Aktuelle Meldungen

Translation und Transfer im Fokus: Würzburg will seine Forschungsinfrastruktur für die Medizin der Zukunft weiter ausbauen

Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft stand die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts im Mittelpunkt. Diskutiert wurde, wie Forschungsinfrastruktur, Translation und Transfer gestärkt werden können, um Würzburgs starke Position weiter auszubauen. Ein wichtiges Signal setzte die Vogel Stiftung mit drei Millionen Euro für die CAR-T-Zellforschung am Universitätsklinikum Würzburg.

Sieben Männer stehen auf der Bühne der MS Wissenschaft, in der Mitte bzw. dritter von links Michael Hudecek mit Scheck in der Hand, im Hintergrund Roll-ups.
Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft überreichte die Vogel Stiftung einen Scheck über drei Millionen Euro zur Unterstützung der CAR-T-Zellforschung an das Team von Prof. Michael Hudecek vom Universitätsklinikum Würzburg. V.l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Frosch, Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Michael Hudecek, Rolf Lenertz, Prof. Dr. Michael Müßig, Dr. Gunther Schunk, Prof. Dr. Tim J. von Oertzen © Thomas Berberich / UKW

Würzburg als starken medizinischen Wissenschaftsstandort sichtbar machen und den Austausch über aktuelle Forschung und innovative Entwicklungen fördern: Das war das Ziel des „Würzburger Tags der Zukunftsmedizin“. Rund 150 Gäste aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft kamen dazu am Mittwoch, 09. September an Bord der MS Wissenschaft zusammen. Das schwimmende Science Center – eine Initiative des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt und Wissenschaft im Dialog – tourt seit Mai unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ durch Deutschland und machte in Würzburg als letzten Stopp Station, bevor es weiter nach Wien schippert. 

CAR-T-Zelltherapie ist ein Aushängeschild des Standorts

Mit an Bord der MS Wissenschaft ist ein vom Universitätsklinikum und Universität Würzburg entwickeltes Exponat zur CAR-T-Zelltherapie. Die Immuntherapie mit gentechnisch veränderten T-Zellen ist ein Aushängeschild des Standorts. Würzburg war das erste Zentrum in Deutschland, an dem diese Therapie bei der Behandlung von Blutkrebs eingesetzt wurde, und zählt heute zu den Zentren mit den höchsten Behandlungszahlen.

Um diese Position weiter auszubauen und neue Forschungsergebnisse möglichst schnell in die klinische Anwendung zu bringen, sind Investitionen in die gesamte Innovationskette notwendig, war man sich auf dem hochkarätig besetzten Panel einig. 

Drei Millionen Förderung für CAR-T-Zellforschung

Ein starkes Zeichen war daher auch die symbolische Scheckübergabe der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp von 3 Millionen Euro. Die Stiftung fördert die Arbeit von Professor Hermann Einsele und Professor Michael Hudecek am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) schon seit einigen Jahren und diese Forschungsförderung ist nun auf insgesamt 3 Millionen angewachsen. Diese Summe stärkt das Gesamtprojekt der CAR-T-Zellforschung und setzt zugleich einen Schwerpunkt in die Unterstützung der Nachwuchsforschung im Bereich Protein Engineering sowie beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Kampf gegen Krebs.

„Mit unserer Unterstützung möchten wir die wichtige Forschung zur CAR-T-Zelltherapie am Universitätsklinikum stärken. Wir haben hier die Chance, gezielt in die Dynamik und das Wachstum eines Spitzenthemas zu investieren und damit die Leuchtturmfunktion Würzburgs zu stärken“, begründete Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, die Förderung. „Wir wünschen Professor Hudecek und seinem gesamten Team viel Erfolg und vor allem, dass die Ergebnisse ihrer Forschung möglichst schnell den Weg zu den Patientinnen und Patienten finden.“

Forschung konsequent in Translation und Transfer bringen

Prof. Dr. Michael Hudecek, Inhaber des UKW-Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie und Leiter der Außenstelle Würzburg des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie (IZI) sagte: „Für diese großzügige Unterstützung sind wir der Vogel Stiftung sehr dankbar. Die CAR-T-Zelltherapie zeigt bereits heute, welchen Unterschied innovative Forschung für Patientinnen und Patienten machen kann. Unser Ziel in Würzburg ist es, Forschung konsequent in Translation und Transfer zu bringen und so möglichst schnell in die klinische Anwendung zu überführen.“ 

Der Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg, Prof. Dr. med. Matthias Frosch ergänzte: „Die drei Millionen Euro der Vogel Stiftung sind für das Universitätsklinikum und seine Forschung von großem Wert. Gerade neue und innovative Forschung braucht Freiräume - insbesondere dann, wenn sich ein Thema noch nicht in etablierten Förderstrukturen wiederfindet. Stiftungen schaffen diesen Spielraum und bringen Forschungsprojekte voran, die sonst so nicht möglich wären.“

Würzburg als Standort für Gen- und Zelltherapie ausbauen

Im Mittelpunkt der beiden von Johannes Keppner moderierten Panel-Diskussionen beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ stand die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in die klinische Anwendung überführt werden können und welche Voraussetzungen Innovation am Standort Würzburg dafür braucht. 

Spitzenforschende des Universitätsklinikums und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie der außeruniversitären Forschungseinrichtungen Fraunhofer, Helmholtz und Max-Planck diskutierten den Weg von der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und die dafür erforderlichen Strukturen und Infrastrukturen.

Dabei wurde deutlich: Würzburg ist international sehr gut auf dem Gebiet der Gen- und Zelltherapie aufgestellt und hat sowohl in der Forschung als auch in der klinischen Anwendung wichtige Erfolge erzielt. Diese Spitzenposition will Würzburg weiter ausbauen, insbesondere mit weiterer Forschungsinfrastruktur, die Translation und Transfer stärkt, direkt am Klinikum aber auch den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und den hiesigen Biotechnologieunternehmen.

