Therapie mit Psychopharmaka

Die Behandlung psychischer Erkrankungen mit Medikamenten stellt neben der Psychotherapie und den Spezialtherapien einen der drei Hauptbausteine dar und ist Bestandteil einer leitlinienorientierten Behandlung der meisten psychischen Erkrankungen. Dabei werden je nach Bedarf Medikamente aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen eingesetzt.

Psychopharmaka

Substanzen, die bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen und so die psychische Verfassung verändern, werden als Psychopharmaka bezeichnet. Die Inhaltsstoffe des Medikaments wirken entweder direkt oder indirekt über ihre Stoffwechselprodukte im Körper. Psychopharmaka spielen in der Therapie auch deshalb eine wichtige Rolle, weil oft die Entfaltung ihrer Wirkung die Basis für eine begleitende psychotherapeutische Therapie darstellt.

Substanzgruppen

Die Psychopharmaka lassen sich in der Regel in verschiedene Substanzgruppen einteilen:

Antidepressiva

Antidepressiva stellt eine Gruppe von Medikamenten dar, welche die Stimmungslage bei Depressionen aufhellen und Schlaf und Antrieb normalisieren. Auch körperliche Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen oder Verdauungsbeschwerden werden durch die Einnahme oft gelindert. Die Wirkung beruht meist auf der Beeinflussung der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn, welche die Nervenimpulse von einer Nervenzelle zur anderen weitergeben und deren Stoffwechsel bei einer Depression gestört ist. Durch ein Antidepressivum wird die Konzentration und die Wirkungsdauer der körpereigenen Botenstoffe gesteigert.

Antidepressiva führen auch bei längerer Einnahme zu keiner Abhängigkeit!

Antidementiva

Zur Verbesserung der Gehirnleistung und zur Verzögerung des geistigen Abbaus werden sogenannte Antidementiva eingesetzt. Wenngleich sie den degenerativen Prozess, insbesondere eine Altersdemenz nicht aufhalten können, so steigern sie dennoch vorübergehend die Gedächtnisfunktion und verbessern die Konzentrations-, Lern- und Denkfähigkeit.

Die Wirkstoffe beeinflussen vor allem den Stoffwechsel der körpereigenen Botenstoffe Acetylcholin und Glutamat im Gehirn. Die Konzentration des Acetylcholins wird erhöht, indem sein Abbau verhindert wird. Die Wirkung des körpereigenen Glutamats dagegen wird abgeschwächt, indem seine Bindungsfähigkeit und damit seine Erregungsweiterleitung an den Nervenenden reduziert werden.

Antidementiva führen auch bei längerer Einnahme zu keiner Abhängigkeit!

Antipsychotika

Die Wirkung der Antipsychotika, die früher auch als Neuroleptika bezeichnet wurden, findet vorwiegend Anwendung bei Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Speziell bei Schizophrenien gelten sie als Mittel der ersten Wahl.

Die klassischen Antipsychotika hemmen den körpereigenen Botenstoff Dopamin im Gehirn und reduzieren dadurch selektiv die Informationsweiterleitung der Nervenzellen, die Dopamin als Impulsgeber benötigen. Modernere Antipsychotika beeinflussen verschiedene weitere Botenstoffe, wie etwa das Serotonin. Durch die Einnahme lassen sich Denkprozesse strukturieren und die Wahrnehmung ordnen.

Antipsychotika führen auch bei längerer Einnahme zu keiner Abhängigkeit! Allerdings können unerwünschte Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Irritationen in den Bewegungsabläufen und motorische Unruhe auftreten.

Anxiolytika

Die angstlösenden Mittel, Hypnotika und schlafanstoßenden Medikamente setzt man heute vor allem begleitend bei Depressionen oder Psychoseerkrankungen ein. Aufgrund der beruhigenden Wirkung werden sie auch als Tranquilizer oder Sedativa bezeichnet. Da sie das Einschlafen fördern, werden sie teilweise auch als Schlafmittel verwendet.

Ihre Wirkung entfalten sie, indem sie die Signalübertragung der Nervenzellen im Gehirn steigern, die von der sogenannten Gamma-Aminobuttersäure (GABA) stimuliert werden. Dieser körpereigene Botenstoff wirkt hemmend im Gehirn und senkt das Reaktionsvermögen. Entspannungsprozesse werden eingeleitet und Erregungszustände gemildert.

Zu den bekanntesten Medikamenten zählen die Benzodiazepine Lorazepam und Diazepam, die jedoch zu einer Abhängigkeit führen können. Benzodiazepine werden daher nur vorübergehend eingesetzt.

Psychostimulanzien

Das wohl bekannteste medikamentöse Psychostimulans ist Methylphenidat. Es wird vor allem beim Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) angewendet.

In seiner anregenden Wirkung beeinflusst es die körpereigenen Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, deren Konzentration es steigert, indem es den Abbau verhindert.

Durch die angenehme Wirkung des Dopamins besteht die Gefahr eines schädlichen Gebrauchs und der Einnahme auch ohne Indikation.

Stimmungsstabilisierer / Phasenprophylaktika

Zur Vermeidung von Rückfällen, aber auch zur Akutbehandlung bei Depressionen oder bipolar-affektiven Erkrankungen werden bestimmte Medikamente längerfristig gegeben. Der gängigste Wirkstoff ist Lithium. Obwohl dessen Wirkungsweise noch nicht hinreichend erforscht ist, beeinflusst er jedoch den Krankheitsverlauf nachweislich gut. Außerdem werden zur Stimmungsstabilisierung Antikonvulsiva – krampflösende Mittel, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie zugelassen wurden – und häufig auch Antipsychotika eingesetzt.

Stimmungsstabilisierer führen auch bei längerer Einnahme zu keiner Abhängigkeit!

Dosierung

Wie alle Medikamente haben auch Psychopharmaka Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Deshalb ist die Einnahme nur unter ärztlicher Kontrolle möglich. In Abhängigkeit von Wirksamkeit und Verträglichkeit wird die optimale Dosis individuell ermittelt, indem in der Regel einschleichend aufdosiert wird. Bei manchen Substanzgruppen kommt es gerade in der Eindosierungsphase vorübergehend zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen, noch bevor die gewünschte Heilwirkung eintritt. Deshalb ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Betroffenen und der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt wichtig.

Therapeutisches Drug Monitoring

Zur Optimierung der Psychopharmakotherapie wird in unserem Haus standardmäßig ein Therapeutisches Drug Monitoring durchgeführt. Durch die regelmäßige Bestimmung der Wirkstoffkonzentration im Blut lässt sich so eine Über- oder Unterdosierung vermeiden und die individuell beste Einnahmemenge als Erhaltungsdosis festlegen.

Wie lange dauert die Einnahme?

Manche Medikamente helfen über eine psychische Krise hinweg und können nach einer kurzen Phase wieder ausschleichend abgesetzt werden. Andere Medikamente müssen lebenslang eingenommen werden, um Rückfälle zu vermeiden. Wichtig ist es grundsätzlich, die Vor- und Nachteile einer Psychopharmaka-Behandlung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abzuwägen und eine gemeinsame Entscheidung zu treffen.

 

 

 

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