Meilensteine in der Geschichte der Universitäts-Kinderklinik Würzburg

Am 2. Januar 1582 wurde die Bayerische Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg einschließlich Medizinischer Fakultät durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ein zweites Mal, jetzt bei gediegenerer finanzieller Ausstattung, endgültig gegründet.

Vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war es in den Spitälern noch üblich, kranke und sogar infektiöse pädiatrische Patienten gemeinsam mit Erwachsenen unterzubringen. In Würzburg wurde davon abweichend schon 1840 eine eigene, aus zwei Zimmern und 15 Betten bestehende Kinderabteilung errichtet, wobei dies nicht aus fachlichen Erwägungen, sondern im Interesse der "Humanität und Sittlichkeit" geschah. Die ärztliche Versorgung dieser kleinen Station oblag - wie damals üblich - den beiden Ordinarien, Hofrat Carl Friedrich von Marcus (Innere Medizin) und Hofrat Cajetan von Textor (Chirurgie).

Die Ära Franz von Rinecker (1844 - 1872)

Dem Allround-Mediziner Franz von Rinecker ist es zu verdanken, dass die Pädiatrie in Würzburg sehr früh aus der Taufe gehoben und offiziell in Forschung und Lehre eingebunden wurde. Er sah früh die Notwendigkeit einer Kinderheilkunde und schaffte es, in Würzburg im Jahre 1850 die erste Universitäts-Kinderklinik der Welt zu etablieren, die allerdings in den darauffolgenden Jahren permanent in ihrer Existenz gefährdet war.

Die Ära Franz von Rinecker im Detail

Franz von Rinecker wurde am 3. Januar 1811 in Scheßlitz bei Bamberg geboren. Er begann bereits mit 16 Jahren in München sein Medizinstudium, machte eine Traumkarriere und überahm schon 1838 – 27-jährig – als Ordentlicher Professor für Arzneimittellehre die Direktion der Medizinischen Poliklinik und war ein genialer, angesehener Lehrer verschiedener Fächer, ferner ein gesuchter Konsiliararzt.

Er war ungemein vielseitig, so beschäftigte er sich intensiv mit Mikroskopie und Experimentalphysiologie; mit seinem Assistenten Leydig gründete er ein physiologisches Institut und erweckte damit die anatomisch-physiologische Schule in Würzburg zu neuem Leben. 1863 übernahm er die Leitung der psychiatrischen Klinik am Juliusspital und 1872 zusätzlich die Abteilung für Syphilis und Hauterkrankungen, für er eine eigene Klinik einrichtete. Seine außermedizinischen Interessen galten der Kunst, der Politik, der Religion und der Landwirtschaft.

Doch zurück zur Kinderheilkunde. Die ambulante Behandlung kranker Kinder lag Franz von Rinecker von Anfang besonders am Herzen; sie fand zuletzt ab 1851 im Erdgeschoß des Gebäudes Klinikgasse 3 (Bild oben rechts) statt. Bereits im Sommersemester 1839 hielt er eine spezielle drei- bis sechsstündige Vorlesung über Kinderkrankheiten und unterstrich damit die Wichtigkeit dieses Faches und seiner persönlichen Vorliebe dafür.

In Würzburg wurde die Pädiatrie demnach sehr früh aus der Taufe gehoben. Diese Pionierleistung ist vor allem der auf "Innovationen setzenden Hochschulpolitik des Strategen Franz von Rinecker zu verdanken" (Keil 1995, Keil 1998). 1844 wurde sein Engagement für die Belange der Kinder mit Verleihung der Professur für Pädiatrik gewürdigt, gleichzeitig ging auch die Leitung der Poliklinik auf ihn über. Durch Installation des ersten Lehrstuhls für eine bis dato noch nicht existierende Fachdisziplin wurde ihre Einbindung in Lehre und Forschung offiziell besiegelt (Oehme 1992). 