Grundlagenforschung über klinische Studien und geeignete Infrastrukturen bis hin zur Herstellung von Zellprodukten sollten in Würzburg abgebildet werden können. Auch Kooperationen mit Biotech- und Pharmaunternehmen sowie die Förderung von Ausgründungen spielen dabei eine wichtige Rolle. 

„Würzburg hat in der Gen- und Zelltherapie eine hervorragende Ausgangsposition. Jetzt gilt es, diese Stärke durch gezielte Investitionen und starke Partnerschaften weiter auszubauen, um Forschung schnell in die klinische Anwendung zu bringen“, fasste Prof. Dr. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, zusammen.

Der „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ wurde unterstützt von Johnson & Johnson, AstraZeneca, Gilead Sciences, PlasmidFactory, T-CURX, T2EVOLVE und Wissenschaft im Dialog. 

Ausstellung „Medizin der Zukunft“ stieß auf großes Interesse

Großes Interesse weckte auch die Ausstellung „Medizin der Zukunft“, die vom 8. bis 11. September an Bord der MS Wissenschaft zu sehen war. Nach Angaben der Veranstalter, Wissenschaft im Dialog, gab es auf die Ausstellung eine ausgezeichnete Resonanz: An allen vier Tagen war das Schiff durchgehend sehr gut besucht und zog zahlreiche Würzburgerinnen und Würzburger an. 

Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp: Die Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp wurde im Jahr 2000 von dem Würzburger Verleger Dr. Kurt Eckernkamp und seiner Frau Nina Eckernkamp-Vogel gegründet. Die Stiftung fokussiert in ihrer Förderung auf vier Aktivitätsfelder: Bildung, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Kultur. Die Teilhabe am Leben – über alle Generationen hinweg – steht im Mittelpunkt des Handelns der Stiftung. Für ihre Unterstützung von Forschungsprojekten wurde die Stiftung 2020 mit dem Gütesiegel „Innovativ durch Forschung“ vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. Die Stiftung verfolgt ausschließlich gemeinnützige Ziele und ist dem Unternehmen Vogel Communications Group als Mitgesellschafterin verbunden.

Sieben Männer stehen auf der Bühne der MS Wissenschaft, in der Mitte bzw. dritter von links Michael Hudecek mit Scheck in der Hand, im Hintergrund Roll-ups.
Beim „Würzburger Tag der Zukunftsmedizin“ an Bord der MS Wissenschaft überreichte die Vogel Stiftung einen Scheck über drei Millionen Euro zur Unterstützung der CAR-T-Zellforschung an das Team von Prof. Michael Hudecek vom Universitätsklinikum Würzburg. V.l.n.r.: Prof. Dr. Matthias Frosch, Prof. Dr. Hermann Einsele, Prof. Dr. Michael Hudecek, Rolf Lenertz, Prof. Dr. Michael Müßig, Dr. Gunther Schunk, Prof. Dr. Tim J. von Oertzen © Thomas Berberich / UKW

CAR-T-Zellen direkt im Körper herstellen

ERC Starting Grant für Karl Petri: Würzburger Forscher entwickelt neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie

Porträtbild von Karl Petri mit weißem Kittel im Labor
Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg erhält einen ERC Starting Grant, um mit seinem Team eine neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie zu entwickeln. © Daniel Peter / UKW
Die Mitarbeitenden tragen alle weiße Kittel und sind in zwei Reihen in einem Laborraum aufgereiht.
Die Arbeitsgruppe von Karl Petri sucht Verstärkung. Hier im Bild v.l.n.r., vordere Reihe: Shrey Jain, Lucas Wehler, Karl Petri, Christina Borgel, hintere Reihe: Leon Gehrke, Alexandre Trubert, Jun Kai Ong, Dorothea Götz. © Christina Bornschein / UKW

Würzburg. Bislang werden CAR-T-Zellen außerhalb des Körpers hergestellt. Dazu werden T-Zellen aus dem Blut der Patientin oder des Patienten gewonnen, im Labor genetisch verändert, sodass sie Proteine auf ihrer Oberfläche produzieren, die als chimäre Antigenrezeptoren (CARs) bezeichnet werden. Diese CARs helfen den T-Zellen dabei, Krebszellen zu erkennen und zu zerstören. Nach der Umprogrammierung werden die CAR-T-Zellen zurück in den Körper übertragen. Seit ihrer ersten Zulassung im Jahr 2017 haben sie die Behandlung bestimmter Blutkrebserkrankungen, darunter bestimmte Formen von Leukämien, Lymphomen und des Multiplen Myeloms, grundlegend verändert. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten können sie langanhaltende Remissionen erreichen.

ERC Starting Grant dotiert mit 1,5 Millionen Euro

Die personalisierte Herstellung im Labor ist jedoch mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden und nicht immer erfolgreich. Diesen Prozess will Dr. Karl Petri vom Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie und der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) in einem neuen Forschungsprojekt künftig umgehen. Die CAR-T-Zellen sollen direkt im Körper entstehen. Für dieses Vorhaben erhält er vom Europäischen Forschungsrat (ERC) einen ERC Starting Grant. Der renommierte Forschungspreis ist mit knapp 1,5 Millionen Euro dotiert. 

