Aktuelle Meldungen

7.000 Euro für die Elterninitiative Regenbogen

Langjährige Verbundenheit kommt krebskranken Kindern zugute

Gruppenfoto vor einem Aufsteller der Elterninitiative Regenbogen. Eine Frau hält Geld in der Hand.
Martin und Stefanie Fischer, Monika Demmich (Elterninitiative Regenbogen), Ingrid Fischer (von links). Foto: Denise Lampert

Würzburg/Unterwaldbehrungen. Im Gedenken an Hubert Fischer ist eine Spende von 7.000 Euro für die Elterninitiative Regenbogen Würzburg e.V. zusammengekommen. Der langjährige Tünchermeister aus der Rhön und ehemalige Seniorchef des Malerbetriebs Maler Fischer in Bastheim-Unterwaldbehrungen verstarb im Mai 2026 im Alter von 88 Jahren.

Auf Wunsch der Familie wurde anstelle von Blumen und Kränzen um Spenden für die Elterninitiative Regenbogen gebeten. Durch die große Spendenbereitschaft der Trauergäste sowie das Engagement seiner Frau Ingrid Fischer und des Malerbetriebs Fischer kam die Spendensumme von 7.000 Euro zusammen.

Familie Fischer und ihr Betrieb sind der Elterninitiative seit vielen Jahren verbunden. Bereits 2010 überreichte Maler Fischer 100 Geschenke anlässlich des 100-jährigen Betriebsjubiläums an die Kinder auf den onkologischen Stationen der Universitäts-Kinderklinik und unterstützte den Verein mit einer Spende. Ein Jahr später folgte eine weitere Aktion, hierbei wurden Kochschürzen für die Koch- und Backnachmittage auf den Stationen übergeben. Diese gehören bis heute zum pädagogischen Angebot, gemeinsam mit den Erziehern bereiten die Kinder dabei ihre Wunschgerichte zu und erleben für einige Stunden einen möglichst unbeschwerten Klinikalltag.

Auch die aktuelle Spende kommt unmittelbar den Kindern und ihren Familien zugute. Die Elterninitiative Regenbogen wird damit Angebote finanzieren, die den Alltag auf den drei kinderonkologischen Stationen der Universitäts-Kinderklinik bereichern. Dazu zählen unter anderem die Sport- und Musiktherapie sowie die regelmäßigen Besuche der Klinikclowns. Sie schaffen Momente der Abwechslung und unterstützen die Kinder während ihrer oft langen Behandlungszeit.

Seit mehr als 40 Jahren begleitet die Elterninitiative Regenbogen Würzburg e.V. Familien mit krebskranken Kindern und Jugendlichen und unterstützt die Versorgung auf den Stationen mit zusätzlichen Angeboten, die über die medizinische Behandlung hinausgehen.

Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich bei Ingrid Fischer, der Firma Maler Fischer und allen Trauergästen für ihre großzügige Unterstützung und die langjährige Verbundenheit.

 

Pressemitteilung von Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.

Gruppenfoto vor einem Aufsteller der Elterninitiative Regenbogen. Eine Frau hält Geld in der Hand.
Martin und Stefanie Fischer, Monika Demmich (Elterninitiative Regenbogen), Ingrid Fischer (von links). Foto: Denise Lampert

Zwei Jahre Geschwisterclub in Würzburg

Gesundheitsamt und Elterninitiative Regenbogen ziehen Bilanz.

 

Gruppenfoto der Projektbeteiligten, welche Blumensträuße und Bilderrahmen halten.
Die Projektbeteiligten Heidrun Grauer, Dr. Lisa Schubert, Annegret Schreyer, Dr. Nicole Eberbach, Thomas Eberth, Wibke Schmidt, Prof. Dr. Matthias Eyrich und Monika Demmich (von links). Foto: Nadine Kempa

Würzburg. Vor rund zwei Jahren riefen die Uniklinik Würzburg, das Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Würzburg sowie die Elterninitiative Regenbogen e.V. gemeinsam das Projekt „Geschwisterclub“ ins Leben.

Im Mittelpunkt stehen Geschwister krebskranker Kinder ab sechs Jahren. Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, betrifft das die gesamte Familie. Auch die Geschwister stehen vor besonderen Herausforderungen und erleben häufig belastende Situationen.