Am 7. Juli 1841 erfolgte durch das Königlich-Bayerische Dekret die entscheidende Weichenstellung für die Gründung der Universitäts-Kinderklinik. Darin wurde dem Senat und der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg die "Errichtung einer stabilen Kinderklinik und die Abhaltung von eigenen Vorlesungen über Kinderkrankheiten" befohlen. Diese Anweisung musste bei den zuständigen Stellen wiederholt angemahnt werden, weil sie das juliusspitälische Oberpflegeamt mit allen Mitteln zu hintertreiben versuchte. Als es sogar plante, die von Hofrat von Marcus bereits 1847 eingeweihte "Separat-Anstalt für Kinder" wieder aufzulösen, reagierte das Ministerium 1850 nach Intervention der Betroffenen mit folgender Anordnung: Die "Filialheilanstalt" bleibt "in der bisherigen Weise bestehen" und dient als Grundlage für die "Errichtung einer Kinderklinik, die als universitäre" Einrichtung von Rinecker unterstellt wird, dem man "die Funktion eines Arztes" an der "Abtheilung überträgt".

"Würzburg verfügt damit ab Nov. 1850 über die erste Universitäts-Kinderklinik der Welt und Franz von Rinecker führt den Titel eines öffentlich-ordentlichen Professors ... der Kinderkrankheiten“ bereits seit 1844 (Keil 1998). 1851 beauftragte man den königlichen Universitätsprofessor mit der Leitung der "stabilen Kinderklinik" und 1855 wurde er zum krönenden Abschluss als Vorstand der Gesamtkinderklinik berufen.

Diese war in den folgenden Jahren permanent in ihrer Existenz gefährdet, weil sie als universitäre Einrichtung aus dem juliusspitälischen Klinikverband ausgegliedert war und als Mitkonkurrent wie ein "Stachel im Fleisch" empfunden wurde. Von Rinecker wurde handfesten Repressalien ausgesetzt; zum Beispiel lieferte ihm die Stiftsapotheke, die eine Monopolstellung innehatte, keine Medikamente mehr, die Mietpreise wurden willkürlich erhöht, die Freigabe von Patienten für den Unterricht behindert usw.. Diese ständigen Querelen und administrativen Schwierigkeiten frustrierten von Rinecker derartig, dass er sein Lebenswerk – die Universitäts-Kinderklinik – schließlich als "mißglückte Schöpfung" bezeichnete.

Als letzten Rettungsversuch benutzt er die Gelegenheit seiner Ernennung zum juliusspitälischen Oberarzt, die Kinderklinik mit Einverständnis des Ministerium (05.03.1864) sich selbst zu unterstellen. Damit war die "Separat-Anstalt für kranke Kinder" wieder in den Schoß des Juliusspitals zurückgekehrt und die erste Kinderklinik der Welt hatte ihre Selbständigkeit verloren.

1863 nahm der Allround-Mediziner zwar noch eine Reihe neuer Aufgaben an, wich aber von seinem pädiatrischen Konzept zunächst nicht ab. Jetzt traten zusätzlich Probleme mit dem Polikliniker Alois Geigel auf, der sich u.a. eingeengt fühlte und darüber klagte, nicht genügend Patienten für seinen Unterricht zu finden. 1872 zog sich von Rinecker ganz aus der Pädiatrie zurück und meinte rückblickend "es seien die Polikliniken eine Fundgrube für das Studium der Kinder- und Greisenkrankheiten, zwei Altersklassen, bei welchen auftretende pathologische Vorgänge durch eine eigentümliche Leiberbeschaffung, eine besondere Betrachtungsweise notwendig machten" (Franke et al. 1957). Für die "stabile Kinderklinik" war anschließend sein Schüler Prof. Dr. Carl Gerhardt verantwortlich. Von Rinecker verstarb als Senior der Medizinischen Fakultät zu Würzburg am 21. Februar 1883.

Die Ära Carl Gerhardt, Wilhelm von Leube, Dietrich Gerhardt

Nachdem die schwer erkämpfte Selbständigkeit der Kinderheilkunde unter Franz von Rinecker an den fehlenden Geldmitteln gescheitert war, gelang es seinen Nachfolgern Carl Gerhardt, Wilhelm von Leube und Dietrich Gerhardt, zumindest eine kleine Kinderabteilung im Würzburger Juliusspital zu bewahren. Auch die studentische Lehre auf dem Gebiet der Kinderheilkunde blieb in dieser Zeit fester Bestandteil des Curriculums.