CAR-T-Zellen sollen direkt im Körper entstehen

„Ich habe mich riesig gefreut, dass unser Projekt in diesem hochkompetitiven Wettbewerb bewilligt wurde. Denn wir können damit eine wichtige und zukunftsweisende Fragestellung angehen“, sagt Karl Petri. „Immunzelltherapien haben großes Potenzial, und das nicht nur in der Krebsmedizin. Was bislang fehlt, ist eine wirklich effiziente und sichere Technologie, um solche Therapien direkt im Körper herzustellen. Genau diese Lücke wollen wir mit der Verbindung verschiedener Technologien schließen.“

Damit die T-Zellen im Körper CARs herstellen können, wird ein Vektor benötigt. Dieser kann viralen Ursprungs sein oder in Form von Nanopartikeln vorliegen. Bei der klassischen CAR-T-Zellherstellung im Labor kommen meist virale Vektoren zum Einsatz. Sie schleusen DNA mit dem Gen für den CAR in die zuvor entnommenen T-Zellen ein. Die DNA wird dauerhaft in das Erbgut der T-Zellen eingebaut, sodass diese langfristig CAR-Proteine produzieren können. Allerdings lässt sich nicht vollständig kontrollieren, in welchen Abschnitten des Genoms virale Vektoren integrieren. Bei der In vivo-CAR-T-Zelltherapie kann sich das Risiko potenziell erhöhen: Die viralen Vektoren werden auf den gesamten Organismus appliziert und könnten dadurch nicht nur T-Zellen, sondern unter Umständen auch andere Körperzellen erreichen und gentechnisch verändern. 

Eine alternative Transportmethode sind Lipid-Nanopartikel. Mithilfe dieser winzigen Lipidpartikel kann die mRNA, also die Bauanleitung für CARs, sicher in die T-Zellen eingeschleust werden. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Bauanleitung sehr kurzlebig ist. Das bedeutet, dass die T-Zellen nur für wenige Tage das CAR-Protein auf ihrer Oberfläche exprimieren. Dann wird das RNA-Molekül schon wieder abgebaut und der genetische Informationsfluss für die CAR-Produktion versiegt. 

Das Beste aus zwei Ansätzen verbinden

„Wir wollen nun das Beste aus beiden Welten vereinen: die dauerhafte CAR-Expression und eine sichere Plattform mit einer zielgerichteten Integration der Bauanleitung“, sagt Karl Petri. „Dafür entwickeln wir eine Lipid-Nanopartikel-basierte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie mittels neuartiger Genomeditierungswerkzeuge. Dadurch wird die genetische Information für den CAR in eine sogenannte Safe-Harbor-Region der T-Zelle gebracht und in diesem sicheren Hafen gehalten.“ 

Dass Lipid-Nanopartikel grundsätzlich dazu geeignet sind, T-Zellen in vivo zu transfizieren, also genetisches Material gezielt in die Zelle einzuschleusen, ist bereits bekannt. Dass die neuen Genomeditierungswerkzeuge in T-Zellen funktionieren, konnte Karl Petri auch schon zeigen. „Unsere präliminären Daten sind sehr vielversprechend. Die Herausforderung besteht nun darin, die Komponenten zusammenzufügen und die Genwerkzeuge so zu optimieren, dass die CAR-Bauanleitung möglichst effizient, dauerhaft und sicher in die T-Zellen gelangt.

Sicherheit wird bei jedem Schritt überprüft

Die Sicherheit ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Das Team will jeden einzelnen Schritt genau untersuchen und prüfen, ob die Behandlung ungefährlich und verträglich ist. Dafür setzen die Forschenden unter anderem selbst entwickelte Analyseverfahren ein. „Wir untersuchen beispielsweise, wo sich die Nanopartikel im Körper verteilen, und überprüfen genau, an welchen Stellen die genetische Information in das Erbgut der Zellen eingebaut wird“, erläutert Petri. 

In fünf Jahren zur Vorbereitung einer klinischen Studie

In den kommenden fünf Jahren will er mit seinem Team die notwendigen grundlagenwissenschaftlichen und sicherheitsrelevanten Daten aus Untersuchungen in Zellkulturen und Mäusen zusammentragen. Sie sollen die Grundlage für ein sogenanntes Pre-IND-Meeting (Pre-IND steht für Pre-Investigational New Drug) bilden, dass die Grundlage für eine zukünftige klinische Translation sein soll.

Starke Partner am Forschungsstandort Würzburg

Das Projekt ist beispielhaft für den Standort Würzburg und seine Synergien. Mit Prof. Hermann Einsele, dem Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, und Prof. Michael Hudecek, dem Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie, sind zwei renommierte CAR-T-Zellexperten vor Ort. Prof. Jörg Vogel, der geschäftsführende Direktor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI), ist ein ausgewiesener Spezialist für Ribonukleinsäuren (RNA). Hinzu kommen Strukturen wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA und das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF), die die klinische Translation ermöglichen. „Geht unser Plan auf, hätten wir eine sehr starke Plattform für die In-vivo-Generation und -Modifikation von Zelltherapien“, resümiert Karl Petri. 

Mit dem neuen Projekt wächst auch seine Arbeitsgruppe: Petri möchte zum Start Anfang 2027 zwei weitere Doktorandinnen und/oder Doktoranden sowie eine-/n Postdoc aufnehmen. Damit würde das derzeit aus sechs Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern sowie einem Mediziner bestehende Team auf insgesamt neun anwachsen.

Ein Teil der Arbeitsgruppe wird bereits durch eine Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Emmy-Noether-Programm unterstützt. Das Team entwickelt dort neuartige CRISPR-2.0-Werkzeuge, um zielgerichtete CAR-T-Zellprodukte zur Krebsbehandlung herzustellen und weiter zu verbessern (siehe Meldung vom 2.8.2024 „Grenzen der Immuntherapie überwinden“ und #WomenInScience-Porträt von Christina Borgel, Doktorandin inm Petri-Lab).