Der Geschwisterclub orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Kinder. Er bietet Raum für den Austausch mit anderen betroffenen Geschwistern, unterstützt sie im Umgang mit belastenden Situationen und stärkt sie darin, ihre eigenen Ressourcen zu entdecken. Die Angebote sind auf unterschiedliche Altersgruppen und Bedürfnisse abgestimmt.

In den vergangenen zwei Jahren entwickelten Annegret Schreyer (Uni-Kinderklinik) und Wibke Schmidt (Gesundheitsamt) ein vielseitiges Programm. Dazu gehörten kreative und spielerische Nachmittage ebenso wie der Geschwistertreff mit einem mehrteiligen Workshop, bei dem die Kinder über mehrere Termine hinweg gezielt pädagogisch begleitet wurden.

Am vergangenen Sonntag zogen Landrat Thomas Eberth sowie Vertreter der Elterninitiative Regenbogen, des Gesundheitsamtes und der Uni-Kinderklinik Bilanz über das Projekt. Dank des Geschwisterclubs konnten viele Kinder individuell begleitet und gefördert werden und auch bei den betroffenen Familien war die Resonanz durchweg positiv.

Nach zwei erfolgreichen Jahren, in denen das Projekt auch von den gesetzlichen Krankenkassen gefördert wurde, fand am Sonntag die Jubiläumsfeier statt.

Der Geschwisterclub hat sich in dieser Zeit als fester und unverzichtbarer Bestandteil des Angebots der Elterninitiative Regenbogen etabliert. Der Verein hat daher beschlossen, den Geschwisterclub auch künftig fortzuführen und aus Spendengeldern zu finanzieren.


Pressemitteilung von Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.

Gruppenfoto der Projektbeteiligten, welche Blumensträuße und Bilderrahmen halten.
Die Projektbeteiligten Heidrun Grauer, Dr. Lisa Schubert, Annegret Schreyer, Dr. Nicole Eberbach, Thomas Eberth, Wibke Schmidt, Prof. Dr. Matthias Eyrich und Monika Demmich (von links). Foto: Nadine Kempa

Studie stellt Nutzen von Schutzkitteln auf Neonatologien infrage

BALTIC-Studie mit knapp 10.000 Früh- und Neugeborenen zeigt: Konsequente Händedesinfektion schützt vor schweren Infektionen ebenso wirksam wie zusätzliche Schutzkleidung

Collage zeigt wie Christoph Härtel in weißem Kittel den Deinfektionsmittelspender bedient und rechts wie er Schutzkleidung und Handschuhe trägt.
Der Einsatz von Schutzkleidung benötigt eine Indikation für besondere Situationen. In der Routineversorgung belastet der ungezielte Einsatz nicht nur Umwelt und Geldbeutel, sondern beeinflusst auch den Kontakt zum Kind sowie die Händehygiene. Die von Christoph Härtel geleitete BALTIC-Studie zeigt nun, dass eine konsequente Händedesinfektion Früh- und Neugeborene vor schweren Infektionen ebenso wirksam schützt wie zusätzliche Schutzkleidung. © Kirstin Linkamp / UKW

Eine große deutsche Studie mit fast 10.000 Neugeborenen auf Intensivstationen zeigt: Eine sorgfältige Händedesinfektion des Personals schützt gefährdete Babys genauso gut vor bestimmten Krankenhausinfektionen wie zusätzliche Schutzmaßnahmen mit Kitteln und Handschuhen. Untersucht wurden Früh- und Neugeborene, die mit antibiotikaresistenten gramnegativen Bakterien besiedelt waren. Solche Keime gelten in Kliniken als besonders problematisch, weil sie gegen wichtige Antibiotika unempfindlich sein können.

Lübeck/Würzburg. Dank der Fortschritte in der Früh- und Neugeborenenmedizin überleben heute deutlich mehr sehr kleine Frühgeborene und Neugeborene mit schweren Erkrankungen. Gleichzeitig sind diese Kinder auf Intensivstationen besonders anfällig für Infektionen, da ihr Immunsystem noch unreif ist und sie häufig invasive Behandlungen wie Katheter oder Beatmung benötigen. Besonders gefährlich sind Blutvergiftungen (Sepsis), die durch antibiotikaresistente gramnegative Bakterien verursacht werden und schwere sowie langfristige Folgen haben können.