Die Ära Gerhardt, Leube, Gerhardt im Detail

Die Anfang November 1850 schwer erkämpfte Selbständigkeit der Pädiatrie war also letztlich an den fehlenden Geldmitteln gescheitert. Prof. Dr. Carl Gerhardt (1833 - 1902) gelang es, die kleine juliusspitälische Kinderabteilung zu bewahren und der Paediatria Herbipolensis durch Herausgabe des mehrbändigen "Handbuchs der Kinderkrankheiten", das 1896 mit einem Nachtragsband abgeschlossen wurde, Ansehen zu verschaffen.

Die weiteren Nachfolger C. Gerhardts auf dem Lehrstuhl für Innere Medizin waren die internistischen Ordinarien Wilhelm von Leube und Dietrich Gerhardt. Auch sie konnten den übernommenen Besitzstand weitergeben und setzten die Vorlesungen und Übungen auf dem Gebiet der Kinderheilkunde als festen Bestandteil des Semesterplanes der Würzburger Universität kontinuierlich fort.

Die Ära Jussuf Ibrahim (1915 - 1917)

Jussuf Ibrahim wurde im Jahre 1915 der erste Extraordinarius für Kinderheilkunde in Würzburg. Er übernahm die kleine juliusspitälische Kinderabteilung und die in die Medizinische Poliklinik integrierte ambulante Kinderklinik, doch ihm fehlten vor allem Räumlichkeiten für die Behandlung der Kinder. 1917 folgt er einem Ruf nach Jena, wo er bessere Arbeitsbedingungen vorfand und sich hohes Ansehen erwarb. Nach seinem Tod wurde bekannt, dass er in Jena an den Euthanasie-Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt war.

Die Ära Jussuf Ibrahim im Detail

Jussuf Ibrahim war 1915 der erstberufene Extraordinarius für Kinderheilkunde in Würzburg. Er hatte einen ägyptischen Vater und eine deutsche Mutter, wurde aus der Heimat vertrieben, wuchs in Neapel und München auf, studierte dort und in Kairo Medizin, habilitierte sich als erster in Heidelberg für das Fach Pädiatrie, übernahm später die Leitung des Gisela-Hospitals in München-Schwabing und wurde dort 1912 zum außerplanmäßigen Professor ernannt (Oehme 1998).

Nach seiner Ankunft in Würzburg überließen ihm der Internist Dietrich Gerhardt für seine klinische Arbeit „als leitendem Arzt“ die bereits 1840 bereitgestellte kleine juliusspitälische Kinderabteilung und der damals gleichzeitig amtierende Polikliniker Robert Müller die bisher in die Medizinische Poliklinik integrierte ambulante Kinderklinik. Da für diese nun keine Räume mehr zur Verfügung standen, nahm Ibrahim mit einer angemieteten Privatwohnung in der Textorstraße 26 vorlieb. Für die Behandlung kranker Säuglinge fehlten ebenfalls noch Aufnahmemöglichkeiten. Die Medizinische Fakultät gestattet Ibrahim zwar, seine Tätigkeit auf Kinder bis 14 Jahren auszudehnen, eine Infektionsabteilung zu eröffnen und sich noch einen Assistenten einzustellen, aber sie konnte sich nicht durchringen, ihm eine Prüfungslizenz zu gewähren.

Unter diesen Voraussetzungen war es für ihn sicher eine Genugtuung, am 01.04.1917 einen Ruf als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Kinderheilkunde in Jena zu erhalten, wo sich ihm viel bessere Arbeitsbedingungen boten. Er erwarb sich dort hohes Ansehen und wurde vielfach geehrt. Erst nach seinem Tod wurde bekannt, dass Ibrahim in der Zeit des Nationalsozialismus an der Tötung schwerstgeschädigter Kinder beteiligt gewesen war und im Einzelfall schwerstbehinderte Kinder persönlich zur „Euthanasie“ eingewiesen hatte (vgl. den Bericht der Kommission der Friedrich-Schiller-Universität Jena zur Untersuchung der Beteiligung Prof. Dr. Jussuf Ibrahims an der Vernichtung "lebensunwerten Lebens" während der NS-Zeit.)

