den entscheidenden Schritt ausmachen. Ein Jahr nach der Schilddrüsenoperation wurde bei Carola Mayer bereits ein Teil der rechten Stimmlippe entfernt, um im Kehlkopf mehr Platz zu schaffen und so die Atmung zu erleichtern. „Das war schon sehr befreiend“, sagt sie. Sie konnte endlich wieder aufatmen, zwar weiterhin eingeschränkt, aber sie war froh, dass sie keinen Luftröhrenschnitt benötigte. Doch die Stimme besserte sich auch durch logopädisches Training nur minimal. „Das war schlimm“, blickt sie zurück. „Das wollte ich nicht akzeptieren.“ Und so machte sie bei der Studie mit. Die Aussicht auf eine Stimme und mehr Luft sei über jeden Zweifel erhaben gewesen. 

Heute kann sie sogar wieder walken und ihre Einkäufe tragen, sie kann problemlos sprechen und wird verstanden. Die Stimme hat sich entsprechend auf ihre Stimmung ausgewirkt. Daher rät sie allen Patientinnen und Patienten: „Setzen Sie sich mit neuen Studien auseinander, wägen Sie ab, ob es für Sie ein gangbarer Weg ist und wenn ja, probieren Sie ihn aus!“

Beleidigter Nerv bei beidseitiger Stimmlippenparese 

Fabian Kraus, erklärt: „Es kann manchmal ein bis zwei Jahre dauern, bis sich ein durch eine Operation oder eine Infektion geschädigter Nervenstrang zwischen Gehirn und Kehlkopf regeneriert.“ Der Nerv sei „beleidigt“ und müsse sich erholen. Manchmal tut er es aber nie und die Kontrolle über die Stimmlippen geht dauerhaft verloren. „Da die beidseitige Stimmlippenlähmung zu einer lebensbedrohlichen Beeinträchtigung der Atmung führen kann, muss chirurgisch interveniert und die Stimmritze vergrößert werden. Die Verbesserung der Atmung geht aber oft zulasten der Stimmqualität.“ 
In Deutschland und Österreich erleiden jedes Jahr etwa 1.000 Personen eine beidseitige Stimmlippenlähmung, auch Stimmlippenparese genannt. Die Betroffenen werden oft berufsunfähig und ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. „Ich war den Tumor zwar los, fühlte mich jedoch um 30 Jahre gealtert“, schildert Carola Mayer die Zeit nach der Schilddrüsenoperation. Der Kehlkopfschrittmacher hat ihr ein großes Stück Lebensqualität zurückgeben, mehr Luft und Stimme. 

Systematische und multiprofessionelle Diagnostik und Behandlung im Interdisziplinären Zentrum für Stimm- und Schluckstörungen IZSS

Die Diagnostik, Therapie und Erforschung von Stimm- und Schluckstörungen sind schon seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des UKW. Da es je nach Ursache der Störung viele Berührungspunkte zu anderen Fachrichtungen wie etwa zur Neurologie, Inneren Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde oder Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit gibt, wird das Fachwissen der jeweiligen Expertinnen und Experten seit Februar 2020 im IZSS gebündelt. Inzwischen erreichen das an der HNO-Klinik angesiedelte interdisziplinäre Zentrum Anfragen aus ganz Deutschland. Auch die von Fabian Kraus ins Leben gerufene Fortbildungsreihe „Im Focus“ stößt auf große Resonanz. „Am Webinar nehmen regelmäßig rund 100 Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Pflegende und Interessierte aus Deutschland, Schweiz und Österreich“, freut sich der geschäftsführende Leiter des IZSS. 

Der Kehlkopf im Fokus beim Sprechen, Schlucken und Atmen

Gemeinsamer Dreh- und Angelpunkt der Stimme und des Schluckens ist der Kehlkopf. Er sorgt dafür, dass beim Schlucken keine Speise in die Luftröhre gelangt. Mit seinen mittig gelegenen Stimmlippen ist er zudem für die Lautbildung zuständig. Die Stimmlippen öffnen sich beim Einatmen und spannen sich zur Stimmbildung beim Ausatmen, sodass der durchströmende Luftstrom die nun eng aneinander liegenden Stimmlippen zum Schwingen bringt. Es entstehen Schallwellen, die wir als Stimme wahrnehmen. Je höher die Töne desto intensiver schwingen die Stimmlippen. Beim hohen C schließen sie sich zum Beispiel mehr als 1.000 Mal in der Sekunde. Männerstimmen klingen übrigens tiefer als Frauenstimmen, weil die Stimmlippen der Männer in der Regel länger sind und langsamer schwingen. Sind die Stimmlippen entzündet, vernarbt oder verschleimt, können die Stimmlippen nicht mehr schwingen und wir klingen heiser. Doch auch unsere Stimmung macht sich am Kehlkopf bemerkbar. Wenn uns etwas bedrückt, können wir nicht richtig einatmen und bringen bisweilen keinen Ton mehr heraus. 