Zur Infektionsvermeidung werden in vielen Kliniken neben der Händedesinfektion zusätzliche Maßnahmen wie Schutzkleidung und Handschuhe eingesetzt – insbesondere, wenn die Neugeborenen mit bestimmten resistenten Bakterien besiedelt sind. Ob diese sogenannten erweiterten Barrieremaßnahmen einen klaren Vorteil gegenüber konsequenter Händehygiene bieten, war jedoch bislang wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Diese Wissenslücke hat ein Studienteam unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Härtel, dem Direktor der Kinderklinik am Uniklinikum Würzburg, nun geschlossen. 

Hoher Aufwand für erweiterte Schutzmaßnahmen

„Wir wollten wissen, ob eine konsequente Händedesinfektion allein genauso wirksam ist wie eine Kombination aus Händedesinfektion, Schutzkittel und Einmalhandschuhen“, erläutert Christoph Härtel. Anlass für die Studie war die Frage, ob der erhebliche Aufwand der erweiterten Barrieremaßnahmen durch einen nachweisbaren zusätzlichen Nutzen gerechtfertigt ist. Neben den Kosten und dem Zeitaufwand spielt dabei auch die Umweltbelastung durch große Mengen an Einwegmaterialien eine Rolle. „Die Schutzkleidung kann den direkten Kontakt zum Kind verringern, ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln und möglicherweise sogar die Qualität der Händedesinfektion beeinträchtigen“, zählt Härtel die Nachteile auf.

In der BALTIC-Studie (Barrier Protection to Lower Transmission and Infection Rates With Gram-Negative Bacteria in Preterm Children) wurden die Schutzbarrieren zur Senkung von Übertragung und Infektionsraten bei Frühgeborenen mit gramnegativen Bakterien auf zwölf neonatologischen Intensivstationen der Maximalversorgung in einer über einen Zeitraum von 24 Monaten laufenden, cluster-randomisierten, kontrollierten Studie (RCT, Randomized Controlled Trial) im Crossover-Ansatz untersucht. 

Professorin Inke König, verantwortliche Biometrikerin der Studie und Institutsdirektorin für Medizinische Biometrie und Statistik an der Universität Lübeck (IMBS) erläutert: „Der Cluster-RCT ist ein gut geeignetes Studiendesign für Hygienefragestellungen, da Hygienemaßnahmen naturgemäß kollektiv auf der Station wirken und sich nicht präzise auf einzelne Personen begrenzen.“ In jeder Klinik galt somit jeweils ein Jahr lang die übliche Praxis mit Kitteln, Handschuhen und Händedesinfektion, im weiteren Jahr stand die konsequente Händedesinfektion im Mittelpunkt. 

Vergleichbare Infektionsraten in beiden Gruppen

Konkret analysierten die Forschenden die klinischen Verläufe von fast 10.000 Neugeborenen mit einem hohen Risiko für Infektionen durch gramnegative Bakterien, die gegen Cephalosporine der dritten Generation resistent sind. Davon war etwa jedes zehnte Kind tatsächlich mit diesen Bakterien besiedelt. Das Ergebnis: Schwere Blutinfektionen traten in beiden Gruppen gleich selten auf. Auch die Weiterverbreitung der Keime unterschied sich nicht wesentlich. Das Studienteam sieht darin einen Hinweis, dass eine konsequent durchgeführte Händehygiene der entscheidende Faktor im Infektionsschutz ist. Auf zusätzliche Schutzkleidung könnte bei der Routineversorgung bestimmter Kinder verzichtet werden.

Sorgfältige Händedesinfektion bleibt weiterhin unverzichtbar

Dies hätte mehrere Vorteile: Pflegekräfte könnten flexibler arbeiten, der Materialverbrauch würde reduziert und Ressourcen könnten gezielter dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen. „Schutzkleidung sollte nach diesen Erkenntnissen nur eingesetzt werden, wenn ein klarer medizinischer Nutzen nachgewiesen ist“, resümiert Christoph Härtel. „Eine sorgfältige Händedesinfektion bleibt aber weiterhin unverzichtbar. Gerade auf Intensivstationen für Früh- und Neugeborene gehört sie zu den wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor Krankenhausinfektionen.“ 

Evidenzbasierte Infektionsprävention stärken

„Insgesamt sprechen die Ergebnisse der BALTIC-Studie dafür, künftig stärker auf gezielte und wissenschaftlich belegte Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle zu setzen. Dadurch könnten personelle und materielle Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen entfalten“, fasst Dr. Kirstin Barbara Faust, Oberärztin in der Neonatologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKSH, Campus Lübeck, und Erstautorin der Studie, die Ergebnisse zusammen.