Die Ära Johannes Rietschel (1917 - 1945)

Auch Jussuf Ibrahims Nachfolger Johannes Rietschel hatte zunächst mit enormen Platzproblemen zu kämpfen. Vor allem für die Behandlung von Säuglingen fehlten die Räumlichkeiten. 1923 wurde nach Jahrzehnten ein Traum Wirklichkeit, und die Würzburger Kinderklinik konnte in das Staatliche Luitpoldkrankenhaus einziehen. In der Bombennacht von 1945 jedoch wurden die Räume komplett zerstört. Rietschel, dessen Rolle im NS-Regime nicht ganz klar ist, wurde 1946 von den Amerikanern abgesetzt.

Die Ära Johannes Rietschel im Detail

Prof. Dr. Dr. h.c. Johannes Rietschel wurde 1917 als Nachfolger von Jussuf Ibrahim auf das Extraordinariat für Kinderheilkunde nach Würzburg berufen. Seine pädiatrische Ausbildung erwarb er sich an der Berliner Charité-Kinderklinik unter Prof. Dr. Otto Heubner. Bereits 1907 erging an ihn die ehrenvolle Berufung als leitender Arzt an das von Arthur Schlossmann (1867 bis 1932) im Jahr 1898 gegründete Säuglingsheim als Nachfolger von Bruno Salge.

Diese für die deutsche Pädiatrie der damaligen Zeit sehr renommierte Arbeits- und Forschungsstätte hatte Rietschel während seiner 10-jährigen Tätigkeit zu solchem Aufschwung gebracht, daß er von der Würzburger Medizinischen Fakultät – ohne habilitiert zu sein – den Vertrauensvorschuß bekam, als außerordentlicher Professor sein Amt als Leiter der Universitäts-Kinderklinik zu erfüllen (Oehme 1990).

Im April 1917 fing er an der gleichen Stelle wie sein Vorgänger mit unvorstellbaren Raumproblemen an, wobei ihm vorwiegend die Unterbringung von kranken Säuglingen Sorgen bereitete. Am 1. Januar 1923 – nach vielen Provisorien und nicht weniger als 73 Jahren nach Erlass des Königlich-Bayerischen Dekrets – wurde ein Traum Wirklichkeit. Die Kinderklinik zog in die Bauten 8, 9 und 10 (Bild oben links) sowie in Bau 18 des Staatlichen Luitpoldkrankenhauses (Bild oben rechts) ein.

Erstere beherbergten die Stationen für Säuglinge und ältere Kinder, ferner die Pflegerinnenschule, Funktionsräume, Poliklinik, letztere die Isolierstationen für infektiöse Patienten.

Rietschel hatte sich rasch das Vertrauen seiner Patienten, seiner Mitarbeiter und der Medizinischen Fakultät erworben. 1922 schon wurde er zum Ordentlicher Professor der Kinderheilkunde in Würzburg ernannt.

In der Bombennacht vom 16. März 1945 wurden die Gebäude der Kinderklinik im Luitpoldkrankenhaus total zerstört, die Patienten mussten in die umliegenden Ortschaften Unterfrankens evakuiert werden. Die medizinische Versorgung der verstreut untergebrachten Kinder forderte dem Personal viel ab.

Im Januar 1946 wurde Rietschel von der amerikanischen Militärregierung seiner Stellung enthoben, hat die Klinik aber nach eigenen Angaben bis zum April 1946 weitergeführt. 1947 wurde er als „Mitläufer“ zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Ausmaß seiner Verstrickung in das nationalsozialistische Regime bleibt allerdings unklar. Er war Mitglied diverser nationalsozialistischer Organisationen und als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde an deren „Arisierung“ beteiligt. Ehemalige Mitarbeiter verneinten jedoch später eine aggressive nationalsozialistische oder antisemitische Einstellung Rietschels und es gibt bislang keine Belege für seine Beteiligung am nationalsozialistischen Programm der „Kindereuthanasie“ (vgl. Martin Hofer: Hans Rietschel (1878 bis 1970) – Direktor der Universitäts-Kinderklinik Würzburg von 1917 bis 1946. Diss. med. Würzburg 2005).

