Schilddrüsenkarzinom

Seit vielen Jahrzehnten ist das Universitätsklinikum Würzburg mit mehreren interdisziplinären Arbeitsgruppen intensiv an der Erforschung des Schilddrüsenkarzinoms beteiligt.

Hintergrund

Das Schilddrüsenkarzinom ist der häufigste bösartige Tumor der hormonbildenden Organe, an dem jährlich etwa 6000 Personen in Deutschland erkranken. Mit Abstand am häufigsten ist das differenzierte Schilddrüsenkarzinom, das in der Regel durch Operation und Radiojodtherapie geheilt werden kann. Für die selteneren radiojodrefraktären Schilddrüsenkarzinome, die kein Iod aufnehmen, erhielten in den letzten Jahren mit Sorafenib und Lenvantinib zwei Wirkstoffe die Marktzulassung. Auch zur Behandlung des fortgeschrittenen seltenen medullären Schilddrüsenkarzinoms gibt es mit Vandetanib und Cabozantinib nun zwei Medikamente.
Weniger etabliert dagegen ist nach wie vor die Therapie des gering differenzierten und des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms. Infolge des meist raschen Wachstums ist die Prognose noch ungünstig.

Registerstudie und Datenbank

Um die Diagnostik und Therapie seltener Tumoren der Schilddrüse und Nebenschilddrüsen zu verbessern, hat sich unter maßgeblicher Mitwirkung des Universitätsklinikums Würzburg 2013 eine Studiengruppe formiert, an der aktuell 14 Zentren beteiligt sind. Die in der zentralen Datenbank gesammelten Daten liefern die Basis, um Krankheitsverläufe in Abhängigkeit von Diagnostik, Tumorstadium, Bildgebungen und Therapien immer wieder neu zu analysieren. Alle Patientinnen und Patienten mit einem selteneren Schilddrüsenkarzinom können ihre Daten zur wissenschaftlichen Auswertung gerne der Registerstudie zur Verfügung stellen.

Aktuelle Projekte

Knochenmetastasierung des medullären Schilddrüsenkarzinoms

Die retrospektive Studie untersucht die Häufigkeit und das Auftreten von Knochenmetastasen beim medullären Schilddrüsenkarzinom unter Berücksichtigung der Krankheitssituation und des Tumorstadiums. Es soll herausgearbeitet werden, ab wann Knochenmetastasen zu Beschwerden führen und behandelt werden müssen.
Die Arbeit wurde bereits auf dem Kongress der Endocrine Society vorgestellt.

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Matthias Kroiss
Theresa Vogel, Doktorandin

NEKAR-Studie

In der retrospektiven Studie, an der zahlreiche Zentren teilnehmen, wird gemeinsam mit der endokrinen Chirurgie und der Pathologie in unserem Hause die klinische Symptomatik, Diagnostik und Therapie des seltenen Nebenschilddrüsenkarzinoms erforscht. Im Fokus der Studie stehen auch die mikroskopischen Diagnosekriterien bei dieser Erkrankung.

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Matthias Kroiss
Sina Schrägle, Doktorandin
Dr. med. Christina Lenschow, Chirurgin
Dr. med. Stefan Kircher, Pathologe

Therapiemarker seltener Schilddrüsenkarzinome

Ziel der experimentellen Studie ist es, Marker für potentielle Therapien des anaplastischen und gering differenzierten Schilddrüsenkarzinoms zu evaluieren. Dazu werden moderne immunhistochemische Methoden und Verfahren der RNA-in situ Hybridisierung untersucht. Anhand dieser Marker sollen konkrete Richtlinien für eine kombinierte Therapie dieser seltenen Erkrankungen entwickelt werden.

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Matthias Kroiss
Pia Adam, Doktorandin

Abgeschlossene Projekte

Auswahl kürzlich abgeschlossener Forschungsarbeiten:

Genetisch bedingtes Phäochromozytom

In einer Studie wurde bei Patientinnen und Patienten mit Multipler Endokriner Neoplasie Typ 2 und damit Mutation des Protoonkogens RET das Auftreten von gutartigen, Katecholamine produzierenden Nebennierentumoren – den sogenannten Phäochromozytomen – beschrieben. Die Ergebnisse sind publiziert.

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Matthias Kroiss

Analyse des anaplastischen Schilddrüsenkarzinoms

Retrospektiv wurden in einer deutschen Multicenter-Studie die Daten von 100 Patientinnen und Patienten mit anaplastischem Schilddrüsenkarzinom hinsichtlich klinischer Symptomatik, Therapie und Krankheitsverlauf analysiert. Ziel war es, klinische und therapeutische Marker für eine verbesserte Prognose zu identifizieren. Aus den erhobenen Daten konnte ein Vorschlag für einen Therapiepfad für diese seltene Erkrankung etabliert werden. Dieser wird aktuell weiterentwickelt und soll in laufende Studienkonzepte eingebunden werden. Die Studie wurde 2016 in der Fachzeitschrift European Journal of Endocrinology veröffentlicht.

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Matthias Kroiss

Schilddrüsenforschung am Universitätsklinikum

Die Erforschung des Schilddüsenkarzinoms hat am Universitätsklinikum Würzburg eine lange Tradition. Während im Schilddrüsenzentrum die interdisziplinäre Patientenbehandlung koordiniert wird, widmen sich in ähnlicher Weise Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehrerer Fachbereiche der intensiven Erforschung des Schilddrüsenkarzinoms. In enger Kooperation vor allem der Endokrinologie, Nuklearmedizin, Chirurgie und Pathologie konnten bereits in der Vergangenheit sowohl wegweisende Ergebnisse ermittelt und einer praktischen Nutzung zugeführt als auch neue Aufgabenfelder für die Forschung definiert werden.

Bereits 1980 initiierte der damalige Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, Prof. Dr. med. Christoph Reiners, eine spezielle Datenbank für das Schilddrüsenkarzinom, in der mittlerweile die Krankheitsverläufe von mehr als 2000 Patientinnen und Patienten archiviert sind. Seit dieser Zeit hat die Forschungsintensität nicht nachgelassen und auch heute noch sind Ärztinnen und Ärzte des Universitätsklinikums maßgeblich an zahlreichen internationalen großen Medikamentenstudien beteiligt, die zum Beispiel auch zur Zulassung der oben angeführten Medikamente geführt haben.

Ansprechpartner

Porträtfoto von Privatdozent Dr. med. Dr. rer. nat. Matthias Kroiss

PD Dr. med. Dr. rer. nat.
Matthias Kroiss

Oberarzt der Endokrinologie und Diabetologie

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Direktion
Prof. Dr. med. Stefan Frantz
E-Mail: m1_direktion@ ukw.de

Direktionsbüro
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E-Mail: weyer_i@ ukw.de
Fax: +49 931 201-639001


Anschrift

Medizinische Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums | Zentrum Innere Medizin (ZIM) | Oberdürrbacher Straße 6 | Haus A3 | 97080 Würzburg | Deutschland

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