Die Studie wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bzw. dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der DAMP-Stiftung. 

Publikation: Faust K, Strecker F, Haug C, et al. Extended Barrier Precautions vs Hand Hygiene Alone and Neonatal Sepsis in Intensive Care Patients: The BALTIC Cluster-Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026;9(5):e2612759. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.12759

Hier geht es zum Interview mit Christoph Härtel zur BALTIC-Studie. Darin erklärt der Klinikdirektor, wie sich die Risiken bei Früh- und Neugeborenen unterscheiden, warum Schutzkleidung in die Leitlinien aufgenommen wurde, welche Auswirkungen diese auf die Psyche, aber auch auf die Qualität der Händedesinfektion hat und warum die BALTIC-Studie für ein Aufatmen sorgt. Zudem gibt er einen Ausblick auf die nächsten Forschungsschritte: Mit seinem Team möchte er das Screening auf Erreger verbessern. Schlussendlich schildert er noch einmal, warum die Händedesinfektion auch beim Tragen der Schutzkleidung wichtig ist, wie sie korrekt ausgeführt wird und vor allem, wann man sich die Hände desinfizieren sollte.

Collage zeigt wie Christoph Härtel in weißem Kittel den Deinfektionsmittelspender bedient und rechts wie er Schutzkleidung und Handschuhe trägt.
Der Einsatz von Schutzkleidung benötigt eine Indikation für besondere Situationen. In der Routineversorgung belastet der ungezielte Einsatz nicht nur Umwelt und Geldbeutel, sondern beeinflusst auch den Kontakt zum Kind sowie die Händehygiene. Die von Christoph Härtel geleitete BALTIC-Studie zeigt nun, dass eine konsequente Händedesinfektion Früh- und Neugeborene vor schweren Infektionen ebenso wirksam schützt wie zusätzliche Schutzkleidung. © Kirstin Linkamp / UKW

Interview mit Prof. Dr. Christoph Härtel zur BALTIC-Studie

Christoph Härtel erläutert unter anderem, warum Schutzkleidung überhaupt in die Leitlinien aufgenommen wurde, welche Auswirkungen diese auf die Psyche, aber auch auf die Qualität der Händedesinfektion hat und warum die BALTIC-Studie für ein Aufatmen sorgt.

Prof. Dr. Christoph Härtel initiierte die BALTIC-Studie noch während seiner Zeit in Lübeck. Bis zu seinem Wechsel nach Würzburg im Mai 2020 leitete er dort den Bereich Infektiologie, Immunologie und Rheumatologie in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Diese Forschungsschwerpunkte baut er als Direktor der Kinderklinik am Universitätsklinikum Würzburg sukzessive aus – sowohl im Rahmen überregionaler Forschungsnetzwerke als auch auf dem Würzburger Campus. Hier bilden die Immunologie und Infektiologie ausgewiesene Kernbereiche in Klinik und Forschung. Dabei ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit ein wichtiger Katalysator. 

So wirkte auch Prof. Dr. Stefanie Kampmeier an der BALTIC-Studie mit. Die Professorin für Krankenhaushygiene leitet die Zentrale Einrichtung für Krankenhaushygiene und Antimicrobial Stewardship am UKW. Sie ist zudem Sektionssprecherin des Bayerischen Surveillancezentrums (BaySurv) des Bayerischen Zentrums für Präventive Infektionsmedizin (BZI) sowie Co-Sprecherin des NUM-Fachnetzwerkes Infektionen (SNID). Im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) hat sie gerade die neue Studie PREVENT initiiert. In dieser Studie wird unter anderem an 22 Universitätskliniken untersucht, welche Hygienemaßnahmen am besten vor Krankenhauskeimen schützen. 

Prof. Härtel, sind die Hygienemaßnahmen bei Erwachsenen und Neugeborenen vergleichbar? 