In der Nachkriegszeit wurde die Klinik kommissarisch von seiner Assistenzärztin, Frau Dorothea Lehmann, und dem Hamburger Privatdozenten Dr. H. Kirchmair geleitet.  

Die Ära Josef Ströder (1948 - 1981)

Als Josef Ströder 1948 den Lehrstuhl für Kinderheilkunde und die Klinikleitung übernahm, stand er buchstäblich vor dem Nichts. Er leistete Hervorragendes beim Wiederaufbau der Klinik, erreichte eine Aufstockung des Personals und initiierte die Errichtung einer Schule für kranke Kinder. Auch verschiedene Arbeitsgruppen für die Sparten der modernen Pädiatrie bildeten sich unter seiner Führung heraus.

Die Ära Josef Ströder im Detail

Am 1. Oktober 1948 gingen Lehrstuhl für Kinderheilkunde und Klinikleitung auf Josef Ströder über, der zuletzt an der Kinderklinik der Medizinischen Akademie in Düsseldorf als außerplanmäßiger Professor und Oberarzt tätig war. Bezeichnerderweise musste er bei seinem Dienstantritt mangels Transportmöglichkeiten zu Fuß mit einem Leiterwagen vom Bahnhof abgeholt und an Trümmern vorbei zu seinem Wirkungsort gebracht werden. Er stand praktisch vor dem Nichts.

Mit dem Wiederaufbau der zerstörten Klinik an alter Stelle wurde 1949 begonnen. Bereits am 15.10.1949 konnte der westliche und am 13.1.1950 der östliche Teil von Bau 8 eingeräumt werden. Nach energischen und zähen Verhandlungen mit dem Ministerium stellte dieses Mittel zur Errichtung eines Klinikneubaus bereit, der aus einem Bettenhaus (118 Betten) mit Funktionsräumen, einem Hörsaal (150 Sitzplätze) und dem Bürotrakt des Klinikdirektors bestand. Er wurde im Januar 1962 bezogen. Im weiteren erfolgten Sanierungsarbeiten im Infektionshaus und der Umbau von Bau 8/9. Die letzte große Baumaßnahme unter Ströders Amtszeit war die Errichtung des Tuberkulosehauses, in das auch die für die Installation einer Intensivstation vorgesehenen Gelder einflossen.

Ströder hatte nicht nur beim Wiederaufbau der Klinik Hervorragendes geleistet, ihm gelang es in zäh verlaufenden Verhandlungen auch, eine angemessene Personalaufstockung zu erreichen. Am Ende seiner Amtszeit verfügte er über 27 Planstellen für wissenschaftliche Assistenten und 110 für Schwestern.

In seiner Ägide kristallisierten sich spezielle Arbeitsgruppen für alle Sparten der modernen Pädiatrie heraus (Derks 1986). Auf seine Initiative geht die Errichtung einer ersten Schule für kranke Kinder an einer Universitäts-Kinderklinik zurück (Derks 1986).

Die Ära Helmut Bartels (1981 - 1999)

Unter Helmut Bartels vollzog sich ein programmatischer Wandel, der das kranke Kind in den Mittelpunkt des Klinikalltags stellte. Bei aller wissenschaftlicher Spezialisierung war ihm der Blick aufs Ganze wichtig, genauso wie die fächerübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen. In seine Amtszeit fielen außerdem eine Reihe von hart erkämpften Baumaßnahmen, darunter die Errichtung einer modernen Intensivstation und eines Perinatalzentrums.

Die Ära Helmut Bartels im Detail

Am 01. März 1981 übernahm Prof. Dr. Helmut Bartels den Lehrstuhl für Kinderheilkunde und die Leitung der Universitäts-Kinderklinik in Würzburg. Er war Schüler von Prof. Dr. Dr. h. c. Theodor Bücher (Marburg), Prof. Dr. Hans-Georg Hansen (Lübeck) und Prof. Dr. Hans-Rudolf Wiedemann (Kiel), der einst bei Jussuf Ibrahim gearbeitet hatte. Vor seiner Berufung war er Direktor der Prof.-Hess-Kinderklinik des Zentralkrankenhauses St. Jürgen-Straße in Bremen.

