Tumoren per Blutprobe im Blick behalten

8.000 Euro Förderung durch Stiftung Forschung hilft

Mit dem Projekt LiBRA wollen Dr. Otilia Kimpel vom Lehrstuhl für Endokrinologie und Diabetologie und Dr. Jenny Wegert vom Institut für Klinische Genetik und Genommedizin Tumor-DNA im Blut nutzen, um Nieren- und Nebennierentumoren schonend zu überwachen, das Therapieansprechen früh zu erkennen und Rückfälle möglichst früh aufzuspüren.

Wie lässt sich erkennen, ob ein Tumor auf eine Behandlung anspricht oder nach zunächst erfolgreicher Therapie zurückkehrt? Bei seltenen Krebserkrankungen sind dafür häufig aufwendige bildgebende Untersuchungen und teilweise invasive Eingriffe notwendig. Besonders für Kinder können wiederholte Untersuchungen belastend sein. Das Forschungsprojekt LIBRA – Liquid Biopsy zur besseren Überwachung von Nieren- und Nebennierentumoren möchte deshalb eine schonendere Möglichkeit entwickeln: Eine einfache Blutprobe soll künftig zusätzliche Informationen über die Aktivität und Entwicklung eines Tumors liefern.

Möglich wird dies durch die sogenannte Liquid Biopsy. Tumorzellen geben kleine Mengen ihres Erbguts in die Blutbahn ab. Diese zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) lässt sich mit modernen genetischen Methoden aufspüren und analysieren. Die Arbeitsgruppen von Dr. Otilia Kimpel vom Lehrstuhl für Endokrinologie und Diabetologie und Dr. Jenny Wegert vom Institut für Klinische Genetik und Genommedizin wollen untersuchen, ob sich dieses Tumor-Erbgut zur Diagnose und Verlaufskontrolle von Nierentumoren bei Kindern und Nebennierenkarzinomen bei Erwachsenen nutzen lässt.

Dazu werden Blutproben zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht – bei der Diagnose, während der Behandlung und in der Nachsorge. Die Forschenden wollen charakteristische genetische Veränderungen des Tumors im Blut nachweisen und prüfen, ob sich Veränderungen der zirkulierenden Tumor-DNA mit dem Krankheitsverlauf decken. So könnte sich künftig erkennen lassen, ob eine Therapie wirkt, ob sich der Tumor genetisch verändert oder ob noch kleinste Mengen von Tumorzellen im Körper vorhanden sind. Auch ein Rückfall könnte sich möglicherweise bereits ankündigen, bevor er in bildgebenden Untersuchungen eindeutig sichtbar wird.

Ein besonderer Fokus liegt auf der sogenannten minimalen Resterkrankung (Minimal Residual Disease, MRD). Dabei handelt es sich um kleinste Mengen verbliebener Tumorzellen, die nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung noch im Körper vorhanden sein können. Ihr Nachweis könnte helfen, Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Rückfallrisiko frühzeitig zu erkennen und die weitere Behandlung gezielter anzupassen.

Damit aus der Forschung eine tatsächlich nutzbare Untersuchungsmethode werden kann, entwickelt das Team einen vollständigen diagnostischen Ablauf – von der Blutentnahme und Aufbereitung der Proben über die genetische Sequenzierung bis zur bioinformatischen Auswertung und schnellen Übermittlung der Ergebnisse an die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Die Prozesse sollen dabei so etabliert werden, dass die Liquid Biopsy langfristig in die klinische Versorgung integriert werden kann.

Für die beiden ausgewählten Tumorerkrankungen bestehen in Würzburg besondere Voraussetzungen. Die Arbeitsgruppe verfügt über eine international bedeutende Biobank für kindliche Nierentumoren mit Proben von mehr als 2.200 Patientinnen und Patienten. Auch beim seltenen und häufig aggressiven Nebennierenkarzinom besitzt das Universitätsklinikum eine ausgewiesene klinische und wissenschaftliche Expertise. Erste Arbeiten zeigen bereits, dass bestimmte DNA-Veränderungen im Blut mit dem Krankheitsverlauf zusammenhängen können.

Langfristig könnte LIBRA die Krebsüberwachung schonender, engmaschiger und individueller machen: Eine Blutprobe könnte dabei helfen, Tumoren genauer zu charakterisieren, das Ansprechen auf eine Therapie zu überwachen und Rückfälle früher zu erkennen. Die beiden seltenen Tumorerkrankungen dienen dabei als Ausgangspunkt. Gelingt es, die Methode zuverlässig für die klinische Anwendung zu etablieren, könnte der Ansatz perspektivisch auch auf andere solide Tumoren übertragen werden.

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