Die Hygienemaßnahmen haben unabhängig von der Altersgruppe das Ziel, Übertragungen von Erregern zu übertragen. Für das Anziehen der Schutzkleidung im Vergleich zur Bedeutung der Händedesinfektion gibt es nur unzureichende Evidenz. Es bedeutet immer einen zusätzlichen Arbeitsschritt für alle Klinken und Berufsgruppen, die mit Schutzkleidung arbeiten müssen. Für jeden neuen Kontakt wird neue Schutzkleidung benötigt wird. Dieses kostet Zeit, verursacht Kosten und bedeutet die Belastung für die Umwelt durch die immensen Müllberge. 

Welche Auswirkungen hat Schutzkleidung auf die Psyche? 

Zum einen kann sich durch den Aufwand die Kontaktzeit zu Patientinnen und Patienten verringern. Zum anderen macht es auch etwas mit den Eltern, wie wir immer wieder beobachten. Da es keine eindeutige Studienlage gibt, kann ich nur aus Erfahrung sprechen. Stellen Sie sich vor, in dem Behandlungszimmer der Intensivstation liegen vier Kinder. Ihr Kind ist das einzige, das mit Schutzkleidung versorgt wird. Diese Hygienebarriere wird dann auch zur psychologischen Barriere. Die Eltern fühlen sich schlecht, weil sie vielleicht denken, sie oder ihr Kind hätten „Schmutz“ auf die Station gebracht, das kann stigmatisieren. Einige haben Hemmungen, ihr eigenes Kind zu berühren. Dabei ist das sogenannte Bonding so wichtig für die Beziehung und die Gesundheit des Kindes. 

Hat die Studie jetzt für ein Aufatmen gesorgt? 

Definitiv. Wir können die Schutzkittel und Handschuhe in der Routineversorgung nun abschaffen, sie bleiben nur noch Sondersituationen in Rücksprache mit der Hygiene vorbehalten. Zudem müssen die Leitlinien überarbeitet werden. Denn erstmals zeigen wir, dass eine konsequente Händedesinfektion vor schweren Infektionen ebenso wirksam schützt wie zusätzliche Schutzkleidung. 

Es gab bereits zuvor keine Evidenz für den Nutzen von Handschuhen und Schutzkitteln. Wie kam diese zusätzliche Schutzmaßnahme dann überhaupt in die Leitlinie? 

Die Empfehlung für Handschuhe und Schutzkittel in der Neonatologie entstand nach Ausbrüchen multiresistenter Erreger auf Neugeborenenintensivstationen in Deutschland in den frühen 2010er-Jahren - obwohl die Evidenz damals begrenzt war und bereits bekannt war, dass das Risiko schwerer Infektionen bei Frühgeborenen vor allem durch die Unreife ihres Immunsystems bestimmt wird. Gleichzeitig können strukturelle Faktoren wie Personalmangel oder eine hohe Auslastung die Einhaltung von Hygienestandards erschweren und das Infektionsrisiko erhöhen.

Zum Risiko: In der BALTIC-Studie wurden Hygienemaßnahmen in zwölf Kinderkliniken mit insgesamt 10.000 Neugeborenen untersucht. Auf den neonatologischen Intensivstationen liegen sowohl Reifgeborene als auch Frühgeborene. Wie unterscheidet sich das Risiko bei diesen beiden Gruppen? 

Die Grundanfälligkeit von Frühgeborenen basiert eindeutig auf ihrer Unreife, d. h. ihrer noch sehr zarten Haut und Schleimhaut bzw. dem wenig trainierten Immunsystem.  Bei einem reif geborenen Kind kommt es auf die Ursache an, warum es eine intensivmedizinische Behandlung benötigt. Hat es beispielsweise eine Bauch-OP hinter sich, ist das Infektionsrisiko aufgrund der offenen Wunde mindestens genauso hoch wie bei einem Frühgeborenen, das nebenan im Inkubator oder Wärmebettchen liegt. 

Im Fazit der Publikation heißt es, dass Maßnahmen zur Infektionsprävention noch gezielter eingesetzt werden sollten. Was bedeutet das? 