Interdisziplinäres Zentrum für Stimm- und Schluckstörungen IZSS
Telefon: +49 931 – 201 21888, E-Mail: izss@ukw.de, www.ukw.de/izss.
 

Fabian Kraus mit medizinischem Instrument
Stimm- und Schluckdiagnostik: Das IZSS bietet unter der Leitung von Fabian Kraus eine differenzierte Diagnostik an. © Daniel Peter / UKW
Arzt erläutert am Monitor Aufbau und Funktionen des Kehlkopfes
Endoskopie des Kehlkopfes: Erläuterungen am eigenen Bild machen die Zusammenhänge für die Patientin verständlich. © Daniel Peter / UKW
Arzt erläutert Parese am Kehlkopfmodell
Kehlkopfmuskulatur im Modell: Der Stimmlippenöffner, der bei Paresen nicht mehr angesteuert wird. © Daniel Peter / UKW

Tagung zur Digitalisierung in der HNO-Heilkunde

Am 10. November 2023 findet am Uniklinikum Würzburg der 2. digiHNO-Summit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. statt. Zu diesem Treffen sind alle Medizinerinnen und Mediziner herzlich eingeladen, die mehr über die Digitalisierung in der Medizin wissen wollen.

2. digiHNO-Summit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. in diesem Jahr am Uniklinikum Würzburg.
Der 2. digiHNO-Summit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. findet in diesem Jahr am Uniklinikum Würzburg statt. Bild: Johannes Taeger

Die Arbeitsgruppe Digitalisierung der HNO-Heilkunde (digiHNO) der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. beschäftigt sich mit digitalen Entwicklungen und Projekten in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Die zentrale Weiterbildungs- und Netzwerkveranstaltung der AG ist der jährlich stattfindende digiHNO-Summit. Gastgeber der diesjährigen Neuauflage am Freitag, den 10. November ist das Uniklinikum Würzburg (UKW).
„Zu diesem Treffen sind nicht nur die Mitglieder unserer Fachgesellschaft, sondern alle Medizinerinnen und Mediziner herzlich eingeladen, die sich für die Digitalisierung in der Medizin und der HNO-Heilkunde interessieren“, erläutert Prof. Dr. Kristen Rak. Der stellvertretende Direktor der Würzburger Universitäts-HNO-Klinik ist der aktuelle Vorstand der digiHNO-Arbeitsgruppe.

Nachmittag mit drei Themen-Sessions

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten an der HNO-Klinik des UKW ab 14:00 Uhr drei mit hochkarätigen Fachleuten besetzte Sessions zu den Themen „Digitale Medizinprodukte & Innovationen“, „Digitalisierung der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit“ und „Konzepte für digital gestützte Lehre, Fort- und Weiterbildung“.

Als Gastredner konnte zudem Prof. Dr. Jochen Werner, der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Essen, gewonnen werden. Der ehemalige Ordinarius für HNO-Heilkunde der Philipps-Universität Marburg beschäftigt sich schon lange intensiv mit der Frage, wie die Digitalisierung der Krankenhauslandschaft sowohl die Patientenversorgung, als auch die Arbeit der Beschäftigten verbessern kann. Sein Keynote-Vortrag trägt den Titel „Wertschätzung und Digitalisierung als Kernelemente des künftigen Gesundheitswesens“.

Speed Networking am Abend

„Die Abendveranstaltung des Summits im Würzburger Juliusspital gestalten wir als Speed Networking, um unseren Teilnehmende neben dem Wissensgewinn des Nachmittags eine effektive Möglichkeit zu bieten, professionelle Kontakte zu knüpfen“, kündigt Prof. Rak an.

Die Teilnahme am digiHNO-Summit ist kostenlos, wichtig ist eine Anmeldung bis 31. Oktober 2023 unter https://digital.hno.org.