Über Karl Petri
Dr. med. Karl Petri wurde in Frankfurt am Main geboren und wuchs in Karben (Hessen) auf. Er studierte Humanmedizin in Heidelberg und forschte anschließend sechs Jahre lang in den USA, am Massachusetts General Hospital und an der Harvard Medical School in Boston. Seit Sommer 2023 ist er am Universitätsklinikum Würzburg tätig: in der Medizinischen Klinik und Poliklinik II leitet er am Institut für Zelluläre Immuntherapie eine Emmy-Noether-Forschungsgruppe (Petri-Lab). Karl Petri ist verheiratet und Vater eines Sohnes. 

 

Porträtbild von Karl Petri mit weißem Kittel im Labor
Dr. Karl Petri vom Universitätsklinikum Würzburg erhält einen ERC Starting Grant, um mit seinem Team eine neue Technologie für eine sichere und dauerhafte In-vivo-CAR-T-Zelltherapie zu entwickeln. © Daniel Peter / UKW
Die Mitarbeitenden tragen alle weiße Kittel und sind in zwei Reihen in einem Laborraum aufgereiht.
Die Arbeitsgruppe von Karl Petri sucht Verstärkung. Hier im Bild v.l.n.r., vordere Reihe: Shrey Jain, Lucas Wehler, Karl Petri, Christina Borgel, hintere Reihe: Leon Gehrke, Alexandre Trubert, Jun Kai Ong, Dorothea Götz. © Christina Bornschein / UKW

Mehr Wirksamkeit und Sicherheit für die CAR-T-Zelltherapie: Vogel Stiftung fördert Würzburger Forschung

Für seine Forschung an der Optimierung von CAR-T-Zelltherapien wird der Mediziner Dr. Lukas Scheller vom Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie an der Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg mit 70.000 EUR von der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp gefördert.

Gunther Schunk übergibt großen Scheck an Lukas Scheller, daneben steht Michael Hudecek.
Scheckübergabe am 6. Juli 2026 am UKW-Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie, v.l.n.r.: Dr. Gunther Schunk (Vogel Stiftung), Dr. Lukas Scheller (Universitätsklinikum Würzburg), Prof. Dr. Michael Hudecek (Universitätsklinikum Würzburg). © Christina Bornschein / UKW

Würzburg. Die CAR-T-Zelltherapie hat die Behandlung von Blutkrebs und weiteren Erkrankungen revolutioniert: Körpereigene T-Zellen werden im Labor so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und bekämpfen können. Begleitmedikamente können die Therapiewirkung jedoch verändern oder das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen. In dem von der Vogel Stiftung mit 70.000 Euro geförderten Projekt wird Dr. Lukas Scheller diese Zusammenhänge analysieren.

Viele Patientinnen und Patienten nehmen neben der CAR-T-Zelltherapie weiterhin ihre gewohnten Medikamente ein, die ihnen ihr Hausarzt verschrieben hat. Lukas Scheller geht der Frage nach, ob diese Medikamente die Wirkung und Sicherheit der CAR-T-Zelltherapie beeinflussen. „Wir freuen uns sehr über die Förderung der Vogel Stiftung. Sie ermöglicht es uns, den Einfluss bestimmter Medikamente auf den Therapierfolg zu verstehen und anschließend neue Lösungen entwickeln. Dazu gehört zum Beispiel, die Medikamente der Patientinnen und Patienten vor Beginn der Therapie anzupassen oder bestimmte Begleitmedikationen zu entwickeln,“ erklärt der Wissenschaftler.

Doch nicht nur der Therapieerfolg ist entscheidend, auch die Sicherheit der Patientinnen und Patienten steht im Fokus. So widmet sich Lukas Scheller der Frage, ob sich mögliche Nebenwirkungen der CAR-T-Zelltherapie bereits vor der Behandlung erkennen lassen. Dazu analysiert er Blutproben auf bestimmte körpereigene Stoffe, sogenannte Biomarker, die Hinweise auf ein erhöhtes Risiko geben können. Gleichzeitig erforscht er, wie Immunzellen und Blutgefäßzellen miteinander kommunizieren und welchen Einfluss diese Prozesse auf die Therapie mit CAR-T-Zellen haben.

Etablierte CAR-T-Zelltherapie soll noch wirksamer und sicherer werden

Das neue Projekt wird in den Laboren am von Prof. Michael Hudecek geleiteten Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Würzburg durchgeführt. „Durch die Kombination aller Ergebnisse könnten wir die Ursachen von Wirkungen und Nebenwirkungen noch besser verstehen, sie frühzeitig erkennen und steuern, um die CAR-T-Zelltherapie noch wirksamer und sicherer zu machen,“ fasst der CAR-T-Zell-Experte zusammen. 

Dr. Gunther Schunk, Vorstandsvorsitzender der Vogel Stiftung betont bei der Scheckübergabe am Universitätsklinikum: „Die CAR-T-Zelltherapie zählt zu den vielversprechendsten Innovationen der modernen Krebsmedizin. Wir freuen uns, mit unserer Förderung dazu beizutragen, dass diese wirkungsvollen Forschungsansätze ausgeweitet, wissenschaftlich validiert und langfristig zum Nutzen der Patientinnen und Patienten weiterentwickelt werden können.“

Über den Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie

Der Mediziner Dr. Lukas Scheller forscht am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie von Prof. Dr. Michael Hudecek an der von Prof. Dr. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums Würzburg. Der Lehrstuhl arbeitet eng mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA zusammen, um neue CAR-T-Zelltherapien möglichst schnell in die klinische Anwendung zu überführen.

Text: Christina Bornschein / UKW 

Gunther Schunk übergibt großen Scheck an Lukas Scheller, daneben steht Michael Hudecek.
Scheckübergabe am 6. Juli 2026 am UKW-Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie, v.l.n.r.: Dr. Gunther Schunk (Vogel Stiftung), Dr. Lukas Scheller (Universitätsklinikum Würzburg), Prof. Dr. Michael Hudecek (Universitätsklinikum Würzburg). © Christina Bornschein / UKW

Von der Initiative zur Institution: T2EVOLVE Association startet zur Förderung innovativer Zelltherapien in Europa

Mit der T2EVOLVE Association entsteht eine neue unabhängige, gemeinnützige Plattform, die Innovation und Patientenzugang im Bereich neuartiger Zelltherapien in Europa vorantreibt.