Dass wir zum Beispiel die Schutzkleidung nicht mehr routinemäßig, sondern nur bei einer Häufung eines bestimmten Erregers einsetzen sollten. Infektionsprävention ist schließlich nur ein wichtiger Teilaspekt der Behandlung. Andere Aspekte sind beispielsweise die entwicklungsfördernde Pflege. Hygienebarrieren sollten den Eltern den Zugang zu ihrem Kind nicht erschweren. Zudem sollten wir das Screening auf bestimmte Erreger verbessern und überdenken. Denn wenn ein besiedeltes Frühgeborenes eine Infektion bekommt, dann wurde diese Infektion eher selten durch den Keim übertragen, dessentwegen aufgrund eines Screening-Befundes Handschuhe und Kittel getragen werden. Es sind meistens andere Erreger.

Sie planen bereits eine Folgestudie, in der sie das Screening auf diese Erreger überprüfen wollen. Wie läuft das Screening aktuell ab? Was kann verbessert werden?

Derzeit werden alle Kinder auf der neonatologischen Intensivstation einmal pro Woche auf Erreger getestet. Dazu werden ein Rachenabstrich und eine Stuhlprobe analysiert. Basierend auf dem Ergebnis entscheiden die Stationsärztinnen und -ärzte über das weitere Vorgehen. In unserer Studie soll das Ergebnis in der Mikrobiologie bleiben. Die Station wird nur bei einer Ausbruchsituation informiert, nicht mehr in Einzelfällen. Hintergrund ist, dass seit der Einführung des Screenings vor rund 14 Jahren in Deutschland der Verbrauch an Reserve-Antibiotika zugenommen hat, ohne dass dadurch die Infektionsrate von Frühgeborenen reduziert werden konnte

Und Antibiotika sind Fluch und Segen zugleich. 

Richtig. Einerseits sind Antibiotika in der Therapie schwerer Infektionen essentiell. Andererseits ist bekannt, dass Antibiotika – insbesondere bei früher und häufiger Anwendung – unerwünschte Auswirkungen haben können, etwa auf die Entwicklung des Mikrobioms. Zudem werden Zusammenhänge mit langfristigen gesundheitlichen Folgen wie Veränderungen des Stoffwechsels, erhöhter Gewichtszunahme oder einem erhöhten Risiko für allergische Erkrankungen und Asthma diskutiert.

Zum Abschluss noch einmal das Thema Händedesinfektion. In der Studie schreiben Sie, dass Schutzkleidung ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln kann und die Qualität der Händedesinfektion möglicherweise sogar beeinträchtigt.

Ja, auch wer Schutzkleidung trägt, muss sich gründlich die Hände desinfizieren.  Wer jedoch Kittel und Handschuhe anlegt, wird hier bisweilen nachlässiger. Zudem müssen die Hände nach der Desinfektion und vor dem Anziehen der Handschuhe gut trocknen. In einer Akut-Situation, wenn ich schnell zum Kind muss, fehlt dafür unter Umständen die Zeit. 

Warum ist die Händedesinfektion trotz Schutzkleidung wichtig? 

Schon das Anziehen der Handschuhe ist problematisch, da dabei automatisch Kontakt mit den Außenflächen der Handschuhe entsteht und diese kontaminiert werden können. Außerdem sind die üblichen Einmaluntersuchungshandschuhe nicht steril und teilweise durchlässig. Das Ausziehen der Handschuhe gelingt darüber hinaus meist nicht kontaminationsfrei, sodass nur eine anschließende Händedesinfektion eine Keimreduktion garantieren kann.

Wie desinfiziere ich meine Hände korrekt? 

Die Händedesinfektion erfolgt mit Ethanol- oder Isopropanolhaltigen Desinfektionsmitteln und sollte je nach Einwirkzeit 15 bis 30 Sekunden dauern. Dabei muss ausreichend Desinfektionsmittel – 3 Milliliter – verwendet werden, sodass alle Bereiche der Hände vollständig benetzt werden können: Handflächen, Handrücken, Daumen und Finger - auch die Fingerspitzen, Fingernägel und Fingerzwischenräume. Mit Schwarzlicht und fluoreszierenden Testsubstanzen lässt sich überprüfen, ob alle Bereiche der Hände ausreichend erfasst wurden. Häufige Benetzungslücken sind vor allem der Daumen, der Nagelfalz und die Fingerzwischenräume. 

Und wann sollten die Hände desinfiziert werden?

Die Momente in denen die Händedesinfektion durchgeführt werden sollte, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO mit „5 Moments for hand hygiene“ konkret definiert: Vor dem Patientenkontakt, nach dem Patientenkontakt, nach dem Kontakt zur Patientenumgebung, vor aseptischen Tätigkeiten und nach dem Kontakt zu potenziell infektiösen Materialien.