Unter Prof. Bartels vollzog sich ein Wandel und eine Konsolidierung in den Auffassungen über den Alltag einer Kinderklinik, sie öffnete sich nach außen und nach innen. Das kranke Kind wurde programmatisch in den Mittelpunkt gestellt, es sollte den klinischen Betrieb bestimmen und deswegen auch absolute Priorität vor Lehre und Forschung haben. In unmißverständlicher Weise achtete er bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen auf ein klares, jederzeit hinterfragbares medizinisches Konzept. Er bemühte sich, einer Spezialisierung zu entgehen, ohne jedoch spezielles Wissen auf wissenschaftlichem Sektor in Frage zu stellen. Er steuerte einer übermäßigen Zergliederung in selbständige Teilbereiche entgegen, weil er befürchtete, dass so der Blick für das Wesentliche verlorenzugehen drohte. Diverse Spezialsprechstunden von engagierter Mitarbeitern für chronisch kranke Kinder und eine gute Kooperation mit allen Disziplinen waren ihm ein großes Anliegen.

In die Amtszeit Bartels fielen einige mühsam erkämpfte Baumaßnahmen: Dazu gehörten zuerst die Einrichtung einer modernen Intensivstation und die gründliche Sanierung der onkologischen Station. Foyer, Treppenhaus, Station Sonneninsel sowie Station Regenbogen im Bau 34 und die später noch genannten Projekte wurden von dem Künstler Norbert Böll phantasievoll und farbenfroh ausgemalt.

Weitere Sanierungsmaßnahmen betrafen das Frühdiagnosezentrum im Bau 18, die Poliklinik (Bauzeit von 09/94 - 12/97 bei laufendem Betrieb, Einweihung 12.02.98), in die jetzt auch eine onkologische Tagesklinik integriert ist, und die Station Finkelstein. Die Inbetriebnahme des unter Bartels bereits projektierten Perinatalzentrums fand bereits nach dem Wechsel im Mai 2000 statt.

Christian P. Speer (seit 1999)

Seit 1999 ist Christian P. Speer Direktor der Kinderklinik. Sein Anliegen ist es, neben einer hochqualifizierten Allgemeinpädiatrie die Schwerpunktbildung einzelner Spezialbereiche in der Kinderheilkunde weiterzuentwickeln und neue Bereiche aufzubauen. In seiner Amtszeit wurden eine Intensivstation und eine Intermediäreinheit für Früh- und Neugeborene sowie ein neues Stammzelltransplantationszentrum eröffnet.

Die Ära Christian P. Speer im Detail

Am 1. Mai 1999 wurde die „Stafette“ an Professor Dr. Christian Paul Speer übergeben. Prof. Dr. Speer hat seine klinische Weiterbildung an der von Prof. Dr. Werner Schröter geleiteten Universitäts-Kinderklinik Göttingen erfahren; seine wissenschaftliche Ausbildung erhielt er am National Jewish Hospital Denver, Colorado, USA unter Prof. Dr. Richard B. Johnston. 1987 wurde er Universitätsprofessor an der Universitäts-Kinderklinik Göttingen; 1994 wurde er zum Ärztlichen Direktor der Abteilung Neonatologie der Universitäts-Kinderklinik Tübingen berufen. Er arbeitete dort in enger Kooperation mit den Ärztlichen Direktoren der Kinderklinik, Prof. Dr. Dietrich Niethammer, Prof. Dr. Richard Michaelis sowie Prof. Dr. Jürgen Apitz.

Auf Grund seiner international anerkannten wissenschaftlichen Leistungen wurde er 1996 zum „Fellow of the Royal College of Physicians, Edinburgh“ gewählt. Ende 1997 wurde er von den Mitgliedern der Berufungskommission der Medizinischen Fakultät aufgefordert, sich um die Nachfolge von Prof. Dr. Bartels zu bewerben. Im April 1998 erhielt Prof. Dr. Speer den Ruf auf den Lehrstuhl der Kinderheilkunde an der Universität Würzburg.