 

Gruppenbild des T2EVOLVE Consortium in der Magistrale.
Das T2EVOLVE Consortium. Bild © Benedikt Wagner

Aufbauend auf den Erfolgen des IMI (Innovative Medicines Initiative) T2EVOLVE-Projekts schafft die T2EVOLVE Association eine dauerhafte Struktur für die im Laufe von fünf Jahren gewachsene Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Industrie, Regulierungsbehörden, Patientenvertretungen und weiteren zentralen Akteuren. In dieser Zeit sind umfassende Expertise, belastbare Netzwerke und ein eng verzahntes Kooperationsmodell entstanden.
Ziel der Association ist es, die verantwortungsvolle Entwicklung, Bewertung und Implementierung moderner Zelltherapien weiter voranzubringen. Dazu stellt sie einen neutralen Rahmen bereit, in dem die verschiedenen Stakeholder gemeinsam an zentralen Herausforderungen und Zukunftschancen des Feldes arbeiten können.

Innovation für Patientinnen und Patienten nutzbar machen 

Fortgeschrittene Zelltherapien, darunter CAR-T-Zelltherapien und andere gentechnisch veränderte Immunzelltherapien, verändern die Behandlungsmöglichkeiten für Krebserkrankungen und andere schwere Erkrankungen grundlegend. Gleichzeitig bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen in den Bereichen Forschung, Herstellung, Regulierung, klinische Anwendung und Zugang. Die Bewältigung dieser Hürden erfordert eine nachhaltige, sektorübergreifende Zusammenarbeit, die über einzelne Projekte, Organisationen und nationale Grenzen hinausgeht.

Die T2EVOLVE Association wurde gegründet, um einen langfristigen Rahmen für diese Zusammenarbeit zu schaffen. Durch Expertenarbeitsgruppen, Weiterbildungsinitiativen, Multi-Stakeholder-Dialoge, Technologie-Scouting-Aktivitäten und gemeinsame Projekte fördert sie den Wissensaustausch, unterstützt die Harmonisierung von Standards, identifiziert frühzeitig neue Herausforderungen und trägt dazu bei, Innovationen schneller in konkreten Nutzen für Patientinnen und Patienten zu überführen.

Vom erfolgreichen Konsortium zur dauerhaften Association

Die T2EVOLVE Association baut auf einer starken Grundlage auf, die im Rahmen des europäischen T2EVOLVE-Projekts geschaffen wurde. In den vergangenen fünf Jahren hat das Projekt maßgeblich zur Weiterentwicklung zentraler Diskussionen rund um regulatorische Innovationen und Evidenzgenerierung für fortgeschrittene Therapien beigetragen. Zudem unterstützte es die Entwicklung neuer präklinischer Modelle und translationaler Ansätze, förderte die Harmonisierung von Immunmonitoring- und Analytikmethoden in Europa und leistete wichtige Beiträge zur Verbesserung der Dateninteroperabilität sowie zur Nutzung von Real-World-Evidence.

Ebenso zentral war die Förderung einer stärkeren Patienteneinbindung – etwa durch Bildungsangebote, verbesserte Prozesse der informierten Einwilligung und Initiativen, die sicherstellen, dass Patientenperspektiven entlang des gesamten Entwicklungsprozesses konsequent berücksichtigt werden.

Um die drängendsten Herausforderungen des Feldes gezielt anzugehen, koordiniert die Association ihre Aktivitäten künftig in fünf strategischen Arbeitsbereichen: Patientenbildung und -vertretung, klinische Translation und korrelative Forschung, innovative Technologien und Herstellung, regulatorische Innovation und politische Harmonisierung sowie Datenwiederverwendung und Künstliche Intelligenz für fortgeschrittene Therapien.

Gründungsmitglieder sind führende Organisationen aus Europa

Das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) fungierte als akademischer Koordinator und wissenschaftlicher Treiber des durch die IMI geförderten T2EVOLVE-Konsortiums und arbeitete dabei eng mit Bayer als industriellem Co-Lead zusammen. Unter der Leitung von Prof. Michael Hudecek vereinte das UKW 27 Partner aus Wissenschaft, Industrie, Regulierungsbehörden, Patientenorganisationen und Gesundheitseinrichtungen in ganz Europa, um die Entwicklung und Implementierung von T-Zelltherapien voranzutreiben.

Die Association startet mit Gründungsmitgliedern führender Organisationen aus Europa und darüber hinaus und spiegelt damit den multidisziplinären Charakter des Feldes der fortgeschrittenen Therapien wider. Informationen zu Mitgliedschaftsmöglichkeiten, Arbeitsprogrammen, Veranstaltungen und Kooperationen werden im Laufe der kommenden Monate veröffentlicht, während die Association ihr erstes operatives Jahr aufnimmt.