Das Interview führte Kirstin Linkamp / Wissenschaftskommunikation am UKW

Hier geht es zur Pressemeldung zur BALTIC-Studie und hier zur Studie. 

Wenn eine Klassenfahrt zum großen Wunsch wird

KiKA und ZDF hat die junge Patientin Jana unserer Kinderklinik begleitet

Für viele Kinder ist eine Klassenfahrt ein wichtiger und selbstverständlicher Teil der Schulzeit. Für Jana ist sie etwas ganz Besonderes: ein großer Wunsch, verbunden mit Hoffnung, Vorfreude und der Frage, ob ihre Gesundheit es zulässt.

Die 13-jährige Jana lebt mit einer seltenen Blutkrankheit und ist regelmäßig auf Bluttransfusionen angewiesen. In einem einfühlsamen Beitrag begleiten KiKA und ZDF sie in ihrem Alltag: zwischen Klinikterminen, Familie, Freundinnen und Freunden und dem Wunsch, bei der Klassenfahrt dabei sein zu können.

Der Film zeigt auf berührende Weise, was es bedeutet, wenn eine Erkrankung das Leben eines Kindes mitbestimmt und wie viel Kraft, Mut und Lebensfreude junge Patientinnen und Patienten dennoch entwickeln. Janas Geschichte macht sichtbar, was viele Familien in ähnlichen Situationen täglich erleben: medizinische Behandlungen, Unsicherheit, Einschränkungen aber auch Hoffnung, Zusammenhalt und den Wunsch nach Normalität.

Wir freuen uns sehr über diesen sensiblen Beitrag, der einen Einblick in den hämatologisch-onkologischen Bereich unserer Kinderklinik gibt und zeitgleich zeigt, wie wichtig eine verlässliche medizinische Begleitung für Kinder und Jugendliche mit schweren Erkrankungen ist.

Das 15-minütige Video ist ab sofort in der ZDF-Mediathek verfügbar unter folgendem Link.

Baskets und s.Oliver unterstützen Regenbogen

Spende stärkt Angebote für Familien krebskranker Kinder

Scheckübergabe
Scheckübergabe zugunsten der Elterninitiative Regenbogen: Jana Lorenz-Eck, Thomas Lurz und Konstantin Zeuch mit dem Spendenscheck über 10.000 Euro. Foto: Viktor Meshko

Würzburg, 03.06.2026 – Über eine Spende in Höhe von 10.000 Euro durfte sich die Elterninitiative Regenbogen e.V. freuen. Gemeinsam mit s.Oliver, langjähriger Partner der Fitness First Würzburg Baskets, sammelten diese in der laufenden Saison für jeden erfolgreichen Dreipunktewurf der Baskets 50 Euro für die Elterninitiative. Im Verlauf der Saison kam so die Spendensumme von 10.000 Euro zusammen.

Die symbolische Scheckübergabe fand am 24. Mai im Rahmen des Playoff-Spiels der Fitness First Würzburg Baskets gegen die Telekom Baskets Bonn statt. Überreicht wurde der Scheck von Thomas Lurz. Jana Lorenz-Eck nahm die Spende stellvertretend für die Elterninitiative Regenbogen entgegen und bedankte sich für die Aktion und die Unterstützung der Arbeit des Elternvereins. Als gemeinnütziger Verein finanziert die Elterninitiative Regenbogen ihre Angebote ausschließlich durch Spenden. Die Unterstützung kommt Familien mit krebskranken Kindern sowohl während als auch nach der Therapie zugute.

Der Verein unterstützt bereits seit über 40 Jahren die drei Würzburger Kinderkrebsstationen mit kindgerechter Ausstattung und verschiedenen Angeboten auf Station. Dazu gehören unter anderem die Musik-, Kunst- und Sporttherapie sowie gemeinsame Koch- und Backnachmittage mit den Erziehern, bei denen die Wunschgerichte der Kinder zubereitet werden. Darüber hinaus begleitet die Elterninitiative Regenbogen Geschwisterkinder mit dem „GeschwisterClub“, einem durch die gesetzlichen Krankenkassen geförderten Angebot, das die Geschwister der jungen Patienten besonders stärken und fördern soll.