Sein Anliegen ist es, neben einer hochqualifizierten Allgemeinpädiatrie die Schwerpunktbildung einzelner Spezialbereiche in Klinik und Wissenschaft weiter zu entwickeln sowie neue Bereiche wie die Stammzelltherapie und Pneumologie aufzubauen.

Sein Amtsbeginn wurde von intensiven Renovierungs- und Neubaumaßnahmen der Universitäts-Kinderklinik begleitet. Im Frühjahr 2000 wurde die Versorgung von Früh- und Neugeborenen durch die Einrichtung einer neonatologischen Intensivstation im Perinatalzentrum der Universitäts-Frauenklinik grundlegend verbessert; kurze Zeit später wurde die Intermediäreinheit für Früh- und Neugeborene eröffnet. Der neonatologische Schwerpunkt (Level 1) hat sich seitdem zu einem der größten Zentren in Bayern entwickelt.

2003 wurde der erweiterte und neugestaltete Funktionsbereich D 31 bezogen, der neben einem Konferenz- und Seminarraum eine Bibliothek, diverse Sekretariate sowie den Direktionstrakt umfasst.

Im März 2005 konnte das neu erbaute Stammzelltransplantationszentrum für Kinder und Erwachsene eingeweiht werden; Prof. Speer hatte dieses Projekt initiiert und maßgeblich vorangetrieben.

Es folgten die notwendige Erweiterung der Früh- und Neugeborenen-Intensivstation im Perinatalzentrum der Universitäts-Frauenklinik, die Modernisierung der Pädiatrischen Intensivstation, der Einzug der Infektionsstation in Gebäude C6, die Neugestaltung des Hörsaals sowie die Renovierung aller Stationen.

Durch den Ausbau der onkologischen Tagesklinik, die Einrichtung einer allgemeinpädiatrischen Tagesklinik und die Weiterentwicklung der Spezialsprechstunden, zum Teil zu interdisziplinären Zentren, wurde die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen und seltenen Erkrankungen deutlich verbessert. Im Jahr 2011 wurde das von einem gemeinnützigen Verein getragene Frühdiagnosezentrum / Sozialpädiatrische Zentrum in die Universitäts-Kinderklinik integriert.

Die konkreten Planungen für ein neues Frauen-Mutter-Kind-Zentrum sehen die notwendige Zusammenführung der Kinderklinik in einem Gebäude vor.

Literaturangaben

  • Derks, A. (1986) Würzburger Kinderheilkunde im Wiederaufbau: Die Geschichte der Universitätskinderklinik von 1945 bis 1962. Mit einem Ausblick bis 1985. Medizinische Dissertation, Würzburg.
  • Franke, H., J. Schröder, E. Schröder (1957) Die Würzburger Medizinische Universitäts-Poliklinik 1807- 1957. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Keil, G. (1995) Franz von Rinecker (1811-1883) Mediziner. In: P. Baumgart (Hrsg.) Lebensbilder bedeutender Würzburger Professoren. Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg 8, Neustadt a.d. Aisch; S. 20-59.
  • Keil, G. (1998) Rinecker und die Anfänge der Pädiatrie I und II. der kinderarzt 29: 198-201 und 345-351.
  • Lommel, A. (1925) Das staatliche Luitpodkrankenhaus in Würzburg. Verlag Georg D.W. Callwey, München.
  • Oehme, J. (1990) Der nicht habilitierte Ordinarius. pädiatrie hautnah 1: 50 – 51.
  • Oehme, J. (1992) Erste Ordinarien für Kinderheilkunde. der kinderarzt 23: 693 – 694.
  • Oehme, J. (1998) Die Vaterfigur Jussuf Ibrahim ( 1877 - 1953). pädiatrie hautnah 6: 398 – 400
  • Simeoni U, Visser GHA, Halliday HL. Maternité Prize of the European Association of Perinatal Medicine – Laudatio for Christian P. Speer, MD, FRCPE, Professor of Pediatrics. Z Geburtsh Neonatol 2014;218:177-178*

* verfasst von PD Dr. R. Jeschke  für die Festschrift anlässlich der
150-Jahr-Feier der Universitäts-Kinderklinik, Oktober 2000 und ergänzt
durch Prof. Dr. H. Hebestreit, Juli 2018

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