Statements aus dem Konsortium

„Die Erfolge von T2EVOLVE zeigen, was möglich ist, wenn Akteure über Disziplinen, Sektoren und Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten“, sagte Prof. Michael Hudecek, Vorsitzender der T2EVOLVE Association und Professor für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Würzburg. „Um das Potenzial fortgeschrittener Zelltherapien vollständig zu erschließen, braucht Europa nachhaltige Strukturen, die Zusammenarbeit in konkrete Lösungen überführen. Genau dafür wurde die T2EVOLVE Association geschaffen.“

„Unsere Vision ist eine vertrauenswürdige und inklusive Plattform, in der wissenschaftliche Exzellenz, klinische Erfahrung, Patientenperspektiven, industrielle Innovation und regulatorische Expertise zusammenkommen“, sagte Dr. Carmen Sanges, Executive Director der T2EVOLVE Association. „Durch die Vernetzung von Sektoren, Ländern und laufenden Initiativen wollen wir die Translation von Innovation beschleunigen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Dynamik von T2EVOLVE in eine nachhaltige europäische Community übergeht.“

„Aus Patientensicht sind nachhaltige Zusammenarbeit und Transparenz entscheidend, damit Innovation tatsächlich zu Zugang und besseren Behandlungsergebnissen führt“, sagte Prof. Maik Luu, Mitglied des Advisory Boards der T2EVOLVE Association und Professor für Translationale Medizin am Universitätsklinikum Würzburg. „Die T2EVOLVE Association ist ein wichtiger Schritt, um die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten in der Entwicklung fortgeschrittener Therapien konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.“

T2EVOLVE Association

Die T2EVOLVE Association ist eine unabhängige, gemeinnützige Multi-Stakeholder-Organisation, die sich der Förderung von Innovation, Zusammenarbeit, Weiterbildung und politischer Abstimmung im Bereich moderner Zelltherapien widmet. Als nachhaltiges Erbe des IMI-T2EVOLVE-Projekts schafft die Association eine langfristige Plattform für die europäische Zusammenarbeit, die den Austausch in konkrete Ergebnisse für das Ökosystem der fortgeschrittenen Therapien überführt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.t2evolve.com 

Kontakt

Dr. Carmen Sanges
Executive Director, T2EVOLVE Association
Sanges_c@ukw.de
https://t2evolve.com/  
 

Gruppenbild des T2EVOLVE Consortium in der Magistrale.
Das T2EVOLVE Consortium. Bild © Benedikt Wagner

Zweites Retreat des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie

Rund 70 Teilnehmende nutzten das Treffen für Austausch und strategische Diskussionen zu Forschung, klinischen Studien, Innovation und Doktorandenausbildung

Vom 18.–19. Mai 2026 fand das jährliche Retreat des UKW-Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie, geleitet von Michael Hudecek, im Schelling-Forum in der Würzburger Innenstadt statt. Die rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die eineinhalb Tage für Austausch, strategische Abstimmungen sowie intensive Diskussionen zu der Forschungsplanung, klinischen Studien und Innovationsmanagement.

Im Mittelpunkt standen unter anderem europäische und nationale Forschungsverbünde, der Fraunhofer-Standort, die Wissenschaftskommunikation, das klinische Studienteam sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Doktorandenausbildung.

Die PhD-Studierenden und Postdocs bereicherten das Programm mit Vorträgen und präsentierten ihre Arbeiten im Rahmen einer Posterausstellung.

Die Gastredner:innen Justus Weber, Paulina Paszkiewicz and Heathcliff Garcia gaben Einblick in ihre Karrierepfade in der “Career Paths session”. Ulf Grawunder, CEO von T-CURX, und Dominic Grün, Inhaber des Lehrstuhls für Computational Biology of Spatial Biomedical Systems an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, hielten Keynotes zu den Themen“in vivo gene transfer” und “AI and computational analysis in medicine”.

Das Retreat wurde, wie im letzten Jahr, von Maik Luu and Julia Krüger organisiert. 

CAR-T-Zelltherapie im Wissenschaftsjahr 2026 „Medizin der Zukunft“

Bundesweite Wissenschafts-Ausstellung unter Beteiligung von Würzburger Forschenden

Das Boot mit schwarzem Rumpf fährt auf einem Fluss durch eine grüne Landschaft
MS Wissenschaft im Wissenschaftsjahr 2026: Am 7. Mai startet die MS Wissenschaft ihre neue Tour zum Thema Medizin der Zukunft. Bis September macht das umgebaute Frachtschiff an rund 35 Orten halt. Die Mitmach-Ausstellung mit rund 30 interaktiven Exponaten befindet sich im Schiffsbauch. Hier haben Forschende ihre Arbeit in Exponate zum Anfassen, Experimentieren und Mitmachen verwandelt.

Forschende des Universitätsklinikums Würzburg, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und des Fraunhofer Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI, Leipzig, beteiligen sich im Wissenschaftsjahr 2026 mit einem interaktiven Exponat an der Wanderausstellung auf dem Schiff MS Wissenschaft. Die Ausstellung steht unter dem Motto „Medizin der Zukunft“ und zeigt aktuelle Forschungsprojekte aus ganz Deutschland. 

Auf dem Wissenschaftsschiff dreht sich alles um die Frage, wie Personalisierung, Prävention und neue Technologien die Medizin von morgen prägen. Zu den innovativen Ansätzen zählen auch Immuntherapien: „Mit unserem Exponat wollen wir den Besucherinnen und Besuchern die Funktionsweise der CAR-T-Zelltherapie anschaulich vermitteln“, erklärt Prof. Michael Hudecek, Inhaber des Lehrstuhls für Zelluläre Immuntherapie am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und Leiter der Außenstelle Würzburg des Leipziger Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI. 

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden körpereigene Immunzellen so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und gezielt bekämpfen - ein Beispiel für die innovativen Behandlungsmethoden, die am Klinikum entwickelt werden: „Mit unserer Forschung prägen wir die Medizin der Zukunft - von innovativen Diagnostikverfahren bis hin zu neuartigen, personalisierten Therapieansätzen. Wir freuen wir uns, auf der MS Wissenschaft einen offenen Austausch darüber anstoßen zu können“, sagt Prof. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKW.

Auch die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) sieht das Wissenschaftsjahr „Medizin der Zukunft“ als Anlass, ihre Kompetenzen in Forschung und Lehre herauszustellen. „Die Beteiligung am Wissenschaftsjahr ist Ausdruck unseres Selbstverständnisses, wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden und den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu stärken“, betont Universitätspräsident Prof. Paul Pauli.