 

2. digiHNO-Summit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. in diesem Jahr am Uniklinikum Würzburg.
Der 2. digiHNO-Summit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. findet in diesem Jahr am Uniklinikum Würzburg statt. Bild: Johannes Taeger

Prof. Dr. Stephan Hackenberg leitet die HNO-Klinik am UKW: Neue Aufgabe, bekannte Wirkungsstätte
Seit dem 1. Oktober ist Prof. Dr. Stephan Hackenberg Direktor der HNO-Klinik am UKW. Foto: UKW / Anna Wenzl

Würzburg. 2008 kam er erstmals an die HNO-Klinik des Universitätsklinikums Würzburg – als junger Assistenzarzt. Nun arbeitet Prof. Dr. Stephan Hackenberg erneut an der Würzburger HNO-Klinik: Seit dem 1. Oktober ist er dort Klinikdirektor. Er folgt auf Prof. Dr. Dr. Rudolf Hagen, der Ende September in den Ruhestand ging.

Prof. Hackenberg (Jahrgang 1977) war zuletzt Direktor der HNO-Klinik an der Uniklinik RWTH Aachen. „Ich freue mich sehr auf meine neuen Aufgaben in Würzburg, das exzellente wissenschaftliche Umfeld und nicht zuletzt auf die wunderschöne Stadt Würzburg. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit meinem Team die sehr gut etablierten Strukturen der Klinik weiter auszubauen und zugleich neue wissenschaftliche Perspektiven für eine moderne Patientenversorgung zu entwickeln.“

Neue Medikamente ergänzen Versorgung

Der Schwerpunkt von Prof. Hackenberg liegt in der Therapie von Krebserkrankungen der Kopf-Hals-Region. „In den letzten Jahren konnten Methoden etabliert werden, die eine exaktere Diagnosestellung sowie eine schonendere und vor allem wirksamere Therapie ermöglichen. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Partnern aus dem CCC Mainfranken und dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen NCT WERA weiter daran zu arbeiten, unseren Patienten eine noch bessere Therapie zu ermöglichen.“ 2014 wurde Prof. Hackenberg mit dem Preis der Arbeitsgemeinschaft Onkologie der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie ausgezeichnet.

Neben der Versorgung krebskranker Patienten ist die Therapie von Hörstörungen ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Würzburger HNO-Klinik. „Wir sind ein international anerkanntes Zentrum für die Behandlung von Ohrerkrankungen. Diesen Fokus weiterzuentwickeln ist eine zentrale Aufgabe für das Würzburger Team.“ Neben dem Hörimplantatprogramm für taube Patienten soll zukünfitg auch die Schädelbasischirurgie im interdisziplinären Klinikverbund ausgebaut werden.

Enge Zusammenarbeit weiter ausbauen

Die Strukturen in Würzburg und das Team der Klinik sind Prof. Hackenberg sehr gut bekannt: Bevor er im August 2021 Klinikdirektor in Aachen wurde, war er Leitender Oberarzt der HNO-Klinik am UKW. „Wir haben ein tolles Team. Gemeinsam mit allen Professionen und Berufsgruppen wollen wir das hohe Leistungsspektrum in der Patientenversorgung weiter ausbauen – das gilt z.B. für die Behandlung von Stimmstörungen und Kehlkopferkrankungen sowie von chronischen Entzündungen der Nase. Hier werden wir weiter eng mit den übrigen Klinikbereichen des UKW zusammenarbeiten.“

2020 wurde Prof. Hackenberg mit dem Lehrpreis der Medizinischen Fakultät in Würzburg für seine Verdienste um die Online-Lehre ausgezeichnet. „Auch das ist natürlich Teamarbeit und auch jetzt weiterhin Ansporn für alle, die daran beteiligt sind. Dafür haben wir in Würzburg exzellente Voraussetzungen.“

Zudem betont der Mediziner: „In Würzburg steht mit dem Erweiterungsgelände Nord eine spannende bauliche Perspektive für die HNO-Klinik in den kommenden Jahren an. Daran mitzuwirken ist natürlich auch eine besondere Aufgabe, auf die ich mich sehr freue.“

Zur Person:

Prof. Dr. Stephan Hackenberg hat Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. Seine berufliche Laufbahn begann er an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Regensburg, bevor er 2008 an das Universitätsklinikum Würzburg wechselte. Dort habilitierte er 2013. In Würzburg war er zuletzt leitender Oberarzt bis zu seinem Wechsel 2021 nach Aachen.

Er verfügt über die Zusatzbezeichnungen „Allergologie“ und „Plastische Operationen“ und ist Mitglied in diversen nationalen und europäischen Fachgesellschaften. Als Vorstandsmitglied der Europäischen Gesellschaft für Kinder-HNO ESPO liegt ihm die Versorgung junger Patienten mit Erkrankungen im HNO-Bereich besonders am Herzen.

Seit dem 1. Oktober ist Prof. Dr. Stephan Hackenberg Direktor der HNO-Klinik am UKW. Foto: UKW / Anna Wenzl

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Telefon Phoniatrie: +49 931 201-21700
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