Die Elterninitiative Regenbogen bedankt sich herzlich bei den Fitness First Würzburg Baskets und s.Oliver für die Initiative und die großzügige Unterstützung zugunsten von Familien mit krebskranken Kindern.

 

Text: Nadine Kempa (Öffentlichkeitsarbeit, Elterninitiative Regenbogen e.V.)

Scheckübergabe
Scheckübergabe zugunsten der Elterninitiative Regenbogen: Jana Lorenz-Eck, Thomas Lurz und Konstantin Zeuch mit dem Spendenscheck über 10.000 Euro. Foto: Viktor Meshko

Spende statt Geschenken kommt Regenbogen zugute

Kurt Kröttinger spendete im Rahmen seines runden Geburtstages

Übergabe eines symbolichen Spendenchecks an die Elterninitiative durch eine Privatperson namens Kurt Kröttinger. Dieser hatte anlässlich zu seinem 60. Geburtstag seine Gäste zu einer Spende statt Geschenken aufgerufen.
Yevgeniya Ronis nimmt stellvertretend für die Elterninitiative Regenbogen den Spendenscheck von Kurt Kröttinger entgegen. Bild: Nadine Kempa

Zu seinem 60. Geburtstag entschied sich Kurt Kröttinger aus Weikersheim-Nassau gegen Geschenke und bat seine Gäste stattdessen, an die Elterninitiative Regenbogen zu spenden. Im Rahmen der Feierlichkeiten kam so eine Spendensumme zusammen, die vom Jubilar auf 3.000 Euro aufgestockt wurde.

Am Mittwoch konnte die Spende dann an die Elterninitiative Regenbogen persönlich übergeben werden. Bereits vorab informierte sich Herr Kröttinger umfassend über den Verein, der Familien krebskranker Kinder in der schweren Zeit der Krankheit und darüber hinaus begleitet. Ausschlaggebend bei seiner Entscheidung, die Elterninitiative zu unterstützen, war der regionale Bezug des Vereins, der in engem Austausch mit der Uni-Kinderklinik steht. Die Elterninitiative sorge unkompliziert und über kurze Wege dafür, dass ihre Hilfe direkt bei den Familien ankommt, die diese so dringend benötigen, so Kurt Kröttinger. Finanziert werden die Hilfsangebote ausschließlich über Spendengelder. Unterstützung erfahren die Familien z.B. durch die zwölf Elternwohnung, die sie während der Zeit der Therapie kostenfrei nutzen dürfen. 

Alle Unterkünfte befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik und ersparen den Familien teils lange und häufige Fahrtwege. Für Erleichterung sorgt außerdem das Personal des psychosozialen Dienstes der Kinderklinik, dessen Stellen größtenteils von der Elterninitiative Regenbogen finanziert werden. Das spezialisierte Team aus Psychologen, Sozialpädagogen und weiteren Fachkräften hilft den Familien auch bei organisatorischen Anliegen und der Bewältigung des herausfordernden Alltags.

Wir bedanken uns herzlich bei Kurt Kröttinger und seinen Geburtstagsgästen für die wichtige Unterstützung.

Text: Nadine Kempa für die Elterninitiative Regenbogen e.V.

Übergabe eines symbolichen Spendenchecks an die Elterninitiative durch eine Privatperson namens Kurt Kröttinger. Dieser hatte anlässlich zu seinem 60. Geburtstag seine Gäste zu einer Spende statt Geschenken aufgerufen.
Yevgeniya Ronis nimmt stellvertretend für die Elterninitiative Regenbogen den Spendenscheck von Kurt Kröttinger entgegen. Bild: Nadine Kempa

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Terminvereinbarung

nur für ambulante Termine
+49 931 201-27855

Montag bis Donnerstag
08:00 bis 12:00 Uhr

ki_ambtermin@ ukw.de

Telefon

Kinderklinik-Pforte
+49 931 201-27728 oder
+49 931 201-27915

Notfälle
+49 931 201-27728

Intensivstation
+49 931 201-27726

Direktions-Sekretariat
+49 931 201-27831 oder
+49 931 201-27832

Fax

+49 931 201-27798


Anschrift

Kinderklinik und Poliklinik des Universitätsklinikums und der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität
Josef-Schneider-Straße 2 | Haus D31 | 97080 Würzburg | Deutschland