Innovative Therapie wird in einem Spiel greifbar

Das Exponat ist eines von rund 30 Ausstellungsstücken auf dem Schiff. Auf einem großen Touchtable können die Ausstellungsgäste in einem Drag-and-Drop-Spiel eigene CAR-T-Zellen zusammenbauen. Mit dem passenden Rezeptor, dem CAR, erhalten die Immunzellen eine „Superkraft“, um Krebszellen gezielt zerstören. 

„Wir wollen damit eine komplexe und zugleich vielversprechende Krebstherapie verständlich machen und das Bewusstsein für ihre Chancen und Grenzen in der Öffentlichkeit stärken“, ergänzt Michael Hudecek, dessen Lehrstuhl das Spiel gemeinsam mit der Games Engineering Group des Lehrstuhls für Human-Computer Interaction an der JMU unter der Leitung von Prof. Sebastian von Mammen konzipiert.

Das Exponat wird unterstützt vom Comprehensive Cancer Center Allianz WERA (CCC WERA), dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) WERA, der Vogel Stiftung Dr. Eckernkamp, PlasmidFactory GmbH, Miltenyi Biotec und Johnson & Johnson.

Die MS Wissenschaft

Am 7. Mai 2026 startet die MS Wissenschaft ihre diesjährige Tour. Von Berlin aus führt die Route des 100 Meter langen Binnenfrachtschiffs zunächst nach Polen, anschließend durch Deutschland und Österreich. Insgesamt werden rund 35 Städte angelaufen. Der Eintritt ist frei. Jedes Jahr besuchen etwa 100.000 Menschen die Ausstellung, darunter viele Schulklassen und Familien. Die MS Wissenschaft wird realisiert von Wissenschaft im Dialog gGmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR).

Der letzte Deutschland-Stopp ist vom 8. bis 11. September 2026 in Würzburg. Die schwimmende Ausstellung liegt in dieser Zeit am Viehmarkt in der Dreikronenstraße.

Das Wissenschaftsjahr 2026

Die Wissenschaftsjahre des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt bringen Wissenschaft und Gesellschaft ins Gespräch: über bundesweite Ausstellungen, Schulprojekte, Bürgerdialoge und Events. Das Wissenschaftsjahr 2026 steht im Zeichen der „Medizin der Zukunft“ und rückt innovative Entwicklungen in Diagnostik, Therapie und Prävention in den Mittelpunkt. Im Fokus stehen insbesondere personalisierte Behandlungsansätze, digitale Technologien und interdisziplinäre Forschung, die neue Wege im Umgang mit Krankheiten eröffnen. 

Text: Christina Bornschein / Kommunikation am Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie UKW

Das Boot mit schwarzem Rumpf fährt auf einem Fluss durch eine grüne Landschaft
MS Wissenschaft im Wissenschaftsjahr 2026: Am 7. Mai startet die MS Wissenschaft ihre neue Tour zum Thema Medizin der Zukunft. Bis September macht das umgebaute Frachtschiff an rund 35 Orten halt. Die Mitmach-Ausstellung mit rund 30 interaktiven Exponaten befindet sich im Schiffsbauch. Hier haben Forschende ihre Arbeit in Exponate zum Anfassen, Experimentieren und Mitmachen verwandelt.

UKW-Startup T-CURX erhält 20 Mio. US-Dollar-Finanzierung von internationalen Investoren

Ziel ist Entwicklung wirksamerer und leichter verfügbarer CAR-T-Therapien

Dr. Ulf Grawunder, CEO von T-CURX, Christian Söllner, Leiter Recht und Mitglied des Beirats, und Mitgründer Prof. Dr. Michael Hudecek stehen im Labor und lachen in die Kamera.
Das Unternehmen T-CURX ist eine Ausgründung der Universitätsmedizin Würzburg. V.l.n.r.: Dr. Ulf Grawunder, CEO von T-CURX, Christian Söllner, Leiter Recht und Mitglied des Beirats, und Mitgründer Prof. Dr. Michael Hudecek, Lehrstuhlinhaber für Zelluläre Immuntherapie, am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. © Chris Weiß

Würzburg. Die T-CURX GmbH aus Würzburg erhält in der ersten Runde einer Finanzierungsserie 20 Mio. US-Dollar (17,7 Mio. Euro) von einem internationalen Investorenteam aus Europa und Asien, angeführt von BiomedVC aus der Schweiz. Das Unternehmen T-CURX ist eine Ausgründung der Universitätsmedizin Würzburg und wurde von Prof. Dr. Michael Hudecek, Lehrstuhlinhaber für Zelluläre Immuntherapie, am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, gegründet. Mit diesen Mitteln will T-CURX nun die Entwicklung von nicht-viralen CAR-T-Therapien bei akuter myeloischer Leukämie (AML) und soliden Tumoren beschleunigen und gleichzeitig die firmeneigenen Technologien zur direkten Herstellung von CAR-T-Zellen im Körper weiterentwickeln.

Die CAR-T-Zelltherapie gilt als eine der wirksamsten Krebstherapien. Dabei werden T-Zellen aus dem Körper der Patientinnen und Patienten so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und bekämpfen. Anschließend können sich die T-Zellen im Körper vermehren und Tumore effektiv angreifen. Bisher wird diese Therapie aufgrund hoher Kosten oft erst in letzter Therapielinie eingesetzt.

