Suchterkrankungen behandeln

Für die klinische Suchtmedizin stehen 16 stationäre Behandlungsplätze zur Verfügung. Der qualifizierte Entzug für alkohol-, drogen- und medikamentenabhängige Patientinnen und Patienten basiert auf standardisierten und bewährten Therapiekonzepten und dauert einige Wochen.

Was versteht man unter Sucht?

Die psychische und körperliche Abhängigkeit von Substanzen, die zunächst meist eine positive oder sogar euphorisierende Wirkung auslösen, wird als Sucht bezeichnet. Die internationale Klassifikation für Krankheiten (ICD-10 Kriterien) definiert Sucht als den starken Wunsch oder Zwang, Alkohol oder eine andere Substanz zu konsumieren, verbunden mit verminderter Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums. Kennzeichnend ist ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, ebenso eine Toleranzentwicklung bezüglich der konsumierten Substanz.

Ursache

Zugrunde liegt eine Fehlsteuerung verschiedener Botenstoffe im Gehirn. Die Suchtmittel verändern die Verschaltung und die Reaktionsweisen im Belohnungssystem des Gehirns. Bleiben die vom Suchtmittel ausgelösten Reize aus, entsteht ein unkontrollierbares Verlangen nach der Substanz, das die freie Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt. Da der Körper die Suchtmittel mit der Zeit beschleunigt abbaut, entwickelt sich eine abgeschwächte Wirkung, die als Toleranz bezeichnet wird. Daraus erklärt sich die charakteristische Dosissteigerung bei einer Suchterkrankung.

Behandlungsangebot

Unser Behandlungsangebot richtet sich an Patientinnen und Patienten, die an einer Alkohol-, Drogen- und/oder Medikamentenabhängigkeit leiden, mit Ausnahme von Heroin oder anderen Drogen, die intravenös zugeführt werden. Eine Methadon-Substitution können wir leider nicht anbieten. Die Therapie basiert jeweils auf der Grundlage der S3-Leitlinien, die standardisierte und bewährte Therapiekonzepte vorhalten.

Auf unserer Schwerpunktstation 4-West, in der angegliederten Spezialambulanz sowie im ambulanten nachstationären Programm bieten wir alle Voraussetzungen, um einen qualifizierten Entzug durchzuführen. Ziel jeder Therapie ist der völlige Verzicht auf den Suchtstoff.

Die Aufnahme erfolgt nach einem Vorgespräch, das Sie selbst unter Telefon +49 931 201-76300 mit uns vereinbaren müssen.

Entzug

Nach einer umfassenden körperlichen Untersuchung und der genauen Analyse des Suchtproblems sowie eventueller anderer psychischer Erkrankungen wird ein individuelles Therapiekonzept erstellt.

Der Entzug gliedert sich in drei Phasen und dauert etwa drei Wochen:

Entgiftung

Beim Absetzen substanzieller Suchtmittel wie Medikamente, Alkohol oder Drogen kann es teils zu starken körperlichen Entzugssymptomen kommen. Dem Körper wird das Suchtmittel entzogen, er wird entgiftet. Diese akute Phase dauert zwischen einem Tag und einer Woche und sollte unter ärztlicher Aufsicht in einem Psychiatrischen oder Internistischen Krankenhaus erfolgen. Die Symptomatik lässt sich mit Medikamenten mildern. Die Entgiftung wird immer stationär durchgeführt.

Entwöhnung

Bereits während der Entgiftungsphase werden unterstützende psychotherapeutische und sozialpädagogische Behandlungen angesetzt. Diese umfassen zum Beispiel:

Die therapeutischen und zeitlichen Übergänge zwischen Entgiftung und Entwöhnung sind fließend. Beide sind Bestandteile eines qualifizierten Entzugs, der 14 Tage dauert und meist stationär erfolgt.

Rückfallprävention

Der körperlich-psychische Entzug mit ängstlicher Verstimmung, Reizbarkeit und Schlafrhythmusstörungen ohne stützende Struktur und intensive therapeutische Betreuung ist die rückfallgefährlichste Zeit. Ist diese Phase jedoch überstanden, rückt die aktive Zukunftsplanung mehr und mehr in den Vordergrund mit:

  • motivierender Gesprächsführung, die Strategien zur Rückfallverhütung vermittelt
  • Verhaltenstherapie
  • Expositionstraining, bei dem die Ablehnung des Suchtmittels in Gesellschaft oder in bestimmten Situationen im Vordergrund steht
  • individueller Zukunftsplanung
  • eigenständig geplanter Freizeitgestaltung
  • Behandlung zusätzlicher psychischer Erkrankungen, die gemeinsam oder im Zusammenhang mit der Suchterkrankung auftreten

Für die therapeutische Rückfallprävention und Zukunftsplanung sind sieben Tage auf Station vorgesehen.

Für Frauen gibt es ein spezielles Angebot in einer eigenen Gruppe.

Nachsorge

Im Anschluss an einen Alkoholentzug bieten wir ein spezielles Nachsorgeprogramm an, das sich bis zu einem Jahr erstrecken kann. Dieses ambulante Stützprogramm umfasst einen wöchentlichen Besuch der Integrationsgruppe sowie regelmäßige Blut- und Atemalkoholkontrollen. Außerdem arbeiten wir eng mit den Selbsthilfegruppen und Suchtberatungsstellen im Raum Würzburg zusammen, wie etwa den Anonymen Alkoholikern (AA), dem Blauen Kreuz oder der Caritas.

Ansprechpartner

PD Dr. med. Dipl. chem.
Thomas Polak

Oberarzt

+49 931 201-77870

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Öffnungszeiten:

Telefon:

Poliklinik:
+49 931 201-77800

Anmeldung von Patienten (stationär):
+49 931 201 76050

Direktor: Prof. Dr. Jürgen Deckert

Sekretariat:
+49 931 201-77010

E-Mail:
Sekretariat:
PS_Sekr@ ukw.de

Prof. Dr. Jürgen Deckert
Deckert_J@ ukw.de

Fax:
+49 931 201-77020


Anschrift:

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums | Margarete-Höppel-Platz 1 | 97080 Würzburg | Deutschland