Die T-CURX GmbH aus Würzburg beabsichtigt CAR-T-Therapien kostengünstiger und breiter zugänglich machen. Sie entwickelt nicht-virale CAR-T-Zellen zur Behandlung verschiedener Krebsarten, darunter akute myeloische Leukämie (AML), chronische lymphatische Leukämie (CLL) und solide Tumore. „Mit den Mitteln aus der aktuellen Finanzierungsrunde wollen wir unsere klinischen Studien vorantreiben: Das führende Programm soll die Phase-1-Studie abschließen und in Phase 2 eintreten“, fasst Mitgründer Prof. Dr. Michael Hudecek zusammen. Das Biotech-Unternehmen entstand aus seinem Labor am Universitätsklinikum Würzburg und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Prof. Tim J. von Oertzen, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Würzburg, betont: „Dass ein aus dem Universitätsklinikum Würzburg hervorgegangenes Startup diesen wichtigen Meilenstein erreicht, ist ein Riesenerfolg. Und es ist ein Beleg für die Qualität unserer Innovationskraft und ihrer Relevanz für die Patientenversorgung.“

„Die Finanzierung unserer Ausgründung T-CURX ist ein schöner Erfolg nicht nur für die Universität Würzburg, sondern für das gesamte Innovations-Ökosystem in Unterfranken. Dies zeigt einmal mehr, welch wirkkräftige Ideen in unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stecken“, so Prof. Dr. Matthias Bode, Vizepräsident für Innovation und Wissenstransfer an der Uni Würzburg.

Mit der erfolgreichen Finanzierung kann T-CURX die Entwicklung seiner CAR-T-Therapien weiter vorantreiben. Im Fokus steht dabei der Einsatz nicht-viraler Vektor- und LNP-Technologien zur in-vivo-Generierung von CAR-T-Zellen. So sollen die Therapien einfacher, schneller und kostengünstiger produziert werden, damit künftig mehr Patientinnen und Patienten von diesen innovativen Krebstherapien profitieren können. 

„Die Finanzierung durch ein internationales Investorenkonsortium unterstreicht das wissenschaftliche Fundament und das therapeutische Potenzial der Pipeline in AML, CLL und soliden Tumorindikationen“, kommentiert Dr. Ulf Grawunder, Mitgründer und CEO von T-CURX.

Internationale Investoren und EU-Förderung stärken T-CURX

Zum internationalen Investorenteam gehören neben BiomedVC auch Bayern Kapital, HighLight Capital (HLC) und der i&i Biotech Fund. Außerdem haben sich bestehende und neue private Investoren beteiligt.

Über die Beteiligung von Bayern Kapital erhielt T-CURX zudem Zugang zu Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union (EU). Ziel dieses Fonds ist die Unterstützung des „STEP“-Ziels („Strategische Technologien für Europa“), mit dem die Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und Resilienz Europas gestärkt werden soll. Die Fonds von Bayern Kapital wurden als Projekt von strategischer Bedeutung durch das bayerische EFRE-Programm ausgewählt und insgesamt stehen für den Bayern Kapital Innovationsfonds EFRE II 58,3 Mio. Euro zur Verfügung.

Über die T-CURX GmbH

Die T-CURX GmbH ist ein privates deutsches Biotech-Unternehmen mit Sitz in Würzburg. Das Unternehmen wurde im Jahr 2017 mit der Vision gegründet, wirksame CAR-T-Zelltherapien der nächsten Generation mithilfe kostengünstiger und hoch skalierbarer, nicht-viraler CAR-T-Zelltechnologie zu entwickeln und diese so für mehr Krebspatienten zugänglich zu machen. Der Gründung ging ein Pre-Seed m4 Award voraus. T-CURX ist eine Ausgründung des Labors des T-CURX-Mitgründers Prof. Michael Hudecek an der Universität Würzburg und dem Universitätsklinikum Würzburg und wird vom Serial Entrepreneur Dr. Ulf Grawunder als CEO geleitet. T-CURX nutzt ein Portfolio proprietärer, nicht-viraler CAR-T-Technologien für die skalierbare und kostengünstige Herstellung von CAR-T-Zellen auf der Grundlage eines nicht-viralen „Sleeping Beauty“-Transposon-Gentransfers in die T-Zellen eines Patienten.

Weitere Informationen über T-CURX finden sie hier.

Unterstützt durch das SFT der Uni Würzburg

Das JMU-Servicezentrum Forschung und Technologietransfer (SFT) hat das Team um Prof. Dr. Michael Hudecek auf dem Weg zur Gründung der T-CURX GmbH unterstützt. Die Einrichtungen berieten die Forschenden bei der Ausgründung und unterstützten sie bei Förderanträgen.

 

Pressekontakt T-CURX
Ulf Grawunder, CEO
E-Mail: ulf@ t-curx.com

Pressestelle T-CURX
Telefon: +49-(0)-931-250-99-712
E-mail: pr@ t-curx.com

Dr. Ulf Grawunder, CEO von T-CURX, Christian Söllner, Leiter Recht und Mitglied des Beirats, und Mitgründer Prof. Dr. Michael Hudecek stehen im Labor und lachen in die Kamera.
Das Unternehmen T-CURX ist eine Ausgründung der Universitätsmedizin Würzburg. V.l.n.r.: Dr. Ulf Grawunder, CEO von T-CURX, Christian Söllner, Leiter Recht und Mitglied des Beirats, und Mitgründer Prof. Dr. Michael Hudecek, Lehrstuhlinhaber für Zelluläre Immuntherapie, am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) und an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. © Chris Weiß

Kontakt, Öffnungszeiten, Sprechzeiten

Telefon

Lehrstuhlinhaber
Prof. Dr. Michael Hudecek

Sekretariat
Julia Krüger
+49 931 201-71292

E-Mail

Sekretariat

krueger_j1@ ukw.de


Anschrift

Medizinische Klinik und Poliklinik II des Universitätsklinikums | Lehrstuhl für Zelluläre Immuntherapie | Versbacher Straße 5 | 97078 Würzburg